24. Juli 2008 11:29
Die Anklageschrift des UNO-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige
Jugoslawien (ICTY) gegen den ehemaligen Präsidenten der bosnischen
Serbenrepublik, Radovan Karadzic, wird von den Haager Anklägern nach dessen
Festnahme erneut analysiert. Man wolle feststellen, ob es Gründe gibt, die
Anklage zu ändern bzw. durch in den letzten Jahren gesammelte neue Beweise
zu untermauern, erklärte die Sprecherin der Tribunalsanklage, Olga Kavran,
gegenüber Belgrader Medien.
Die erste Anklage wegen Kriegsverbrechen gegen Karadzic war im Juli 1995
erhoben worden, im November jenes Jahres folgte auch eine Anklage wegen des
Völkermords in Srebrenica, wo im Sommer 1995 rund 8.000 bosnische Muslime
(Bosniaken) von Truppen der bosnischen Serben ermordet worden waren. Im Jahr
2000 veröffentlichte die damalige Haager Chefanklägerin Carla del Ponte dann
eine zusammengefasste Anklage. Dieses Dokument soll nun zumindest die
Grundlage für das geplante Gerichtsverfahren gegen Karadzic vor dem ICTY
darstellen. Sollten die Ankläger Änderungen vornehmen, müsste dies vom
Tribunalssenat bestätigt werden.
Karadzic wurde bisher in elf Punkten wegen Völkermordes, Verbrechen gegen
die Menschlichkeit, Verletzung des Kriegsrechts und schwerer Verstöße gegen
die Genfer Konventionen von 1949 angeklagt. Wann genau der Angeklagte, der
mehr als zwölf Jahre auf der Flucht war und vor kurzem gefasst wurde, an das
UNO-Tribunal überstellt werden soll, ist bisher nicht bekannt. Ankündigungen
zufolge dürfte die Auslieferung spätestens in der ersten Hälfte der nächsten
Woche erfolgen. Binnen der darauffolgenden zwei Tage soll sich Karadzic dann
erstmals vor dem Tribunalssenat zu den Anschuldigungen äußern.