Arbeitslosigkeit steigt auf 336.527 Personen

01.12.2009

Im November ist die Arbeitslosigkeit in Österreich weiter gestiegen. Inklusive Schulungen waren 336.527 Personen ohne Arbeit. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um 19,9 %. Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen stieg um 14,3 % auf 257.745 Personen. die Zahl der Schulungsteilnehmer erhöhte sich um 43,2 % auf 78.782. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen ging um 12,9 % auf 24.646 zurück.

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"Die Situation stellt sich im Vergleich zum Sommer etwas entspannter dar, wenn natürlich die Zahl der Arbeitslosen absolut gesehen saisonbedingt angestiegen ist", so das Arbeitsministerium. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition beträgt demnach 7,1 %.

Am stärksten betroffen sind Männer (142.519, +17,4 %) und Industriearbeiter (30.729, +34,9 %). Die Jugendarbeitslosigkeit stieg nur mehr um 10,2 %. Die Zahl der Lehrstellensuchenden reduzierte sich um 4,5 % auf 5.803.

Um 10 % mehr Jugendliche als vor 1 Jahr ohne Job

Im November waren 42.452 Jugendliche ohne Job, das waren um 10,2 % mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der Beschäftigten ging im Jahresvergleich nach vorläufigen Zahlen um 1,6 % oder um 54.000 auf 3,355 Mio. zurück. Die Arbeitslosenquote nach Eurostat erhöhte sich um 0,9 Prozentpunkte auf 4,8 % und nimmt damit den zweitbesten Platz im EU-Vergleich ein.

Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren alle Bundesländer betroffen, am stärksten Oberösterreich mit plus 31,1 %, gefolgt von Vorarlberg mit 25,5 % und Niederösterreich mit 19,8 %.

Am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen waren auch im November in der Industrie beschäftigte Männer. Währen die Arbeitslosigkeit bei den Männern um 17,4 % auf 142.519 Betroffene stieg, erhöhte sich die Zahl der weiblichen Jobsuchenden um 10,6 % auf 115.226 Personen.
Bei den Älteren über 50-Jährigen stieg die Arbeitslosigkeit um 15,1 % auf 52.186 Betroffene an. Nach Branchen war der Produktionsbereich mit plus 34,9 % auf 30.729 Jobsuchende am stärksten betroffen, gefolgt vom Handel mit plus 15 % (37.513), dem Gesundheits- und Sozialwesen mit +14,6 % und dem Bau mit +12,4 %. Bei den Leiharbeitern betrug das Plus gegenüber dem Vorjahr nur mehr 7 %.

Hundstorfer: "Anstieg weiter gedämpft"

"Der Anstieg der Arbeitslosigkeit konnte weiter gedämpft werden", kommentiert Sozialminister Hundstorfer. Dies sei vor allem auf die Arbeitsmarkt- und Konjunkturpakete zurückzuführen. "Wird sind daher dabei, bestehende Arbeitsmarktmaßnahmen zu evaluieren, neue Maßnahmen zu überlegen und andere Maßnahmen neu zu gewichten bzw. auszudehnen."

Die Arbeitslosigkeit ist im November nur noch halb so hoch gestiegen wie einige Monate zuvor im Sommer. Auch im Vergleich zur Hochkonjunktur vor 2 Jahren sei die Zahl der Arbeitslosen um rund 34.000 höher und damit weniger stark gestiegen als erwartet. Die Zahl der Schulungen nahm um 43,2 % auf 78.782 Teilnehmer zu. Dies sei vor allem auf die AMS-Qualifizierungsoffensive zurückzuführen.

Erfreulich sei, dass die Ausbildungsgarantie trotz Krise wirkt: Im November hat es mit 5.803 um 4,5 % weniger Lehrstellensuchende und um 7,9 % mehr offene Lehrstellen (3.122) gegeben. Die Lehrstellenlücke ist deutlich kleiner geworden, und es gibt noch offene Plätze in der überbetrieblichen Lehrausbildung.

Darüber hinaus hat sich die Teilnehmerzahl von Fachkräftequalifizierungen und Arbeitsstiftungen gegenüber 2008 verdoppelt. Mehr als zwei Drittel der erfolgreichen Absolventen von Arbeitsstiftungen finden innerhalb von 3 Monaten einen Arbeitsplatz.

