Gewerkschaft mahnt AUA wegen Kündigungen
03.07.2009Der ÖGB fordert das Management der AUA auf, von "Panikmaßnahmen" wie dem jetzt angekündigten Abbau von 1.000 Stellen vorerst Abstand zu nehmen und verweist darauf, dass die AUA während der Zeit der Kurzarbeit ohnedies keine Mitarbeiter kündigen darf. "Es gibt ein Zeitfenster, das es trotz der schwierigen Situation möglich macht, die Dinge ruhig zu besprechen und verhandeln", sagte Karl Proyer, stv. Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) zur APA.
Proyer stellte in Abrede, dass die von den AUA-Vorständen Peter Malanik und Adreas Bierwirth angekündigten Maßnahmen bis hin zu Kündigungen mit Betriebsrat oder Gewerkschaft akkordiert seien.
Die Kurzarbeit bei der AUA dauere bis 30. September, bis dahin dürfe es ohnedies zu keinen Kündigungen kommen. "Panikmache ist nicht die richtige Vorgangsweise", sagte Proyer. Die Bundesregierung forderte er auf, in Brüssel Druck auf eine rasche Entscheidung zu machen.
Wilhelm Haberzettl, stellvertretender Vorsitzender der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, warf dem Management vor, versagt zu haben, sie trage die Restrukturierung "ausschließlich auf dem Rücken der Beschäftigten aus".
Die Manager würden Boni kassieren - während die Arbeitnehmer, die nicht an der schlechten Situation schuld seien und auch Sparmaßnahmen bereits zugestimmt hätten "mit Arbeitsplatzverlust bestraft werden". Die von der Republik zur Verfügung gestellten Millionen für die AUA (500 Mio. Euro Zuschuss für den Verkauf, Anm.) "haben sich jetzt offenbar als Millionenförderung der Steuerzahler zur Arbeitsplatzvernichtung erwiesen".
AUA-Vorstand begründet Personalabbau mit verschärfter Krise
Der Vorstand der Austrian Airlines hat den angekündigten Abbau von weiteren 1.000 Stellen als Reaktion auf die in den letzten Monaten verschärfte Krise dargestellt. "Alle Airlines befinden sich in einer der größten, wenn nicht der größten Krise seit Beginn der Luftfahrt", sagte AUA-Vorstand Andreas Bierwirth in einer Telefonkonferenz in den Abendstunden. Das volle Ausmaß sei erst in den letzten Monaten deutlich geworden, zu den Umsatzeinbußen kämen jetzt auch wieder steigende Ölpreise.
Die 1.000 Stellen, die die AUA im Rahmen ihres Programmes "Austrian lean" ("Schlanke AUA") abbauen wird, sind Vollzeitäquivalente; wie viele Menschen tatsächlich ihren Job verlieren werden, wollten Bierwirth und sein Vorstandskollege Peter Malanik nicht präzisieren. Sollten viele Vollzeitposten in Teilzeit umgewandelt werden, könnten es theoretisch sogar weniger sein. "Das Maßnahmenpaket ist mit der Marktlage kongruent", sagte Malanik. Weiter Personalabbau sei derzeit nicht geplant.
Das Zusammenfallen mit der Ankündigung einer vertieften Prüfung durch die EU-Kommission sei eine "zeitliche Koinzidenz". Würde der Vorstand mit einem Nein aus Brüssel und einem Standalone-Kurs rechnen, "müssten wir jetzt wesentlich gravierendere Einschnitte ankündigen". Zweck des Pakets sei es, die bereits durchgeführten Sparmaßnahmen in nachhaltige Einsparungen zu verwandeln.
Die Umsetzung der Personalsparmaßnahmen solle im Einvernehmen mit dem Betriebsrat und möglichst "sozialverträglich" durchgeführt werden, beteuerte Malanik. Man wolle mit der Umwandlung in Teilzeitbeschäftigungen und dem natürlichen Abgang arbeiten, da die "soften" Maßnahmen aber nicht ausreichen würden, würden sich als "Restmenge" Kündigungen ergeben.
300 Posten - also etwa ein Drittel - werden in den Bereichen Netzplanung und Vertrieb abgebaut werden; hier werden 19 von ursprünglich 43 Führungsfunktionen gestrichen. Neben dem Personal spart die AUA u.a. bei ihren Lieferanten bzw. sonstigen Geschäftspartnern und mit der "Optimierung von Strecken" ein. Nach Angaben vom Donnerstag beschäftigt die Airline 7.500, bereinigt um die Kurzarbeit 7.000 Mitarbeiter.
AUA will Ebit um 200 Mio. Euro verbessern
Das AUA-Management will das operative Ergebnis "mittelfristig" auf den europäischen Schnitt von sechs bis sieben Prozent bringen. Um eine solche Ebit-Marge zu erreichen, "muss bis 2012 schrittweise eine Ergebnisverbesserung von ca. 200 Mio. Euro erzielt werden", schreibt die AUA.
Die angekündigten Outplacements dienen dazu, Mitarbeitern, die sich schon lange im Unternehmen befinden, bei der beruflichen Neuorientierung zu helfen, sagte ein AUA-Sprecher zur APA.