AUA: Staller kritisiert Aktionärsausschluss

13.11.2009

Der als streitbarer Kleinaktionärsvertreter bekannte AUA-Aktionär Rupert Staller geht mit den neuen Hauptaktionären der AUA, der Lufthansa, hart ins Gericht. Der für 16.12. geplante Ausschluss der Minderheitsaktionäre für 0,5 Euro je Aktie sei eine "kaltschnäuzige Enteignung", ein "primitiver deutscher Kolonialismus". "Eine Anfechtung des Beschlusses kommt wie das Amen im Gebet", kündigte der AUA-Aktionär an.

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Laut einem auf der AUA-Homepage veröffentlichten internen Bericht von AUA und ÖLH Österreichische Luftverkehrs Holding-GmbH liegt der Unternehmenswert der AUA nach der Discounted Cash Flow (DCF)-Methode per 16.12. bei -207,2 Mio. Euro und entspricht damit bei aktuell 85,1 Mio. Aktien einem Wert von -2,43 Euro je Aktie.

Laut dem Sachverständigen-Bericht von Deloitte, der ebenfalls veröffentlicht ist, ist der gemeinsame Bericht richtig, und die Höhe der Barabfindung von 0,5 Euro je Aktie angemessen. Das Übernahmeangebot der Lufthansa, das mehr als 90 % der Aktionäre angenommen haben, sah - auf Basis von Aktienkursen - 4,49 Euro je Aktie vor.

Für Stalle ist die AUA-Bewertung nicht nachvollziehbar. "Es fehlen wesentliche Planungsparameter zur Unternehmensbewertung, die Geschäftsjahre werden frei nach Fantasie zusammengefasst, die G+V ist eine kumulierte Zahlenmasse", kritisiert Staller.

Die in den Berichten genannten Hinweise seien nicht nachprüfbar, weil an vielen Stellen auf einen nicht zu veröffentlichen Anhang verwiesen werde. Die Lufthansa habe einfach versucht, einen negativen Unternehmenswert darzustellen. "Der Wert ist willkürlich, sie haben genommen, was sie brauchen. Der Wert je Aktie hätte auch bei 1 Cent liegen können", kritisiert Staller.

Die heutige Einladung zur Hauptversammlung am 16.12. sei "ein bisschen der Gipfel der Frechheit und Unverfrorenheit". Die Mitaktionären sollten vom zukünftigen Sanierungserfolg "zu einem Bettel" ausgeschlossen werden. Von der "Enteignugg" seien viele Altaktionäre betroffen, die noch vor einem guten Jahr in ein Kapitalerhöhung hineinhetzt worden seien (Anm.: Der Bezugspreis lag damals bei 7,1 Euro, für Kleinaktionäre bis 1.000 Stück bei 4,89 Euro je Aktie).

Eine "Peinlichkeit der Sonderklasse" sei auch der Umstand, dass der Vorstand die heutige HV-Einladung mit "Der Vorstand auf Ersuchen des Hauptaktionärs" unterzeichnet habe.

Der deutsche Mehrheitsaktionär Lufthansa missbrauche offensichtlich eine schlechtes österreichisches Gesellschafter-Ausschlussgesetz, wissend, dass die Überprüfungen viele Jahre dauern würden, so Staller, der sich auch ärgert, dass die 500 Mio. Euro staatliche Mitgift in den Unternehmenszahlen nicht aufscheinen.

AUA weist Vorwurf zurück

Die AUA weist den von Staller unter anderem erhobenen Vorwurf, der in einem internen Bericht dargestellte Unternehmenswert von -207,2 Mio. Euro sei willkürlich, zurück. "Die Aussagen von Herrn Staller sind inhaltlich falsch und im Ton unangemessen", so AUA-Sprecher Hehemann zur APA. "Der Unternehmenswert der AUA wurde korrekt ermittelt. Der vom Gericht beauftragte Gutachter bestätigt die Methode und bestätigt, dass die Barabfindung von 50 Cent je Aktie angemessen ist".

Der nach der Discouted Cash-Flow-Methode errechnete negative AUA-Unternehmenswert per 16. Dezember, dem Tag der Hauptversammlung, an dem der Ausschluss der noch verbliebenen AUA-Aktionäre beschlossen werden soll, bedeute nicht, dass die Airline überschuldet sei. "Er zeigt aber, dass die Ertragskraft des Unternehmens schwach ist", hieß es heute aus der AUA weiter.

Die Free Cash Flows steigen laut Bericht bis zum Jahr 2012 auf 230 Mio. Euro und erreichen 2016 mit -10 Mio. Euro einen Tiefpunkt. Für die Jahre nach 2017 werden keine jährlichen Betrachtungen mehr angestellt, sondern eine Ewige Rente von 54,6 Mio. Euro angenommen. In Summe ergibt sich per 16. Dezember ein Gesamtunternehmenswert von 902,6 Mio. Euro, dem 1.119,8 Mio. Euro an "Unternehmenswertanpassungen" gegenüberstehen. Weiter positiv berücksichtigt werden 10 Mio. Euro nicht betriebsnotwendiges Vermögen, das sich aus dem Aktienanteil an der Ukraine International (UIA) ergeben.

Rein finanztechnisch ergibt sich der negative AUA-Unternehmenswert per 16.12. dadurch, dass die Summe der abgezinsten freien Cash-Flows zum Stichtag niedriger als die Verschuldung des Unternehmens zum Stichtag ist.

Austausch der Flotte

Der heute veröffentlichte interne Bericht widmet sich neben der Errechnung des Unternehmenswertes auch der zukünftigen Strategie. Dabei werden - unter Berücksichtigung der EU-Auflagen - zum größten Teil bereits bekannte Planzahlen wiedergegeben. Neu ist, dass ab 2014 ein Austausch der bestehenden Flotte im Bereich 70 bis 100 Sitze durch neue Flugzeugmuster erfolgen soll und die weitere Planung bis 2017 keine Flottenerweiterung beinhaltet.

2011 werden zwei Boeing 767 durch zwei geleaste größere Boeing 777 ersetzt. Die Passagierzahlen sollen dadurch auf 10,2 bis 11,3 Mio. steigen.

Nach der Flaute im Airlinegeschäft im Jahr 2009 werde das Niveau von 2008 erst wieder 2012 erreicht werden. Das Charter-Geschäft wird ab Sommer 2010 fast zur Gänze zurückgefahren und sich nur mehr auf die Vermarktung von "Restkapazitäten" beschränken. Das Charter-Geschäft mache nicht einmal ein Zehntel des Gesamtgeschäftes aus, hieß es heute aus der AUA. Ob die Marke Lauda weitergeführt wird, "wird geprüft".

Beim operativen Ergebnis wird ein Turnaround erst nach 2010 angenommen. Vom 17.12. bis Ende 2012 wird mit einem kumulierten EBIT-Verlust in Höhe von 107,6 Mio. Euro und einem Verlust nach Steuern in Höhe von 221,9 Mio. Euro gerechnet. Von 2013 bis Ende 2017 wird mit einem positiven EBIT von 334,4 Mio. Euro und einem Nachsteuerergebnis von 223,3 Mio. Euro gerechnet.

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