28. Mai 2009 17:45
Der tausendfache Missbrauch von Kindern in Einrichtungen der katholischen
Kirche in Irland ist nach Ansicht eines hohen Geistlichen des Vatikan nicht
so gravierend wie die Abtreibung. "Was in einigen (irischen) Schulen
geschehen sein mag, ist nicht zu vergleichen mit den Millionen von Leben,
die durch Schwangerschaftsabbrüche zerstört wurden", sagte der spanische
Kardinal Antonio Canizares dem Fernsehsender TV3. Unter der sozialistischen
Regierung Spaniens wurde der Schwangerschaftsabbruch weitgehend
liberalisiert.
Der frühere Primas der katholischen Kirche in Spanien wies nach
Medienberichten vom Donnerstag zugleich darauf hin, dass der Missbrauch von
Kindern in Irland "absolut zu verurteilen" sei. "Dafür müssen wir uns
entschuldigen." Canizares war von Papst Benedikt XVI. zum Präfekten der
Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ernannt worden.
Scharfe Kritik des span. Gesundheitsministers
Die spanische
Gesundheitsministerin Trinidad Jiménez übte scharfe Kritik an den Äußerungen
des Geistlichen. Es sei "völlig unangebracht und unverantwortlich", den
Missbrauch von Kindern mit der Abtreibung zu vergleichen, sagte die
sozialistische Politikerin. "Dies sind zwei völlig verschiedene Dinge."
Die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez
Zapatero in Madrid verabschiedete vor kurzem ein neues Abtreibungsgesetz,
das eine deutliche Lockerung der geltenden Regeln für
Schwangerschaftsabbrüche vorsieht. Demnach können Frauen künftig ohne Angabe
von Gründen straffrei und kostenlos bis zur 14. Schwangerschaftswoche
abtreiben. Minderjährige ab 16 Jahren brauchen kein Einverständnis ihrer
Eltern mehr.