Flaute plagt
Pfand-Schock für Branche: Viertel weniger Bierdosen verkauft
12.02.2026Gastro-Flaute und Einwegpfand drücken den Bierabsatz, sagt der Brau-Union-Chef. Allerdings ist Bier auch ohne Pfand deutlich teurer geworden.
Die zu Heineken gehörende Brau Union leidet unter der verhaltenen Konsumlaune und der Einwegpfand-Einführung. Jetzt sucht man nach Strategien gegen den Absatzrückgang. Man habe im Vorjahr in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel um 6 bis 7 Prozent weniger Bier verkauft, sagte Brau-Union-Chef Hans Böhm.
Bierdosen-Absatz brach um ein Viertel ein: Pfand spielt mit
Der Bierdosen-Absatz brach sogar um ein Viertel ein. Einen Kahlschlag beim Personal schließt der Manager in nächster Zeit dennoch aus. Die Brau Union ist mit großem Abstand Marktführer in Österreich und machte zuletzt gut 900 Mio. Euro Umsatz. Zur Brau Union gehören Biermarken wie Gösser, Zipfer, Kaiser, Puntigamer, Schwechater, Wieselburger, Schladminger und Edelweiss. Rund die Hälfte des hierzulande produzierten Bieres entfällt auf den Konzern, der von veränderten Rahmenbedingungen freilich ebenso wie seine Konkurrenten nicht verschont bleibt: Neben der Konsumzurückhaltung wirbelte zuletzt vor allem das Dosenpfand den Markt auf, Böhm rechnet hier mit längerfristigen Einschnitten. Denn bis sich Konsumgewohnheiten normalisieren würden, dauere es - außerdem lohne sich der Kauf für viele ausländische Konsumenten, die sich in den Grenzregionen mit österreichischem Bier versorgen, durch das Pfand weniger. Der Manager verwies auch auf Deutschland, wo es nach der Pfandeinführung viele Jahre gedauert habe, bis die negativen Effekte für die Brauereien verpufft seien.
Um so viel wurde Bier teurer
Bier ist seit 2020 deutlich im Preis gestiegen. Dosenbier ist in den letzten fünf Jahren um 36 Prozent teurer geworden. Flaschenbier um 15%, Radler um 21 %. Bier im Restaurant um 35%. Noch stärker haben sich allerdings Cola-Getränke verteuert: Um 40 Prozent.
Die allgemeine Teuerung hat in den letzten 5 Jahren in Österreich um 30 % zugelegt – laut Verbraucherpreisindex der Statistik Austria. Der Pfand wird in der Teuerung nicht berücksichtigt, sondern als „durchlaufender Posten“ betrachtet. Man bekommt das Pfand zurück, deshalb zählt es bei der Teuerung nicht.
Trotz schwieriger Marktlage kein Stellenabbau geplant, im Gegensatz zu Heineken
Auf den Absatzrückgang reagierte der Brauereikonzern mit Stellenstreichungen und Effizienzmaßnahmen. Die Produktion der Villacher Brauerei wurde im Wesentlichen in die Steiermark verlagert. Auch im Logistikbereich und im Gastro-Vertrieb wurde personell eingespart. Die Zahl der Mitarbeiter (Vollzeitstellen) sank großteils durch nicht nachbesetzte Pensionierungen, aber auch durch Kündigungen im Vorjahr um 5 Prozent auf rund 2.400 Beschäftigte. Größere Einschnitte beim Personal wolle man trotz allem auch heuer vermeiden, versicherte Böhm. Die Brau-Union-Mutter Heineken hatte am Mittwoch angekündigt, in den kommenden zwei Jahren weltweit 6.000 Stellen abbauen zu wollen , oe24 berichtete.
Wege aus der Flaute
Wie wieder Schwung in den schwächelnden Biermarkt geraten könnte? Patentrezepte hat der Niederländer zwar nicht, gemeinsam mit der Gastronomie wolle man allerdings versuchen, mehr Leute in die Lokale zu locken, was seitens der Brau Union vor allem über Innovation bei den Biersorten gelingen soll. So arbeite der Konzern daran, mehr Auswahl bei Zapfbier (Fassbier) zu bieten, außerdem sei man bestrebt, das alkoholfreie Segment auszubauen, sagte Böhm. In Österreich lag der Anteil alkoholfreier Sorten zuletzt bei knapp 4 Prozent des gesamten Bierausstoßes und damit deutlich hinter anderen europäischen Ländern. Böhm sieht in alkoholfreiem Bier eine Chance, mittelfristig sei ein Anteil von gut 10 Prozent möglich.
Vielfalt erhöhen
Generell gehe es darum, die geschmackliche Vielfalt zu erhöhen, so der Firmenchef, der demnächst die Leitung des gesamten DACH-Raums für die Brau Union übernimmt. So habe der Konzern den Braumeistern der eigenen kleineren Brauereien - das sind Falkenstein, Kaltenhausen, Linzer, Schladminger, Schleppe und Villacher - im Vorjahr mehr Freiheit eingeräumt, um den österreichischen Markt "mit neuen Sachen zu überraschen". Man habe ein "bisschen den Druck auf die Produktivität weggenommen und Platz gemacht für mehr Innovationsfähigkeit". Und man sei immer auf der Suche nach dem "nächsten Gösser Radler", den Böhm als Erfolgsprodukt pries.
Die zwölf zur Brau Union gehörenden Brauereien in Österreich führen insgesamt gut 100 Biersorten im Sortiment. Das Angebot des Marktführers war in der Vergangenheit von Konkurrenzfirmen der unabhängigen Privatbrauereien thematisiert worden, die die Marktdominanz von Österreichs größtem Braukonzern kritisierten und vor einem "Konzern-Einheitsbier" warnten.
Kartellverfahren läuft
Im medialen Fokus stand die Brau Union zuletzt vor allem aufgrund eines laufenden Kartellverfahrens. Dabei geht es um die Zusammenarbeit des Braukonzerns mit Getränke-Logistikpartnern und die Frage, ob wirtschaftlicher Druck auf die Getränkelieferanten ausgeübt wurde. Die Bundeswettbewerbsbehörde ortet "eine Einflussnahme auf die Aktivität der unabhängigen Getränkehändler" durch den Braukonzern.
Die als Logistikpartner fungierenden Getränkehändler liefern Bier und andere alkoholfreie Getränke auf Rechnung der Brau Union aus und bekommen dafür eine nicht näher bezifferte Logistikvergütung. Gleichzeitig können sie bei diesen "Streckenlieferungen" für den Bierkonzern auch eigene Getränke an die belieferten Kunden verkaufen.
Die Brau Union hatte vor Gericht angekündigt, bis Jahresende aktualisierte Verträge mit 35 Logistikpartnern abzuschließen, um damit Kritikpunkte der BWB auszuräumen. "Der Großteil von den 35 Logistikpartnern hat die neuen Verträge unterschrieben", erklärte der Firmenchef. Ende Februar könnte es zwischen Brau Union und der BWB auch zu einem außergerichtlichen Gespräch kommen. In Kartellverfahren sind einvernehmliche Verfahrensbeendigungen - sogenannte Settlements - möglich. Diese reduzieren das Bußgeld und verkürzen das Verfahren. Im Kartellverfahren sind weitere Verhandlungstermine für März angesetzt.