05. Mai 2009 10:50
In einer Kaserne nahe der georgischen Hauptstadt Tiflis hat ein
Panzer-Bataillon gemeutert. Mehrere hundert Soldaten weigerten sich, Befehle
anzunehmen. Der Meuterei voraus ging demnach eine Erklärung des
Innenministeriums, dass ein von Russland unterstützter Putschversuch
aufgedeckt worden sei. Mehrere Verschwörer seien festgenommen worden,
erklärte der Sprecher des georgischen Innenministeriums, Schota Utiaschwili.
Sie hätten geplant, das am Mittwoch beginnende NATO-Manöver in Georgien zu
stören.
Kritik aus Russland
Diese Truppenübung ist in Russland auf
heftige Kritik gestoßen. Sicharulidse sagte, die Meuterer hätten ihm nicht
erlaubt, die Kaserne zu betreten. Den Verschwörern hätten sich auch
Zivilisten angeschlossen, die keine Beziehungen zu dem Bataillon hätten.
Organisiert worden sei die Meuterei von einem früherer Kommandanten einer
Sondereinheit, Georgi Gwaladse. Später hieß es aus dem Innenministerium, der
Aufstand sei beendet worden, seine Anführer festgenommen.
"Lächerliche Vorwürfe"
Russland wies die
Vorwürfe, in die Vorgänge verwickelt zu sein, als "lächerlich" zurück. Die
Anschuldigungen seien ein Versuch des pro-westlichen georgischen Präsidenten
Michail Saakaschwili, der sein Land in die NATO führen will, von Gegnern in
seinem eigenen Land abzulenken, sagte der russische NATO-Gesandte Dmitri
Rogosin: "Wir haben uns allmählich schon an diese unsinnigen Anschuldigungen
von georgischer Seite gewöhnt."
Saakaschwili hatte zuvor mit Blick auf Russland erklärt, die Rebellion auf
dem Militärstützpunkt Muchrowani bei Tiflis (Tbilisi) habe "Verbindungen zu
den Einsatzkräften in einem speziellen Land, das wir kennen." Eine
großangelegte Meuterei habe in Tiflis angezettelt werden sollen, "Schritte
gegen die Souveränität Georgiens und die europäische und euro-atlantische
Integration der georgischen Regierung" sollten gesetzt werden, so der
Staatschef in einer Fernsehansprache. Die Lage sei aber mittlerweile unter
Kontrolle und in allen anderen Einheiten der Armee herrsche "Ordnung und
Ruhe". "Ich fordere von unserem nördlichen Nachbarn, dass er Provokationen
unterlässt", fügte Saakaschwili hinzu.
Geheimdienst an Planung beteiligt
Das Innenministerium erklärte,
der russische Geheimdienst sei an den Planungen eines Militärputsches
beteiligt gewesen. Mehrere hochrangige georgische Offiziere seien
festgenommen worden. Die Behörden hätten eine "Verschwörung mit dem Ziel
eines Militärcoups aufgedeckt". Bereits in der Vergangenheit hatte die
georgische Führung Moskau mehrfach die Absicht eines Staatsstreichs
unterstellt. Die Soldaten sollen demnach mit russischer Hilfe einen
Sprengstoffanschlag bei dem NATO-Manöver geplant haben, das am morgigen
Mittwoch beginnt.
Die Spannungen zwischen der NATO und Russland verschärften sich am Dienstag
weiter. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte seine Teilnahme am
für den 19. Mai geplanten NATO-Russland-Rat ab, wie russische
Nachrichtenagenturen berichteten. Es sollte das erste Treffen des Gremiums
auf Ministerebene seit dem Kaukasus-Krieg im Vorjahr sein. Lawrow reagierte
mit der Absage auf die Ausweisung zweier Diplomaten der russischen
Vertretung bei der NATO in Brüssel in der vergangenen Woche wegen
angeblicher Spionage. Davor war im NATO-Mitgliedstaat Estland ein ranghoher
Beamter wegen Spionage für Moskau verurteilt worden.