ProBahn sieht NÖ Bahnen in Gefahr

19.02.2010

Einen Monat nach der Grundsatzvereinbarung von Bund, ÖBB und Niederösterreich zur Übernahme von rund 600 km Schienenstrecke haben die Bahn-Initiativen "den Eindruck, dass das Land die Chance für eine erfolgreiche Landesbahn nicht nützen wird". Informationen zufolge wolle das Land den Schwerpunkt auf den Ausflugs- und nicht Regelverkehr legen, sagte ProBahn-Sprecher Peter Haibach bei einer Pressekonferenz in St. Pölten.

Zur Vollversion des Artikels
 
Zur Vollversion des Artikels

Damit drohe der Bahn die "größte Einstellungswelle seit 1837". Das ausverhandelte "Startkapital" des Landes von 100 Mio. Euro bezeichnete Haibach als "bescheiden": "Allein für die Mariazellerbahn hätte man 150 Mio. Euro gebraucht." NÖ habe ein "Sammelsurium" an Strecken übernommen, die nicht sinnvollerweise zu einem Netz verbunden werden könnten. Gefordert werden die Bestandssicherung aller bestehenden Gleisanlagen und die Entwicklung unterschiedlicher Betreibermodelle durch Beteiligung der örtlichen Bahn-Initiativen.

Fehlende Untersuchungen

Auch vermisst Haibach umfassende Untersuchungen über alle übernommenen Strecken. Er betonte den Wunsch nach Zusammenarbeit mit dem Land und verwies auf die an den Landtag gerichtete Petition zum Erhalt der Regionalbahnen und Einrichtung eines Regionalbahnen-Beirates. Dieser sei jedoch nicht geplant, berichtete die Grüne Verkehrssprecherin LAbg. Amrita Enzinger.

Im Waldviertel seien die Menschen ebenso unzufrieden mit dem Buskonzept wie im Ybbstal. Die vor einigen Jahren "bewusst abgewirtschaftete" Ybbstalbahn sollte insgesamt saniert und nicht in eine Stadt- und Museumsbahn zerstückelt werden, verwies Haibach auf das Interesse der deutschen Privatbahn Veolia Verkehr GmbH an einer Übernahme.

Bereits heute sind etwa die Schmalspurbahnen im oberen Waldviertel bloße Relikte: Einer sündteuren Streckenerhaltung steht hier nur ein äußerst bescheidener touristischer Nutzen gegenüber, da die Dampflokomotiven nur einige Male pro Jahr ausfahren. Primär verursachen solche Strecken also Kosten.

Wie auch immer: Die Bahn-Initiativen sprechen sich für die Sanierung der Mariazellerbahn und einen Regelverkehr auf der Donauuferbahn im Bereich Krems bis Emmersdorf ein. Eine Attraktivierung der Traisentalbahn und - unterstützt von Gemeinden dies- und jenseits der Grenze - die Reaktivierung der Thayatalbahn und deren Anbindung ans tschechische Verkehrsnetz in Slavonice sind weitere Anliegen.

Zur Vollversion des Artikels