28. Juni 2009 15:23
Einen Tag nach dem Militärputsch in Honduras bleibt die Lage unklar. Der
nach dem Sturz des linksgerichteten Präsidenten Manuel Zelaya vom Parlament
eingesetzte Interims-Staatschef Roberto Micheletti begann am Sonntagabend
mit der Bildung einer neuen Regierung. Zugleich traf Zelaya in Nicaragua
ein, um dort als offizieller Vertreter seines Landes an einer
Dringlichkeitssitzung des linken Staatenbündnisses ALBA zur Lage in Honduras
teilzunehmen. In der Hauptstadt Tegucigalpa patrouillierten gepanzerte
Fahrzeuge mit Maschinengewehren. Die Absetzung Zelayas wurde im Ausland
einhellig verurteilt.
Am Montag sollten Präsidenten aus ganz Lateinamerika zur Besprechung des
ersten militärischen Umsturzes auf dem Kontinent seit 16 Jahren in Nicaragua
zusammentreffen. "Ich will in mein Land zurückkehren. Ich bin der Präsident
von Honduras", sagte Zelaya vor der Abreise zu dem Gipfeltreffen in Managua,
zu dem er mit einem Flugzeug des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez
flog. Chavez erklärte, man werde Micheletti "stürzen".
Nächtliches Ausgehverbot
Der vom Parlament eingesetzte neue
Präsident verhängte nach seinem Amtsantritt für zwei Tage ein nächtliches
Ausgehverbot. Micheletti betonte vor Journalisten, er habe sein Amt nicht im
Rahmen eines Staatsstreichs übernommen. "Ich bin mir sicher, dass 80 oder 90
Prozent der honduranischen Bevölkerung zufrieden sind mit dem, was heute
passiert ist", sagte Micheletti. Die Streitkräfte hätten auf Anweisung der
Gerichte gehandelt, "um den Respekt vor dem Gesetz und den Prinzipien zu
verteidigen". Weder US-Präsident Barack Obama noch Chavez hätten das Recht,
sein Land zu bedrohen, sagte Micheletti.
Der am Sonntagmorgen von Soldaten ins Exil gezwungene Zelaya hatte das
Vorgehen der Streitkräfte nach seiner Ankunft in Costa Rica als Putsch und
Entführung bezeichnet. In seiner Heimat stimmten unterdessen auch Mitglieder
seiner eigenen Partei für Micheletti als Nachfolger und billigten damit das
Vorgehen der Soldaten. In einer Resolution wurden Zelaya wegen eines
umstrittenen Referendums rechtswidriges Verhalten und Gefährdung des Staates
vorgeworfen.
Machtkampf
Auch Micheletti gehört Zelayas linksgerichteter
Liberaler Partei an. Er war aber gegen das von Zelaya geplante Referendum,
das der Oberste Gerichtshof für unzulässig erklärt hatte und an dem sich
schließlich der Machtkampf zwischen Streitkräften und Präsident entzündet
hatte. Die Wähler sollten darüber abstimmen, ob zeitgleich mit der
Präsidentenwahl im November ein Referendum über die Wahl einer
Verfassungsgebenden Versammlung stattfinden soll. Kritiker warfen dem
Präsidenten vor, er wolle mit der angestrebten Verfassungsänderung seine im
Jänner 2010 endende Amtszeit verlängern.