Der Aufstand gegen das Mullah-Regime nimmt kein Ende. Wieder gehen in
Teheran zehntausende Anhänger von Moussawi auf die Straße - trotz seines
Aufrufs, die Kundgebungen aus Angst vor Zusammenstößen mit
Sicherheitskräften abzusagen.
Zehntausende von Anhängern des unterlegenen iranischen
Präsidentschaftskandidaten Mir-Hossein Moussawi haben am Dienstag erneut in
Teheran für eine Wiederholung der Wahlen demonstriert. Sie widersetzten sich
damit dem Aufruf Moussawis, die geplanten Kundgebungen aus Furcht vor
Zusammenstößen abzusagen. Seine Anhänger sollten nicht ihr Leben riskieren,
sagte der 67-Jährige nach Medienberichten.
Video: So fielen Schüsse bei der Demo am Montag:
Dennoch versammelten sich die Demonstranten zunächst im Norden Teherans und
wollten zum Sitz des Staatsfernsehens IRIB ziehen. Der Sender gilt als
Hauptunterstützer des amtierenden Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad. Zum
Zeichen der Trauer trugen die Moussawi-Anhänger die Farbe Schwarz. Nur grüne
Armbinden verrieten die Farbe ihrer Bewegung.
Auch Demo pro-Ahmadinejad Unterdessen zogen auch Zehntausende
von Anhängern Ahmadinejads durch die Straßen Teherans. Sie riefen Slogans
wie: "Wir sind unserem Führer treu ergeben." Nach
Augenzeugenberichten blieb die Lage zunächst ruhig.
Druck auf die Medien Der Druck auf die Medien im Iran hat nach
Angaben von "Reporter ohne Grenzen" erheblich zugenommen. Wie die
Organisation am Dienstag berichtete, werden im Land Journalisten
festgenommen, Zeitungen geschlossen und Webseiten gesperrt. Das
Mobilfunknetz sei teilweise abgeschaltet worden. Seit dem 12. Juni seien elf
iranische Journalisten verhaftet worden, fünf davon saßen am Dienstag weiter
in Haft. Von zehn weiteren Reportern fehle jede Spur.
Journalisten dürfen Hotels nicht verlassen Ausländischen
Journalisten war es am Dienstag verboten, über die am Nachmittag geplante
Massendemonstrationen gegen Präsident Mahmoud Ahmadinejad zu berichten.
Mitarbeiter von ARD und ZDF durften nach Angaben der Organisation ihre
Hotels nicht verlassen; ein Mitarbeiter eines italienischen
Nachrichtensenders und ein Reporter einer internationalen Nachrichtenagentur
sollen von Polizisten geschlagen worden sein. Im Innenministerium seien vier
Mitarbeiter entlassen worden, weil sie Wahlergebnisse genannt hatten, die
von den offiziellen Zahlen abwichen, berichtete "Reporter ohne Grenzen".
US-Regierung interveniert bei "Twitter" Die
US-Regierung hat das Kommunikations-Netzwerk Twitter um eine
Verschiebung geplanter Wartungsarbeiten gebeten, damit iranische
Regierungsgegner weiter über die Plattform kommunizieren können.
Twitter sei einer der wenigen Kommunikationskanäle, über die Iraner
Neuigkeiten austauschen könnten, sagte ein Vertreter des Washingtoner
Außenministeriums am Dienstag.
Deswegen habe das State Department eingegriffen, als Twitter für
Montagabend eine einstündige Abschaltung für Wartungsangaben
angekündigt hatte. Twitter verschob diese Unterbrechung inzwischen.
Der Außenamtssprecher in Washington betonte, dass die Bitte an Twitter
nicht von US-Außenministerin Hillary Clinton persönlich übermittelt
worden sei.
Foto:
(c) APA
Demo auch in Wien Rund 700 Personen haben nach Polizeiangaben am
Dienstag in Wien unter dem Motto "Wo ist meine Stimme?" für den
nach den iranischen Präsidentschaftswahlen unterlegenen Kandidaten
Mir-Hossein Moussavi und eine Wahlwiederholung demonstriert. Transparente
mit der Aufschrift "Wahlbetrug Volksbetrug", "Where ist my
vote" und "Wir wollen Rechte, keine Schläge" waren auf
dem Heldenplatz zu sehen. "Unser Ziel ist eine kritische Stellungnahme
gegenüber den iranischen Machthabern", sagte einer der vermummten
Teilnehmer.
Sprechchöre mit den Worten "Freiheit, Freiheit" sowie "Freie
Wahlen, freie Menschen" waren auf iranisch und deutsch von den
hunderten Protestteilnehmern zu hören. Einer der Veranstalter bat die
anwesenden Medien auf Farsi, keine Videos oder Fotos zu machen, da dies für
einige Teilnehmer gefährlich werden könne. Aufgrund mangelnder Dolmetscher
an den Mikrofonen ging diese Aufforderung ins Leere.
Die Demonstration begann um 17.00 Uhr vor der Wiener Hofburg, danach setzte
sich der Protestzug in Richtung iranischer Botschaft in Bewegung, wo
schließlich gegen 19.15 Uhr die Abschlusskundgebung stattfand. Die
Veranstaltung verlief laut Polizeiangaben störungsfrei.