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15.000 protestieren gegen Festnahme von Karadzic 15.000 protestieren gegen Festnahme von Karadzic

Großdemo in Belgrad

 

 

15.000 protestieren gegen Festnahme von Karadzic

Bei einer Protestkundgebung gegen die Auslieferung Radovan Karadzics an das UNO-Kriegsverbrechertribunal ist es am Dienstagabend in Belgrad zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden laut Innenministerium 74 Menschen verletzt: 51 Polizisten und 23 Demonstranten seien in die Notaufnahmen der Stadt eingeliefert worden, wie ein Krankenhaus und die Polizei mitteilten. Unter den Verletzten waren ein Kameramann des spanischen Fernsehsenders RTE und ein Journalist der serbischen Nachrichtenagentur Beta. Ein Polizist und ein Demonstrant mussten demnach stationär behandelt werden, alle weiteren seien nur leicht verletzt worden.

15.000 auf der Straße
Rund 15.000 Menschen aus ganz Serbien und dem benachbarten Bosnien waren dem Aufruf der Serbischen Radikalen Partei (SRS) und anderer nationalistischen Gruppierungen zu der Demonstration unter dem Motto "Freiheit für Serbien" im Zentrum der serbischen Hauptstadt gefolgt. Dem ehemaligen bosnisch-serbischen Präsidenten werden Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg 1992 bis 1995 vorgeworfen. Er war vergangene Woche nach 12 Jahren Flucht in Serbien gefasst worden. Ihm soll in Den Haag der Prozess gemacht werden.

"Danke, dass ihr in so großer Zahl gekommen seid, um zu zeigen, dass Serbien nicht tot ist", rief Alexander Vucic, Generalsekretär der ultranationalistischen SRS, der Menge zu. Die Demonstranten forderten Karadzics Freilassung und beschimpften den pro-westlichen Präsidenten Boris Tadic in Sprechchören als "Verräter". Sie trugen Fotografien von Karadzic, sowie vom ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und dem eigentlichen SRS-Chefs Vojislav Seselj, der sich als Haager Angeklagter im Tribunalsgefängnis in Scheveningen befindet. Seselj wandte sich an die Protestierenden mit einem Schreiben, das in Belgrad verlesen wurde: Man wolle Karadzic jener Institution ausliefern, die Milosevic ermordet habe, verkündete der Ultra-Nationalist aus seiner Zelle.

Radikale randalieren
Als der amtierende Chef der SRS, Tomislav Nikolic, zu den Demonstranten sprach, begannen die Jugendlichen zu randalieren. Nikolic versuchte, die jungen Leute zu beruhigen. "Tut das nicht Kinder, dafür sind wir nicht hier, wir wollen nicht Belgrad, sondern Tadic zerstören", rief er den Hooligans zu. Die als gewaltbereit bekannten Fußballfans hatten ein riesiges Transparent mit Karadzics Konterfei und Spruchbänder mit Aufschriften wie "Wir töten euch alle" sowie "Boris Tadic, Serbien bereitet deine Beerdigung vor, du bist am Ende" bei sich.

Rund hundert Hooligans bewarfen die anwesenden Polizisten mit Steinen, Flaschen und Brandsätzen. Diese antworteten mit Tränengas und Gummigeschoßen. Es kam zu heftigen Straßenschlachten. Wie serbische Medien in der Nacht auf Mittwoch berichteten, hatten die Demonstranten zahlreiche Geschäfte in der Innenstadt zerstört.SRS-Generalsekretär Vucic beschuldigte die Polizei eines "übermäßigen Gewalteinsatzes". Über eventuelle Festnahmen lagen keine Angaben vor. Gegen Mitternacht sei die Situation unter Kontrolle gebracht worden, erklärte Polizeichef Milorad Veljovic.

Brandanschlag auf US-Botschaft
Die Behörden hatten sich mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften auf die Kundgebung vorbereitet. Bereits in der vorigen Woche war es nach der Verhaftung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Karadzic bei Protestaktionen zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Bei der letzten Großdemonstration der Nationalisten wegen der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos waren 150.000 Menschen in Belgrad zusammengekommen. Nach der Kundgebung kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen und einem Brandanschlag auf die US-Botschaft.

Foto: (c) AP

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