Hapag-Lloyd spürt Aufwärtstrend

27.01.2010

Angesichts der Wiederbelebung des Welthandels stabilisiert sich das Geschäft der Reederei Hapag-Lloyd. Im vierten Quartal habe das Unternehmen ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaftet, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen zu Reuters. "Alles geht irgendwie nach oben - Frachtraten und Mengen. Das Worstcase-Szenario ist nicht eingetreten", sagte einer der Insider.

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Für den schlimmsten Fall hatte der Konzern für 2009 mit einem operativen Verlust von 1,4 Mrd. Dollar (994 Mio. Euro) kalkuliert. Nun läuft es wohl auf die bereits nach neun Monaten verbuchten 675 Mio. Euro (rund 950 Mio. Dollar) hinaus.

"Wir sind etwas besser sogar als unser Basis-Szenario", sagte eine Person aus dem Unternehmen. "Die Frachtraten haben sich zuletzt gut entwickelt und die Befürchtungen, dass sie zum Jahresanfang einbrechen könnten, haben sich nicht verwirklicht." Der Container-Frachtratenindex Contex zeigt, dass sich die Lage der gesamten Branche zuletzt entspannte. Er stieg seit Dezember leicht an auf 246 Punkte. Damit ist er aber noch weit entfernt vom Niveau von Frühjahr 2008, als er über 1.000 Punkten lag.

Hapag-Lloyd profitiert zudem von seinem Sparprogramm. Das Unternehmen hat von den geplanten Einsparungen von 1,1 Mrd. Dollar bereits über 800 Millionen umgesetzt - unter anderem durch eine langsamere, verbrauchsarme Fahrweise der Schiffe, die Zusammenlegung von Liniendiensten und die Aushandlung niedrigerer Hafengebühren. Zudem baut der Konzern bis Jahresende weltweit rund 500 Arbeitsplätze ab, davon 120 in Deutschland. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 7.700 Mitarbeiter. Die vereinbarten Kurzarbeitsregelungen lässt Hapag-Lloyd aber im April auslaufen.

EU-Bedenken gegen Staatsbürgschaft

Hapag-Lloyd hatte im Herbst vom Bund eine 1,2 Mrd. Euro schwere Staatsbürgschaft gewährt bekommen. Das Unternehmen hofft weiterhin darauf, sie nicht in Anspruch nehmen zu müssen, wie mehrere Insider bestätigten. Zu einem Zeitungsbericht über mögliche Schwierigkeiten, die die EU mit der Staatsbürgschaft sehen könnte, hieß es in Unternehmenskreisen: "Wir haben die Zusage aus Berlin. Alles weitere ist eine Sache zwischen Berlin und Brüssel."

Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, der designierte Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia, der künftig für den Fall zuständig sei, könne möglicherweise anders entscheiden als Verkehrskommissar Antonio Tajani, der den Hilfen zugestimmt hatte. "Die Prüfung dauert an, es gibt keine Vorentscheidung", sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Hapag-Lloyd und der Tourismuskonzern TUI, der noch 43 Prozent an der Reederei hält, lehnten Stellungnahmen ab. TUI-Aktien verloren in einem schwachen Umfeld rund zwei Prozent.

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