Doppelanschlag in Bagdad - 155 Tote

Konzertierte Aktion

Doppelanschlag in Bagdad - 155 Tote

Bei einem Doppelanschlag im Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Sonntag 155 Menschen getötet worden. Mindestens 500 weitere Menschen wurden verletzt, als am Justizministerium und am Sitz des Gouverneurs von Bagdad in kurzen Abständen Autobomben explodierten. Es dürfte sich um eine koordinierte Aktion handeln.

Beim Justizministerium
Die erste Autobombe detonierte im morgendlichen Berufsverkehr an einer belebten Straße zwischen den Ministerien für Justiz und Arbeit im Herzen der Stadt. Das präparierte Fahrzeug explodierte mitten auf der Straße. Feuerwehrleute bemühten sich mit Feuerwehrleitern um einen Zugang zu den oberen Stockwerken der stark beschädigten Regierungsgebäude, in denen weitere Opfer befürchtet wurden. Schreie gellten durch die Straßen. Unter den Toten waren zahlreiche Frauen und ältere Menschen.

Vor Gouverneurssitz
Zehn Minuten später ging die zweite Autobombe im Stadtteil Salhiyeh hoch. Vor dem Gouverneurssitz lagen Leichen und Leichenteile verstreut. Rettungskräfte bargen verkohlte menschliche Überreste aus zerstörten Fahrzeugen. Einige Leichen waren zu heiß, um sie anzufassen und hätten in Tücher gewickelt werden müssen. Durch die Wucht der Explosionen wurden umliegende Gebäuden stark beschädigt, Fensterscheiben gingen zu Bruch. Abwasserleitungen barsten und setzten ganze Straßenzüge unter Wasser. Dicke Rauchwolken standen über dem Anschlagsort. Die Polizei riegelte die Zufahrtsstraßen ab, um Feuerwehrfahrzeuge und Rettungswagen ein Durchkommen zu ermöglichen.

Al Kaida verantwortlich?
Kurze Zeit nach der Explosion in Salhiyeh begab sich Ministerpräsident Nuri al-Maliki zu dem Anschlagsort am Gouverneurssitz. Er sprach mit Hilfskräften und Sicherheitsbeamten, verzichtete aber zunächst auf eine offizielle Stellungnahme zu dem Attentat. Laut Regierung weist der Anschlag die Handschrift der Al Kaida und ihrer Verbündeten auf und könnte gegen die geplante Parlamentswahl im Jänner gerichtet sein.

Neues Wahlrecht
Der Nationale Sicherheitsrat im Irak bemüht sich derzeit um eine Beilegung des Streits um ein neues Wahlrecht, damit Mitte Jänner gewählt werden kann. Das größte Problem ist dabei der Streit um die nördliche Erdölstadt Kirkuk, die an das autonome Kurdengebiet grenzt. Die kurdische Autonomieregierung will Kirkuk in das Kurdengebiet eingliedern, was die dort lebenden Araber und Turkmenen aber ablehnen. Zunächst war geplant, dass das Parlament schon am Montag über ein neues Wahlrecht abstimmen sollte.

Lage immer schlimmer
Die Zahl der Anschläge im Irak ist seit dem Rückzug der US-Soldaten aus den Städten am 30. Juni wieder stark gestiegen. Am 19. August wurden bei Anschlägen auf das Außen- und das Finanzministerium in Bagdad rund 100 Menschen getötet und mehr als 600 verletzt. Damals machte die Regierung Anhänger der verbotenen Baath-Partei des gestürzten Machthabers Saddam Hussein verantwortlich, denen Syrien angeblich Unterschlupf gewährt.

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