Wie Mercedes

Auch VW setzt auf CO2 statt Killer-Mittel

08.03.2013

Neues Klimaanlagen-Mittel soll bei ganzer Flotte zum Einsatz kommen.

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Wie der Autobauer Daimler setzt auch Branchenriese VW künftig auf Kohlendioxid (CO2) als Kältemittel in Auto-Klimaanlagen. Der Wolfsburger Konzern teilte am Freitag mit, die Technologie solle "sukzessive in der gesamten Fahrzeugflotte ausgerollt" werden, um das geplante Ziel zu erreichen, bis 2018 der ökologisch nachhaltigste Autohersteller der Welt zu werden. CO2, als Kältemittel unter der Bezeichnung R744 bekannt, habe als natürliches Gas ein deutlich geringeres Treibhauspotenzial als herkömmliche Kältemittel. Damit könnte künftig das bisher übliche, allerdings als Klimakiller verschriene Mittel R134a und auch das klimaschonendere, aber als gefährlich eingestufte neue Kältemittel HFO 1234yf aus Autos verbannt werden.

"Killer-Kältemittel"
Daimler hatte am Donnerstag angekündigt, Autos ab 2016 mit CO2 zu kühlen (wir berichteten). So wollen die Stuttgarter ihren monatelangen Streit mit den Behörden über das "Killer-Kältemittel" HFO 1234yf beenden. Bei Tests im vergangenen Jahr hatte Daimler festgestellt, dass sich das klimafreundlichere Kältemittel bei Leckagen in Autoklimaanlagen im Motorraum entzündet und ätzende Flusssäure-Schwaden freisetzt. Der Konzern erklärte das Mittel daher für zu gefährlich, rief hunderte Autos zurück und befüllt seitdem die Fahrzeuge wieder mit dem Mittel R134a. Dieses als Klimakiller eingestufte Gas soll nach dem Willen der EU 2017 aus Neuwagen endgültig verbannt werden.

Prekäre Situation
Anders als die Stuttgarter haben Hersteller wie VW, Opel und BMW neue Fahrzeugmodelle noch nicht mit dem neuen Kältemittel HFO 1234yf, sondern mit dem alten Mittel zertifizieren lassen. Daher besteht für sie kein Handlungsdruck. Anders bei Daimler: Das neue Flaggschiff, die kommende S-Klasse , wird im Sommer auf den Markt kommen. Da dieses Fahrzeug mit dem neuen Mittel zertifiziert ist, droht ein Verkaufsverbot. Bei BMW ist als erstes Fahrzeug mit dem umstrittenen Kältemittel das Elektroauto i3 geplant, das im Herbst auf den Markt kommen soll.

Autobauer ziehen an einem Strang
Nach einer Beratung im Branchenverband VDA in Genf kündigte Daimler diese Woche an, die Entwicklung von CO2-Klimaanlagen gemeinsam mit VW, Audi, BMW und Porsche vorantreiben zu wollen. Das Umweltbundesamt plädiert seit langem für Autoklimaanlagen mit Kohlendioxid, was aber bei Leckagen zu Schläfrigkeit der Insassen führen kann. Die Autobauer forschen an solchen Systemen, Daimler will nun bis 2016 die Serienreife erreichen. Bei BMW hieß es, man halte CO2 als Kältemittel "für eine nachhaltige Lösung, die allerdings aber nicht kurzfristig ohne konstruktive Eingriffe umsetzbar ist". Die Entwicklungsabteilung beschäftige sich seit einiger Zeit mit dem Thema, der flächendeckende Einsatz von CO2 als Kältemittel sei aber "eher mittel- bis langfristig" denkbar.

Fotos vom VW-Konzernabend in Genf 2013:

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