Treichl: Keine österreichische Bank geht pleite

Erste Bank Chef

© APA/ROLAND SCHLAGER

Treichl: Keine österreichische Bank geht pleite

Erste-Group-Chef Andreas Treichl ist zuversichtlich, dass der Wirtschaftskrise kein österreichisches Finanzinstitut zum Opfer fallen werde. "Weder die Erste noch andere österreichische Banken werden aufgrund dieser Krise pleite gehen", sagte Treichl am Samstag im Ö1-"Mittagsjournal". Er sage dies zwar "aus dem Brustton der Überzeugung", aber er sei ja nicht der Herrscher über die absolute Wahrheit, schränkte er wieder ein.

Stimmungsmache gegen Österreich?
Im osteuropäischen Raum, wo die Erste Group 48 Mrd. Euro Kredite vergeben hat, beginne sich nun die Krise auszuwirken. Als Retailbank hänge die Erste aber weniger stark von makroökonomischen Bedingungen ab, als dies von Analysten prognostiziert werde. Treichl ortet auch Stimmungsmache aus den USA, Großbritannien und Deutschland gegen das stark in Osteuropa engagierte Österreich: "Ich würde nicht ausschließen, dass manche Österreich absichtlich madigmachen".

Intensive Kommunikation gegen Vertrauensverlust
Unsicherheiten und Vertrauensverlust gegenüber Banken will Treichl durch intensivierte Kommunikation bekämpfen. Lügen würde er nicht, beteuert Treichl: "Wer etwas Schlechtes in der Bilanz hat, aber nicht darüber redet, der gehört eingesperrt". Angesprochen auf die Probleme im Interbankengeschäft meint der Erste-Chef: "Das ist pure Angst. Keiner weiß in Wirklichkeit, wie sich die Wirtschaft in den nächsten Jahren entwickeln wird". Daher würden die Banken Liquidität und Kapital horten, um unsichere Zeiten überbrücken zu können. Die Erste hat am Freitag die Inanspruchnahme von Geld aus dem Bankenhilfspaket der Regierung fixiert. 2,7 Mrd. Euro sollen die Kapitaldecke der Bank stärken.

"Alle müssen Gürtel enger schnallen"
Die Kreditvergabe der Banken sei restriktiver geworden, bestätigt Treichl. In der Großindustrie würden nun viele Projekte aufgrund der Risiken und der Liquiditätssituation nicht finanziert werden, diese Kreditrestriktionen für die Großen hätten auch Auswirkungen auf die von diesen abhängigen Klein- und Mittelbetriebe. "Man wird halt vorsichtiger, zurückhaltender, man überlegt mehr", meinte der Bank-Chef. "Nicht nur die Banken, wir alle werden unsere Gürtel enger schnallen müssen".

Lage 2010 besser
Die Auswirkungen der Finanzkrise würden heuer langsam abflachen, die Krise der Realwirtschaft werde möglicherweise nicht so lange dauern wie man jetzt glaube, gibt sich Treichl optimistisch. 2010 könnte sich die Lage wieder zum besseren wenden. Die Lösung der Krise sei derzeit offen, beim Abbau des Schuldenbergs könnte es zu einer massiven Geldentwertung kommen. Eine Finanztransaktionssteuer hätte die massiven Spekulationen vielleicht verhindern können, habe aber nur bei weltweiter Einführung Sinn, ebenso wie eine Abschaffung des Bankgeheimnisses.

Mehr "Demut" in Politik und Wirtschaft
Der Bank-Chef tritt für eine strenge und umfassende Finanzaufsicht ein. Durch die Krise werde sich in den politischen und wirtschaftlichen Führungsebenen "die Spreu vom Weizen trennen", ist Treichl überzeugt. Der noch 2007 bestbezahlte österreichische Bankmanager (Jahreseinkommen 4,4 Mio. Euro), der für das Jahr 2008 keine Bonuszahlungen erhält und damit auf ein Jahresgehalt von 1,2 Mio. Euro zurückfällt, spricht sich nun für mehr "Demut" in Wirtschaft und Politik aus.

FPÖ und BZÖ verlangen Gehalts-Reduzierung
Sowohl FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky als auch sein BZÖ-Kollege Martin Strutz forderten eine Reduzierung des Treichl-Gehalts. Vilimsky verlangte eine Eingliederung aller Manager - und damit auch Treichls - die über dem Bezug des Bundespräsidenten liegen, in die Bezügepyramide der Politiker. Strutz fordert die sofortige Umsetzung der Begrenzung der Managergehälter in staatsnahen Betrieben oder Unternehmen, die Staatshilfe erhalten.

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