Hypo-Pleite

Kommen wir mit blauem Auge davon?

22.02.2014

Der Schaden aus dem Hypo-Debakel wird enorm – könnte aber begrenzt werden.

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© TZ ÖSTERREICH/Raunig
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Bis zu 19 Milliarden Euro reichen die Schätzungen für das Hypo-Debakel. Laut Fiskalrats-Chef Bernhard Felderer droht den Steuerzahlern ein enormer Schaden – der dürfte vom Horrorszenario aber doch um einiges entfernt sein.

Bestenfalls: 6,8 Milliarden, schlimmstenfalls 11,1 Mrd.

Zu den bereits ausgegebenen 4,8 Mrd. Euro könnten bestenfalls zwei, schlimmstenfalls 6,3 Milliarden dazukommen.

  • 18,5 Milliarden beträgt die ­Bilanzsumme der Hypo Alpe Adria.
  • Fünf Milliarden sind laut Felderer vorhanden – teilweise in bar. Wahrscheinlich 13,5 Mrd. kommen in die Abwicklungsanstalt.
  • Kredite „notleidend“: Von den 13,5 seien 5,3 Milliarden Kredite, die pünktlich (mit max. 3 Monaten Verspätung) bedient werden. 8,2 Mrd. Euro gelten als „notleidend“ (sind also uneinbringlich).
  • 4,9 Mrd. € problematisch: Für weitere 3,3 Mrd. Euro gebe es Risikovorsorgen. Bleiben 4,9 Mrd. – von denen knapp 1 Mrd. bereits abgebaut sei.
  • Von den 4 Mrd. seien 2 besichert, so Felderer. Je nach Geschick bei der Verwertung drohe dann ein Schaden von 2 bis max. 4 Milliarden.
  • 2,3 Milliarden an Bayern: Noch ein Unsicherheitsfaktor: Ex-Hypo-Eigentümerin BayernLB hat noch 2,3 Mrd € in der Bank – Geld, um das Österreich mit den Bayern wird verhandeln müssen. Österreich habe da aber keine schlechten Karten.
  • Bund zahlte schon 4,8 Mrd.: Allerdings: Der Bund schoss bisher 3,6 Mrd. € als Kapital in die Bank, für 1,2 Mrd. € haftet er. Dieses Geld ist weg.

SPÖ will jetzt Weisenrat statt U-Ausschuss
Indes tobt der Politstreit weiter: Einen Weisenrat – besetzt mit internationalen Experten – schlug Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny vor – und die SPÖ findet das gut: SP-Klubobmann Andreas Schieder sieht das gegenüber ­ÖSTERREICH als einen „Vorschlag, der zur Objektivierung und Beruhigung der Situation beitragen könnte“. Werner Kogler von den Grünen ist für einen U-Ausschuss.
 

Fiskalrat-Chef: "Rasch Verhandlungen mit den Gläubigern"

ÖSTERREICH: Was soll die Regierung jetzt tun?
B. Felderer: Es gibt gute Chancen, dass wir mit Zusatzkosten von zwei bis vier Milliarden davon- kommen. Zuerst müsste diese Zahl außer Streit gestellt werden.

ÖSTERREICH: Und dann?
Felderer: Man muss signalisieren, dass die Hypo mittels einer „Anstalt“ abgewickelt wird. Gleichzeitig muss das Insolvenzszenario aufrecht bleiben.

ÖSTERREICH: Das klingt so, als ob nicht viel Zeit ist.
Felderer: Tatsächlich ist der Zeitfaktor kritisch. Es muss jetzt einfach sehr rasch zu Verhandlungen mit den Bayern und den ­anderen Gläubigern kommen. Man kann das nicht länger aufschieben.
 

Krisen-PR-Profi Rosam: "Kommunikation ist katastrophal"

ÖSTERREICH: Die verwirrenden Informationen der Regierung zum Hypo-Debakel, vor allem das Fehlen klarer Zahlen, werden stark kritisiert. Wir beurteilen Sie das als Experte für Krisen-PR?
Wolfgang Rosam: Die Kommunikation ist katastrophal und läuft völlig aus dem Ruder. Es werden keine echten Fakten mitgeteilt, also kann jeder einfach irgendetwas berichten. Das gehört eingefangen!

ÖSTERREICH: Wie denn?
Rosam: Die Regierung müsste raustreten und eine Erklärung abgeben. Die Fakten in verständlichen Worten erläutern: Wie ist das passiert, welche Möglichkeiten haben wir jetzt, was kostet das?

ÖSTERREICH: Wer sollte das machen?
Rosam: Kanzler und Vizekanzler. Es handelt sich um eine echte Krise – und in der Krise kann nur der Chef kommunizieren.

Grün-Finanzexperte: "Hypo-Gläubiger nicht schützenswert"

ÖSTERREICH: Fiskal-Chef Felderer beruhigt, er sagt, dass „nur“ noch 2 Milliarden Euro zu den bisherigen 4,8 dazukommen könnten.
Werner Kogler: Da fliegen die Zahlen nur so hin und her – ich warne vor einer gewissen Scharlatanerie.

ÖSTERREICH: Wie lautet denn Ihre Schätzung?
Kogler: Ich denke, dass wir – zusammen mit dem bereits gezahlten 4,8 Milliarden – insgesamt auf elf Milliarden kommen könnten. Das werden wir aber erst in ein paar Jahren wissen.

ÖSTERREICH: Sie haben die Regierung kritisiert – doch jetzt spricht auch Finanzminister Spindelegger davon, Gläubiger und Anleihenzeichner zur Kasse zu bitten …
Kogler: Ja, und das ist ja auch zu begrüßen. Mir geht es darum, dass Anleihenzeichner ab den 2000er-Jahren nicht mehr schützenswert waren. Sie mussten wissen, in welche Bank sie investieren. Aber ich gebe Fel­derer recht: Es hätten gleich nach der Verstaatlichung Verhandlungen mit den Gläubigern geben müssen.

ÖSTERREICH: SPÖ und ÖVP wollen einen Weisenrat statt einen U-Ausschuss …
Kogler: Man kann Experten beiziehen, doch die müssten dem Parlament zuarbeiten. Wir sind weiter für den U-Ausschuss. Es kann ja nicht sein, dass die zur Kon­trollierenden sich die Kon­trolleure aussuchen. Gerade die Klubobleute Schieder und Lopatka sollten sich aus der Debatte heraushalten. Beide sind als Staatssekretär bei der unnötigen Verstaatlichung der Hypo am Tisch gesessen.