27. Dezember 2009 10:46
Nach den blutigsten Protesten im Iran seit Monaten mit mindestens acht Toten
geht das Regime mit Härte gegen seine Kritiker vor. Mehrere enge Berater von
Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi sowie ein früherer Außenminister
wurden nach unbestätigten Angaben festgenommen. Wie die amtliche
Nachrichtenagentur IRNA am Montag berichtete, ordnete die Polizei eine
Obduktion von fünf der acht Toten an. Darunter ist offenbar auch ein am
Wochenende getöteter Neffe Moussavis. US-Präsident Barack Obama verurteilte
die blutige Gewalt aufs Schärfste und sicherte den Demonstranten seine
Unterstützung zu. Die EU verurteilten das Vorgehen der Sicherheitskräfte.
Leiche verschwunden
Seine Familie hatte den Leichnam des
Moussavi-Neffen noch am Montag beisetzen wollen. Der Tote war jedoch spurlos
verschwunden. Stunden später hieß es, die Leiche sei zur Obduktion gebracht
worden. Am Rande seiner Trauerfeier wird mit neuen Protesten gerechnet.
Der iranische Sender Press TV bestätigt, dass bei den Auseinandersetzungen
zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten am Wochenende acht Menschen
ums Leben kamen. Der Sender berief sich auf Angaben des Nationalen
Sicherheitsrats. Auf der Webseite Moussavis hieß es nach Angaben der
britischen BBC, dass sein Neffe Ali Moussavi am Sonntag durch einen Schuss
in den Rücken starb.
Polizei dementiert Schusswaffen-Gebrauch
Das staatliche Fernsehen
berichtete, von den acht Toten seien zwei durch Autounfälle ums Leben
gekommen. Einer sei von einer Brücke gestürzt. Die Polizei habe erneut den
Einsatz von Schusswaffen gegen die Demonstranten am Sonntag dementiert.
Nach Angaben der Polizei wurden am Wochenende 300 Demonstranten
festgenommen, später ging das Regime dann offensichtlich direkt gegen die
Oppositionsführer vor. Die Sender BBC und CNN berichteten am Montag, dass
mehrere Berater Moussavis verhaftet worden seien. Der US-Sender CNN, der von
einer Welle der Verhaftungen sprach, berief sich unter anderem auf die
regimekritische Webseite NoroozNews.
500 Menschen verhaftet
Nach Berichten eines anderen
Nachrichtenportals der Opposition wurde auch der Führer der oppositionellen
Freiheitsbewegung (FMI), Ebrahim Yazdi, festgenommen. Er war in der
Anfangsphase der islamischen Revolution von 1979 Außenminister und führte
später jahrzehntelang die illegale, aber tolerierte säkulare
Freiheitsbewegung an. Yazdi hat keine direkten Beziehungen zu der immer
lautstärker werdenden Opposition um Moussavi, gehört aber auch zu den
Gegnern von Präsident Mahmoud Ahmadinejad.
Laut der oppositionellen Webseite Yaras wurden am Sonntag in Isfahan 500
Menschen festgenommen, darunter auch der Bruder und zwei Neffen des
ehemaligen Innenministers Abdullah Nouri. Die vom ehemaligen
reformorientierten Präsidenten Mohammed Khatami geführte Klerusgemeinschaft
MRM wurde mit den Worten zitiert: "Wie Millionen Iraner können wir
nicht glauben, dass diese Verbrechen zum Ashura-Fest begangen wurden."
Keine Chance für Tyrannei
Präsident Obama sagte am Montag an
seinem Urlaubsort auf Hawaii, unschuldige iranische Bürger würden gewaltsam
unterdrückt. Dabei suchten die Iraner lediglich, ihre Grundrechte auszuüben. "Jedes
Mal, wenn sie das getan haben, traf sie die eiserne Faust der Brutalität,
sogar während feierlicher Anlässe und an heiligen Tagen",
sagte der Präsident weiter. "Die Entscheidung der iranischen
Führung, durch Angst und Tyrannei zu herrschen, wird nicht dazu führen, die
Hoffnungen (der Bürger) zu vertreiben."
In einer Erklärung der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft hieß es: "Brutale
Machtanwendung und die willkürliche Festnahme von Demonstranten stellen
grobe Verletzungen fundamentaler Menschenrechte dar." Laut Augenzeugen
hatten sich am Sonntag Tausende Iraner an den Protestzügen gegen Ahmadinejad
beteiligt. Die Opposition wirft ihm Wahlbetrug vor. Nach der Wahl im Juni
hatte es tagelange Proteste gegeben, die teilweise niedergeknüppelt wurden.
Hunderte Regimekritiker wurden festgenommen. Die junge Iranerin Neda starb
von einer Kugel getroffen und wurde über Nacht zum Symbol des Protestes.