102 Jahre Tradition

Industrie-Schock: Weltmarktführer ist pleite

17.05.2026

Die Krise in der deutschen Industrie fordert das nächste Opfer aus der Riege der Traditionsbetriebe. Der Thüringer Maschinenbau-Spezialist Eliog hat beim Amtsgericht Meiningen Insolvenz angemeldet. 

Zur Vollversion des Artikels
© Getty
Zur Vollversion des Artikels

Die wirtschaftliche Talfahrt trifft mit dem Thüringer Spezialisten Eliog ein echtes Urgestein der Branche. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Meiningen eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das ist besonders bitter, da der Betrieb als Weltmarktführer für Spezialöfen gilt, die unter anderem in der Automobilindustrie eine zentrale Rolle spielen. Nun muss Sanierungsgeschäftsführer Stefan Mairiedl das Ruder herumreißen, um das Unternehmen irgendwie durch diese stürmischen Zeiten zu manövrieren. In einer offiziellen Mitteilung gab er sich kämpferisch und definierte sein primäres Ziel klar: „Die Substanz des Unternehmens erhalten.“ Gelingen soll dieses Vorhaben mithilfe eines neuen Investors, der frisches Geld einbringt und die nötige Sanierung sichert.

Betrieb hat lange Geschichte

Die Wurzeln des angeschlagenen Ofenbauers reichen extrem weit zurück in die Vergangenheit. Eliog wurde bereits im Jahr 1924 in Düsseldorf gegründet und blickt damit auf eine über 100-jährige Tradition zurück. Nach massiven Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg entschieden sich die Verantwortlichen, die Produktion komplett nach Römhild in Thüringen zu verlagern. Zu Zeiten der DDR wurde die Firma als volkseigener Betrieb weitergeführt. Nach der politischen Wende geriet der Apparatebauer ein erstes Mal in die Insolvenz. Im Jahr 2011 wendete sich das Blatt scheinbar zum Guten, als die familiengeführte Rupprecht-Gruppe aus Bayern den Thüringer Traditionsbetrieb übernahm.

Behörden stoppten wichtigen Neubau

Dass es überhaupt so weit kommen musste, liegt offenbar auch an massiven Hürden durch die Bürokratie. Im vergangenen Jahr löste Eliog-Eigentümerin Karlotta Rupprecht mit einem hochemotionalen, tränenreichen Video auf der Plattform Linkedin eine breite Debatte aus. Umfassende Pläne für einen dringend benötigten Neubau mussten komplett gestoppt werden, weil die zuständige Behörde schlichtweg die Genehmigung für den Bau einer Zufahrtsstraße verweigerte. In einem Interview mit der F.A.Z. machte die Unternehmerin ihrem Ärger Luft: „Hier ist ein Unternehmen, das mit großer Anstrengung versucht, den Weg in die Zukunft zu gehen. Hier hängen Arbeitsplätze und ganze Familien dran. Und dann wird da beschieden: ‚Zufahrt nicht genehmigt‘, und dann liegt der Antrag erst mal auf Eis, erledigt.“

Kunden streichen reihenweise Aufträge

Durch den Baustopp ist die Zukunft des Weltmarktführers nun völlig unklar. Laut Sanierungsgeschäftsführer Mairiedl steht fest, dass Eliog offene Forderungen und Verbindlichkeiten „absehbar weder termingerecht noch vollständig begleichen“ kann. Der Hauptgrund für die akute Schieflage ist eine extrem schwache Nachfrage am Markt. Die Kunden kürzen ihre Aufträge radikal, verschieben wichtige Projekte auf das kommende Jahr oder streichen die Bestellungen gleich komplett. Für die 74 verbliebenen Beschäftigten in Römhild bedeutet das eine unerträgliche Hängepartie. Ihre Löhne und Gehälter sind zwar bis zum kommenden Monat über das staatliche Insolvenzgeld abgesichert, doch wie es danach weitergehen soll, steht im Moment komplett in den Sternen.

Schwere Krise bei Autozulieferern

Das Schicksal von Eliog ist keineswegs ein Einzelfall, sondern reiht sich nahtlos in eine verheerende Pleitewelle ein. Besonders hart trifft es aktuell die Autozulieferer und deren Dienstleister, wo eine gefährliche Kettenreaktion in Gang gesetzt wurde. In Rheinland-Pfalz krachte erst kürzlich ein Maschinenbau-Spezialist für Antriebstechnik in die Pleite, wodurch 110 Mitarbeiter ihren Job verlieren könnten. In Speyer stehen sogar 1200 Arbeitsplätze vor dem Aus, weil zwei Zulieferer ihre Werkstore endgültig schließen. Auch beim Zulieferer Bayrak in Niedersachsen und Hessen zittern aktuell 400 Menschen um ihre Existenz. Im Harz in Sachsen-Anhalt machten erst kürzlich zwei Betriebe an einem einzigen Tag dicht, was rund 1000 Stellen gefährdet. Der Ofenbauer aus Thüringen ist nun der nächste prominente Name auf dieser Liste.