25. Oktober 2009 10:29
Bei einem Doppelanschlag im Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am
Sonntag 155 Menschen getötet worden. Mindestens 500 weitere Menschen wurden
verletzt, als am Justizministerium und am Sitz des Gouverneurs von Bagdad in
kurzen Abständen Autobomben explodierten. Es dürfte sich um eine
koordinierte Aktion handeln.
Beim Justizministerium
Die erste Autobombe detonierte im
morgendlichen Berufsverkehr an einer belebten Straße zwischen den
Ministerien für Justiz und Arbeit im Herzen der Stadt. Das präparierte
Fahrzeug explodierte mitten auf der Straße. Feuerwehrleute bemühten sich mit
Feuerwehrleitern um einen Zugang zu den oberen Stockwerken der stark
beschädigten Regierungsgebäude, in denen weitere Opfer befürchtet wurden.
Schreie gellten durch die Straßen. Unter den Toten waren zahlreiche Frauen
und ältere Menschen.
Vor Gouverneurssitz
Zehn Minuten später ging die zweite
Autobombe im Stadtteil Salhiyeh hoch. Vor dem Gouverneurssitz lagen Leichen
und Leichenteile verstreut. Rettungskräfte bargen verkohlte menschliche
Überreste aus zerstörten Fahrzeugen. Einige Leichen waren zu heiß, um sie
anzufassen und hätten in Tücher gewickelt werden müssen. Durch die Wucht der
Explosionen wurden umliegende Gebäuden stark beschädigt, Fensterscheiben
gingen zu Bruch. Abwasserleitungen barsten und setzten ganze Straßenzüge
unter Wasser. Dicke Rauchwolken standen über dem Anschlagsort. Die Polizei
riegelte die Zufahrtsstraßen ab, um Feuerwehrfahrzeuge und Rettungswagen ein
Durchkommen zu ermöglichen.
Al Kaida verantwortlich?
Kurze Zeit nach der Explosion in
Salhiyeh begab sich Ministerpräsident Nuri al-Maliki zu dem Anschlagsort am
Gouverneurssitz. Er sprach mit Hilfskräften und Sicherheitsbeamten,
verzichtete aber zunächst auf eine offizielle Stellungnahme zu dem Attentat.
Laut Regierung weist der Anschlag die Handschrift der Al Kaida und ihrer
Verbündeten auf und könnte gegen die geplante Parlamentswahl im Jänner
gerichtet sein.
Neues Wahlrecht
Der Nationale Sicherheitsrat im Irak bemüht sich
derzeit um eine Beilegung des Streits um ein neues Wahlrecht, damit Mitte
Jänner gewählt werden kann. Das größte Problem ist dabei der Streit um die
nördliche Erdölstadt Kirkuk, die an das autonome Kurdengebiet grenzt. Die
kurdische Autonomieregierung will Kirkuk in das Kurdengebiet eingliedern,
was die dort lebenden Araber und Turkmenen aber ablehnen. Zunächst war
geplant, dass das Parlament schon am Montag über ein neues Wahlrecht
abstimmen sollte.
Lage immer schlimmer
Die Zahl der Anschläge im Irak ist seit dem
Rückzug der US-Soldaten aus den Städten am 30. Juni wieder stark gestiegen.
Am 19. August wurden bei Anschlägen auf das Außen- und das Finanzministerium
in Bagdad rund
100 Menschen getötet und mehr als 600 verletzt. Damals machte die
Regierung Anhänger der verbotenen Baath-Partei des gestürzten Machthabers
Saddam Hussein verantwortlich, denen Syrien angeblich Unterschlupf gewährt.