26. August 2008 22:12
Das System befinde sich sehr nahe an der russischen Grenze und stelle für
Moskau eine Bedrohung dar, sagte Medwedew am Dienstag laut der Agentur
Interfax in einem Interview mit ausländischen Fernsehsendern.
"Erzeugt weitere Spannungen"
Die Stationierung eines
Raketenabwehrsystems nahe der russischen Grenze werde "natürlich weitere
Spannungen erzeugen", sagte Medwedew am Dienstag laut einer Meldung der
Nachrichtenagentur RIA-Nowosti: "Wir werden auf irgendeine Weise reagieren
müssen, natürlich auf militärische Weise." Moskau wünsche sich aber keinen
neuen Kalten Krieg, da dies nur Probleme für alle mit sich bringe.
Nach der Anerkennung der von Georgien abtrünnigen Regionen durch Russland
liege der Ball nun im Feld der Europäer, sagte Medwedew. Ob sich die
gegenseitigen Beziehungen verbessern oder verschlechtern würden, liege vor
allem an Europa. Moskau seinerseits hoffe auf eine Beruhigung der Situation
und eine Normalisierung des Verhältnisses, betonte der Kremlchef. Was die
NATO betreffe, habe Russland in den vergangenen Jahren versucht, eine
partnerschaftliche Beziehung aufzubauen. Von Seiten des Brüsseler Bündnisses
habe man dies nicht immer gespürt. Falls das Verhältnis weiter auf Eis
liegen sollte, sei dies in seinen Augen keine Tragödie, sagte Medwedew.
Kein Regierungswechsel in Georgien
Im Südkaukasus-Konflikt sei
für Moskau ein Regierungswechsel in Tiflis kein Ziel, unterstrich er.
Russland gefalle der georgische Präsident Michail Saakaschwili zwar nicht,
jedoch sei es im Krieg nur um Hilfe für die Menschen in Abchasien und
Südossetien gegangen. Saakaschwili müsse sich für seine Fehler vor dem
georgischen Volk verantworten, sagte Medwedew. Er appellierte an die USA,
die wirtschaftlichen Probleme im Land zu lösen. Washington sollte sich
vielleicht weniger mit internationalen Problemen und stattdessen mit den
Problemen seiner Wirtschaft beschäftigen. Die Probleme der US-Wirtschaft
hätten weltweite Auswirkungen, kritisierte der Kremlchef.
Medwedew versicherte Polen und der Ukraine, dass Russland keine Aggression
gegen diese Länder plane. Bei den Ängsten der Regierungen in Warschau und
Kiew handele es sich lediglich um Dämonen aus der Vergangenheit. Der
Präsident widersprach in dem Interview zudem, dass russische Truppen den
georgischen Schwarzmeerhafen Poti kontrollieren würden. Seines Wissens sei
der US-Zerstörer "USS McFaul" auf dem Weg nach Poti, sagte Medwedew. Dies
sei ein Beweis, dass das russische Militär den Hafen nicht gesperrt habe.