11. Oktober 2007 11:05
Trotz einer scharfen Warnung von US-Präsident George W. Bush hat ein
Kongressausschuss der USA das Massaker an Armeniern vor mehr als 90 Jahren
als Völkermord bezeichnet. Der Auswärtige Ausschuss des Repräsentantenhauses
nahm am Mittwoch die umstrittene Resolution mit 27 zu 21 Stimmen an. Die
rein symbolische Erklärung soll nun Mitte November dem gesamten Kammer zur
Abstimmung vorgelegt werden. Dort haben die oppositionellen Demokraten die
Mehrheit inne. Viele von ihnen sind für den Entwurf - darunter auch die
Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi.
"Die traurige Tatsache ist, dass die heutige Regierung der Türkei sich
beharrlich und in aggressiver Weise weigert, ... den Völkermord an den
Armeniern anzuerkennen", meinte der republikanische Abgeordnete Christopher
Smith.
Bush und Rice lehnen Entschließung ab
Bush hatte zuvor
gewarnt, dass die Entschließung zur Einstufung des Armenier-Massakers als
Völkermord den türkisch-amerikanischen Beziehungen großen Schaden zufügen
könnte. Außenministerin Condoleezza Rice lehnte die Vorgabe mit der
Begründung ab, dass dadurch die Einsätze im Irak und in Afghanistan
geschwächt werden könnten. Der türkische Präsident Abdullah Gül hatte Bush
in einem Brief vor Belastungen der Beziehungen zwischen beiden Ländern
gewarnt.
Während des Ersten Weltkriegs kamen rund 1,5 Millionen Armenier im
Herrschaftsgebiet des damaligen Osmanischen Reichs ums Leben. Der Vorwurf
des Genozids wird von der Türkei heftig bestritten. Bush hatte zuvor die
damaligen Ereignisse in der Türkei als eine der größten Tragödien des 20.
Jahrhunderts bezeichnet. Allerdings müsse die Geschichtswissenschaft noch
klären, ob der Begriff des Völkermords angemessen sei.