09. Dezember 2008 19:05
"Lebwohl mein Freund, wir werden Dich nie vergessen." Erschüttert
nahm ein Schulkamerad Abschied von Alexandros Grigoropoulos, dem 15-jährigen
Schüler, der am Samstag in Athen durch eine Polizeikugel getötet worden war.
Rund um den kleinen Friedhof von Palaio Faliro, einer Vorstadt von Athen,
versammelten sich mehrere tausend Menschen. "Als ob sie den Burschen
schützen wollten", beschrieb eine Fernsehreporterin die Szene.
Schülervertretungen aus allen Gymnasien Athens und aus Piräus waren dabei.
Anteilnahme
Schulen aus Kreta und Nordgriechenland schickten
Kränze und Blumen. "Weiße Nelken überall", sagte
ein Mädchen. "In unserem Glauben symbolisieren diese Blumen die
Unschuld. Und der Bub war unschuldig. Er hatte keine Zeit zu sündigen."
Die Mutter, der Vater und die Schwester des Buben hatten gebeten, keine
Fernsehkameras zuzulassen. Sie wollten keine große Trauerfeier. Doch dies
war nicht möglich. Nicht nur die Schüler, sondern auch Tausende aus Palaio
Faliro kamen, um ihr Beileid auszudrücken. Für die meisten war auf dem
kleinen Friedhof kein Platz. "So voll war es hier noch nie", sagte
ein Priester.
Beifall
Als der Sarg nach der Trauerfeier aus der Kirche kam,
begleiteten ihn die Anwesenden mit Beifall. "Es ist der letzte Beifall
für einen Burschen, den die Polizeigewalt von uns genommen hat",
sagte ein Schüler im Radio. Einige seiner Freunde weigerten sich zu gehen.
Auch als die Dunkelheit hereinbrach, standen noch immer einige junge Leute
am Grab des 15-Jährigen.
Harsche Rufe aus den Reihen der autonomen Szene durchbrachen die Trauer. "Polizistenschweine,
Mörder", skandierten einige. "Das vergossene Blut fordert
Rache." Die Polizei beobachtete von einem Hubschrauber aus und in
diskreter Entfernung die Trauerfeier. Nach der Beerdigung kam es rund 200
Meter vom Friedhof entfernt abermals zu Auseinandersetzungen, etwa 50
Vermummte und Polizisten gingen aufeinander los.
Doch an vielen Plätzen des Landes versammelten sich an diesem Dienstag die
Menschen friedlich und zündeten zum Gedenken Kerzen an. "Wir
wollen auf diese Weise friedlich Abschied von Alexandros nehmen und für den
Frieden in unserem Land beten", sagte eine ältere Frau.
Foto: (c) APA