09. September 2009 19:21
Der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO liegen nach den Worten ihres
Chefs Mohammed ElBaradei Informationen von Geheimdiensten vor, denen zufolge
der Iran mit einiger Wahrscheinlichkeit an einer Atombombe gearbeitet hat.
ElBaradei sagte am Mittwoch auf der Tagung des IAEO-Gouverneursrates, falls
diese Informationen zutreffen sollten, "gibt es eine große
Wahrscheinlichkeit, dass Aktivitäten für eine atomare Bewaffnung
stattgefunden haben". Die Betonung liege aber auf dem "falls". Informationen
darüber, wann solche Arbeiten stattgefunden haben könnten, gab es nicht.
Bei den Informationen des Geheimdienstes handle es sich um Dokumente zu
möglichen Waffenprojekten, die der Iran in der Vergangenheit vorangetrieben
hatte und die im Zusammenhang mit Atomwaffen stehen könnten. Die
Atominspektoren hatten immer wieder zu wenig Kooperationsbereitschaft der
Regierung in Teheran in dieser Frage beklagt. ElBaradei appellierte an den
Iran, die offenen Fragen zu diesen möglichen Waffenprojekten endlich zu
beantworten.
Der neue US-Botschafter bei der UN in Wien, Glyn Davies, erklärte am
Mittwoch, die andauernde Urananreicherung in der iranischen Anlage in Natanz
schaffe eine gefährliche Situation. Damit bezog sich Davies auf die Angst
vieler Länder, dass der Iran unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung seines
Atomprogramms am Bau einer Atombombe arbeitet. "Wenn wir die Weigerung des
Irans zur Zusammenarbeit mit der IAEA mit den vergangenen atomaren
Sprengkopf-Arbeiten verbinden, haben wir ernste Sorge, dass Iran absichtlich
versucht, sich zumindest die Möglichkeit, Atomwaffen zu bauen, zu erhalten",
sagte Davies.
US-Präsident Barack Obama hat die Iraner im Einklang mit den Europäern dazu
aufgefordert, bis Ende dieses Monats an den Verhandlungstisch
zurückzukehren. Ansonsten will der Westen im Weltsicherheitsrat eine
Verschärfung der bereits bestehenden Handels-und Reisesanktionen gegen den
Iran vorantreiben. Die Atomgespräche zwischen der sogenannten
Sechser-Gruppe, zu der auch China und Russland gehören, und dem Iran liegen
seit Juli 2008 auf Eis.