22. Mai 2009 13:34
In der nordfranzösischen Stadt Amiens sind Jugendliche nach dem Tod eines
Motorradfahrers mit der Polizei aneinandergeraten. Elf Autos und 30
Mülltonnen gingen über Nacht in Flammen auf, wie die Behörden am Freitag
mitteilten. Eine Polizeiwache wurde durch einen beginnenden Brand
beschädigt. Dutzende Polizisten waren demnach nötig, um die Ordnung
wiederherzustellen; teils wurden sie mit Steinen beworfen. Ein Polizist sei
vorübergehend im Krankenhaus behandelt worden, nachdem Vermummte ihn
angefahren hätten.
Gewalt auch bei Paris
Auch in Evry südlich von Paris musste die
Polizei Krawalle auflösen. Die Polizeigewerkschaft Alliance forderte "dringend
Lösungen für die Probleme der Vorstadtgewalt".
Die Unruhen in Amiens seien offenbar durch das Gerücht ausgelöst worden,
dass der Motorradfahrer bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei
verunglückt sei, erklärte die Präfektur. Der 19-Jährige starb am
Donnerstagmorgen im Krankenhaus, nachdem er tags zuvor mit einem anderen
jungen Mann zusammengestoßen war. Der andere Fahrer, der ohne Verletzung
davonkam, fuhr nach Angaben der Polizei unter dem Einfluss von Rauschgift
auf seinem Quad. Die beiden jungen Männer lieferten sich demnach ein Rennen.
In Evry südlich von Paris ging die Polizei mit Tränengas und Gummigeschoßen
gegen rund sechzig junge Leute vor und nahm zwei Dutzend von ihnen vorläufig
fest. Anlass war eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen von
Jugendlichen aus verschiedenen Vierteln. Die Polizeigewerkschaft Alliance
wies darauf hin, dass die Gewalt in den Vorstädten ständig zunehme und dass
die Angriffe auf die Polizei "immer schwerwiegender" würden.
Im November 2007 war es im Pariser Vorort Villiers-le-Bel und weiteren
Vorstädten zu tagelangen Ausschreitungen gekommen, nachdem zwei Jugendliche
auf dem Motorrad bei einem Zusammenstoß mit einem Polizeiwagen gestorben
waren. Seinerzeit wurde die Polizei mit Jagd-und Schrotflinten beschossen.
Im Herbst 2005 hatte Frankreich über Wochen landesweite Vorstadtkrawalle
erlebt.