Übernahmepoker

Commerzbank baut Tausende Stellen ab

08.05.2026

e deutsche Commerzbank setzt sich im Abwehrkampf gegen die Übernahme-Ambitionen der italienischen Bank-Austria-Mutter UniCredit ehrgeizigere Ziele und will dazu weitere rund 3.000 Jobs streichen.  

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"Unsere Strategie funktioniert - und hat mehr Potenzial als ursprünglich geplant", sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp am Freitag in Frankfurt. Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Bank setzt dabei nicht nur auf Wachstum, sondern auch auf mehr Effizienz.

Zehn Prozent der Arbeit würden in den nächsten Jahren durch künstliche Intelligenz (KI) überflüssig, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten anders eingesetzt werden - oder ihre Stellen fielen weg. Weitere 3.000 von derzeit rund 38.000 Stellen sollen gestrichen werden. Das sei bereits mit dem Betriebsrat vereinbart worden, erklärte die Bank. Dafür nimmt das Institut rund 450 Millionen Euro in die Hand.

Übernahmeplan der UniCredit "vage"

Damit will die Commerzbank aus eigener Kraft profitabler werden. Eine Übernahme durch die UniCredit brauche es nicht. "Aus Sicht der Commerzbank bleibt der Plan, den die UniCredit kommuniziert hat, vage und birgt erhebliche Umsetzungsrisiken", erklärte das Institut.

Trotzdem bleibe man gesprächsbereit, sofern die Italiener den Commerzbank-Aktionären eine attraktive Prämie auf den Aktienkurs böten und bereit seien, "offen über einen Plan zu diskutieren, der die Säulen des Geschäftsmodells und der Strategie der Commerzbank berücksichtigt". UniCredit-Chef Andrea Orcel zweifelt unter anderem am umfangreichen internationalen Netz der Commerzbank, mit dem sie den deutschen Mittelstand im Ausland begleitet.

Bis zum Jahr 2030 will Orlopp die Erträge auf 16,8 (2025: 12,2) Milliarden Euro steigern, auch das Zwischenziel für 2028 liegt mit 15 Milliarden Euro schon um 800 Millionen höher als bisher geplant. Das Wertpapiergeschäft soll ausgebaut werden, im Firmenkundengeschäft will die Bank Marktanteile in Deutschland gewinnen. "Wir wachsen stärker als geplant, und unsere neuen Ziele bis 2030 spiegeln das wider – ehrgeizig und gleichzeitig verlässlich in der Umsetzung. Daran muss sich jede Alternative messen lassen", sagte Orlopp.

Kräftiges Gewinnplus bis 2030 angepeilt

Die Commerzbank soll bis 2030 einen Nettogewinn von 5,9 Milliarden Euro abwerfen, für das laufende Jahr liegt die Latte nun bei 3,4 (2025: 3) Milliarden Euro, das sind um 200 Millionen mehr als im Februar vorhergesagt. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (RoTE) will Orlopp damit bis 2030 auf rund 21 (2025: 10) Prozent verdoppeln, 2028 sollen es schon 17 Prozent sein. Auch in den nächsten Jahren soll der Nettogewinn vor Restrukturierungskosten über Dividenden und Aktienrückkäufe ganz an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Im ersten Quartal übertraf die Commerzbank mit einem Nettogewinn von 913 (834) Millionen Euro die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 868 Millionen gerechnet hatten. Das sei das beste Nettoergebnis seit 2011, erklärte die Bank. Das operative Ergebnis stieg um 11 Prozent auf 1,36 Milliarden Euro und war damit so hoch wie nie. Analysten hatten der Commerzbank nur 1,32 Milliarden zugetraut.