01. Juli 2009 07:33
Der in Honduras gestürzte Präsident Manuel Zelaya will seinen Gegnern in
einem zentralen Konfliktpunkt entgegenkommen und das Ziel einer zweiten
Amtszeit aufgeben. Er wolle die bis Jänner laufende Amtszeit beenden, werde
dann aber nicht mehr antreten, sagte Zelaya am Dienstag in New York nach
einer Rede vor der UN-Vollversammlung. Auf die Frage, ob er nie mehr
Präsident sein werde, antwortete er: "Nein, niemals." Er werde die Politik
aufgeben, fügte der in der Holzindustrie tätige Großunternehmer an. "Ich
kehre ins Privatleben zurück, zu einem Leben mit meiner Familie."
Putsch verurteilt
Die UN-Vollversammlung verurteilte den Putsch
in Honduras einmütig und forderte eine Rückkehr von Präsident Zelaya an die
Macht. Das 192-Länder- Gremium verabschiedete am Dienstag eine Resolution,
in der die "sofortige und bedingungslose Wiedereinsetzung der legalen und
verfassungsmäßigen Regierung" verlangt wird. Zelaya, der an der Sitzung
teilnahm, erklärte aber erneut, er wolle nach Tegucigalpa nach Honduras
zurückkehren.
Dort haben die Behörden inzwischen einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Ihm
werden Verstöße gegen die Verfassung und die Gesetze, aber auch kriminelle
Handlungen vorgeworfen. In der Hauptstadt Tegucigalpa demonstrierten am
Dienstag viele Tausende von Menschen gegen seine Heimkehr. "Ich werde am
Donnerstag nach Honduras reisen, und mein Volk wird da sein, und auch das
Militär wird da sein und auch meine Feinde", sagte Zelaya am Dienstag in New
York.
Zelaya will sich bei seiner Rückkehr von dem Vorsitzenden der Organisation
der Amerikanischen Staaten (OAS), José Miguel Insulza, und der
argentinischen Präsidentin Cristina Kirchner begleiten lassen. Er bat auch
den Präsidenten der Generalversammlung, den Nicaraguaner Miguel d'Escoto,
ihn zu begleiten. Die Staaten Mittelamerikas haben ihre Beziehungen zu den
neuen Regierung in Tegucigalpa eingefroren und vorübergehend ihre Grenzen
nach Honduras geschlossen. Internationale Kredite wurden ebenfalls
eingefroren.
Demos für die neue Regierung
Während Zelaya bei der
UN-Generalversammlung für die Rettung der Demokratie in Honduras eintrat,
versammelten sich in Tegucigalpa zum ersten Mal seit dem Umsturz am Sonntag
Zehntausende, um gegen Zelaya und für die neue Regierung zu demonstrieren.
"Ja zur Demokratie, nein zur Diktatur" war auf Transparenten zu lesen. Die
Menschen warfen Zelaya vor, mehrfach die Verfassung gebrochen und eine
Diktatur in Honduras angestrebt zu haben. Außerdem forderten sie ein Ende
der Gewalt und verurteilen die Drohungen, die von Zelaya und dem
venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez gegen die neue Regierung
ausgesprochen wurden.
Zelaya war am Sonntag von Militärs festgesetzt und außer Landes gebracht
worden. Am selben Tag wurde der bisherige Parlamentschef Roberto Micheletti
vom Kongress vereidigt. Dieser versicherte, er wolle die für den 29.
November geplante Präsidentenwahl organisieren und das Amt am 27. Jänner
einem gewählten Nachfolger übergeben.