Vatikan will Psycho-Tests für Priesteramtsanwärter

Neue Richtlinien

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Vatikan will Psycho-Tests für Priesteramtsanwärter

Der Vatikan hat am Donnerstag neue Richtlinien für die Aufnahme ins Priesterseminar veröffentlicht. Nach den Sex- und Missbrauchsskandalen der jüngeren Vergangenheit gehe es darum, Kandidaten mit "psychopathischen Störungen" vom Priesteramt fernzuhalten, erklärte Monsignore Jean-Louis Bruguès. "Viele tragische Erfahrungen wären vermieden worden, wenn Defekte früher erkannt worden wären", sagte der Sekretär der Kongregation für das katholische Bildungswesen, die in der römischen Kurie die Aufsicht über die Priesterseminare führt.

Die Richtlinien sehen vor, dass bei der Prüfung von Bewerbern für das Priesterseminar Probleme wie eine "verwirrte oder noch nicht gut definierte" sexuelle Identität angesprochen werden. Wenn ein angehender Priester "tiefsitzende homosexuelle Neigungen" zeige, solle seine Seminarausbildung abgebrochen werden. Kandidaten müssten ein "positives und stabiles Gefühl der eigenen männlichen Identität" haben und in der Lage sein, ihre Sexualität mit der Verpflichtung zum Zölibat in Einklang zu bringen.

Die Tests sollen nach Angaben des Vatikans nicht zur generellen Pflicht, sondern im Einzelfall angeordnet werden, um sicherzugehen, dass der Kandidat für das Priesteramt qualifiziert ist. Dazu gehöre eine reife und ausgewogene Persönlichkeit. Allerdings dürften die Kandidaten nicht zu psychologischen Tests gezwungen werden, bevor sie in ein Priesterseminar einträten. Zudem müssten die Psychologen von einem christlichen Menschenbild geleitet sein - vor allem, was die Sexualität und den Zölibat betreffe. Sollte eine Therapie notwendig sein, dann solle diese vor der Aufnahme ins Priesterseminar erfolgen, hieß es weiter.

Die Bildungskongregation hatte bereits im Jahr 2005 eine "Instruktion über Kriterien zur Berufungsklärung von Personen mit homosexuellen Tendenzen im Hinblick auf ihre Zulassung für das Priesteramt und zu den heiligen Weihen" erlassen. Darin war festgehalten worden, dass jene Personen nicht für das Priesterseminar und zur Weihe zugelassen werden können, "die Homosexualität praktizieren, tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte homosexuelle Kultur unterstützen".

In den vergangenen Jahren hatten immer wieder Sex-Skandale die katholische Kirche erschüttert, dabei wurden Hunderte Fälle des Missbrauchs von Buben durch Priester bekannt. In Österreich erregte besonders der Fall des Priesterseminars der Diözese Sankt Pölten 2004 großes Aufsehen. Dort waren auf Computern 40.000 teils pädophile Pornobilder gefunden worden, außerdem gelangten Fotos von sexuellen Kontakten zwischen Seminarmitgliedern und Lehrenden an die Öffentlichkeit.

Die katholische Kirche leidet insbesondere in Europa unter Priestermangel. Papst Benedikt XVI. hat aber erklärt, es sei wichtiger, gute Priester zu haben als viele.

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