Tunesien: Islamisten vor Wahlsieg

Endergebnis am Dienstag

Tunesien: Islamisten vor Wahlsieg

"Wir achten die Rechte der Frauen und die Gleichheit aller Tunesier unabhängig von ihrer Religion, ihrem Geschlecht oder ihrer sozialen Herkunft", sagte Parteiführungs-Mitglied Nourreddine Bhiri am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Vor allem aus laizistischen Kreisen waren zuvor angesichts des guten Abschneidens der Ennahda bei der Wahl einer verfassunggebenden Versammlung Befürchtungen geäußert worden, dass die Rechte der Frauen in Tunesien künftig beschnitten werden.

Aus der Wahl am Sonntag ging die Ennahda des 70-jährigen Rachid Ghannouchi offenbar als stärkste Kraft hervor. Dies ergaben Stichproben in einzelnen Wahllokalen. Ihre Kritiker halten der Partei vor, sie wolle einen fundamentalistischen Weg beschreiten, die Frauenrechte und die Meinungsfreiheit beschneiden. Die Führung der Ennahda jedoch vergleicht sich mit der türkischen Regierungspartei AKP.

Der liberale Bevölkerungsteil fürchtet nun einen für sie dramatischen Wandel des Landes - bis hin zu Kopftuchzwang, Alkoholverbot und getrennten Stränden für Männer und Frauen. Stark ist die Ennahda vor allem in den sozial schwachen Stadtteilen und in den ländlichen Gebieten.

Als kleiner Hoffnungsschimmer für liberale Tunesier gilt derzeit, dass Ghannouchi keine größeren echten Bündnispartner hat. Sollte die Ennahda am Ende deutlich unter der 50-Prozent-Marke liegen, könnten sich die vielen Parteien am anderen Ende des politischen Spektrums zusammenschließen.

Mit großer Sorge wird die derzeitige Ennahda-Diskussion vor allem in der Tourismusbranche gesehen. Nach den Revolutionsunruhen brach das Urlaubergeschäft um knapp die Hälfte ein. 22.000 Arbeitsplätze gingen verloren, davon 3.000 Vollzeitstellen. Aus Angst vor neuer Gewalt meiden bis heute manche Europäer die Strände mit türkisblauem Wasser auf Djerba. Bei einer Islamisierung des Landes bestehe die Gefahr, dass die Strände leer blieben, fürchten viele nicht nur in den Touristengebieten.

Ergebnis am Dienstag
Die Wahlkommission will das Ergebnis des Urnengangs am Dienstag verkünden. Die Gewählten sollen eine neue Verfassung ausarbeiten und einen neuen Staatschef bestimmen, der dann den Chef einer Übergangsregierung ernennen soll.
 

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