Arbeitslosenrate in der Eurozone bleibt bei 9,8 %

Die Arbeitslosenrate in der Eurozone ist im Oktober unverändert hoch gegenüber September bei 9,8 % geblieben. In der gesamten EU waren im Oktober schätzungsweise 22,5 Mio. Menschen arbeitslos. Die Quote in der EU erhöhte sich leicht auf 9,3 gegenüber 9,2 % im September. Österreich (4,7 %) verzeichnete hinter den Niederlanden (3,7 %) die zweitniedrigste Arbeitslosenrate.

Vor 1 Jahr hatte die Arbeitslosenrate in der Eurozone noch 7,9 % und in der EU 7,3 % betragen. Gegenüber Oktober 2008 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 5,0 Mio. Menschen in der EU, davon 3,1 Mio. in der Eurozone.

Die höchsten Quoten verzeichneten Lettland (20,9 %) und Spanien (19,3 %). Alle EU-Staaten registrierten über 1 Jahr betrachtet einen Anstieg ihrer Arbeitslosenquote. Die niedrigsten Anstiege wurden in Deutschland, Österreich und Rumänien beobachtet. Am stärksten stieg die Arbeitslosigkeit in Lettland und Litauen.

Besonders stark stieg in den vergangenen zwölf Monaten die Jugendarbeitslosigkeit. Im Oktober 2008 hatte sie in der EU und in der Eurozone 16,2 % betragen. Nunmehr beträgt sie in der Eurozone 20,6 % und in der EU 20,7 %. Am höchsten ist die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien mit 42,9 %. Österreich verzeichnete eine Quote von 10,2 %, die zweitniedrigste hinter den Niederlanden (7,2 %).

Industrie soll statt Überstunden mehr Mitarbeiter einstellen

Heftige Kritik übte Hundstorfer an der Industrie: Diese stelle trotz der wieder leicht anziehenden Konjunktur keine neuen Mitarbeiter ein, sondern lasse die Stammbelegschaft Überstunden machen. Die Unternehmen müssten hier Verantwortung zeigen und bei besserer Auftragslage auch wieder mehr Mitarbeiter einstellen.

AMS-Kopf rechnet mit weiteren 50.000 Arbeitslosen 2010

Einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet der Chef des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf. Der Anstieg wird aber nicht mehr so stark ausfallen wie im laufenden Jahr. Zwischen 2009 und 2010 wird die Zahl der Jobsuchenden noch einmal um bis zu 50.000 Personen ansteigen. Im Jahresschnitt würden dann rund 320.000 Menschen arbeitslos sein, so Kopf.

Trotz der Wirtschaftskrise gebe es in mehreren Branchen noch offene Stellen. Zu Beginn des Winters würden vor allem im Dienstleistungsbereich und im Tourismus viele Arbeitskräfte gesucht. Aber auch in Zukunftsbranchen wie Energietechnik gebe es noch freie Stellen. Auch in der Industrie würden noch Arbeiter gesucht werden, vor allem im Metallgewerbe, so der AMS-Chef.

Kritik übt Kopf an der mangelnden Mobilität in Österreich: "Menschen, die in der Wirtschaftskrise arbeitslos geworden sind, müssen jetzt sehr flexibel sein." Im Bereich der regionalen Mobilität seien die Österreicher sehr bequem und unflexibel. Die Personen müssten in Zeiten der Krise auch einen längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen und in anderen Branchen nach Arbeit suchen, welche nicht dem angestammten Beruf entsprechen.

Viele Jugendliche seien derzeit arbeitslos, weil sie zu wenig Zeit in die Jobauswahl investieren würden. Wichtig sei es, die richtige Berufswahl zu treffen, denn es sei eine Entscheidung, die das ganze Leben beeinflusst. Jugendliche sollten viele Informationen einholen, in Berufe hinein schnuppern und Praktika absolvieren. Dadurch könnten Jugendliche ihr Potenzial und ihre Stärken erkennen. Zusätzlich spiele die Schnelligkeit eine wichtige Rolle, denn immer mehr Unternehmen besetzen ihre Lehrstellen bereits am Jahresanfang.

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