Nach Signa-Crash

Anwalt: "Benko ist
bedrückt & betroffen"

21.02.2026

Rund um Signa-Gründer René Benko könnte der größte Wirtschaftsprozess der 2. Republik entbrennen. Im oe24-Interview spricht sein Anwalt Dr. Norbert Wess. Die Soko Signa und die WKStA ermitteln weiter.

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Benkos Verteidiger Dr. Norbert Wess sagt im oe24-Interview, dass sein Mandant Benko nach der abgewiesenen U-Haft-Beschwerde „sehr bedrückt und betroffen“ ist. Er habe „alle Hoffnung in die obergerichtliche Entscheidung gelegt“.

Das Oberlandesgericht Wien hat auf 110 Seiten die U-Haft als verhältnismäßig bestätigt, ebenso den dringenden Tatverdacht, wie die Tatbegehungsgefahr. Jetzt muss Benko mindestens bis 16. April in der Zelle bleiben. Die längstmögliche Dauer der U-Haft sind zwei Jahre bis Jänner 2027.

Familienbesuch

„Seit dem 2. Prozess darf Benko zumindest seine Familie wiedersehen. Zweimal in der Woche“, sagt Wess über die Besuche der Kinder und der Ehefrau. Die restliche Zeit bereite sich Benko im Innsbrucker Knast auf Prozesse vor – die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt in zehn weiteren Fakten gegen Benko. Wegen der Vorbereitung habe Benko keine Zeit für einen Gefängnisjob.

Tagesablauf in U-Haft

„Von vormittags bis 14:30 Uhr können wir als Anwälte mit ihm in Kontakt sein, telefonisch oder persönlich“, sagt Wess. Er kritisiert, dass Benko keinen Zugang zu „seinen eigenen Mails und historischen Daten hat, obwohl die Staatsanwaltschaft diese seit nahezu zwei Jahren sichergestellt hat und auswertet“. Benko hat ein Tablet, auf dem er das sehen kann, was die WKStA zum Akt genommen hat. „Benko wird verunmöglicht zu sagen, das und das hätte ich gerne zum Akt genommen, weil mich das entlastet.“

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Wess: "Da blutet mir das Verteidigerherz"

Wess sagt, dass Benko im Rückblick „unternehmerische Fehleinschätzungen“ einsehe: So habe man „die Zeichen der Zeit zu spät erkannt“. Der Einstieg in den Handel war „wohl zu viel“ und „zum schlechtest möglichen Zeitpunkt – Stichwort: Corona-Krise in den darauffolgenden drei Jahren“, das sei aber nicht vorhersehbar gewesen... „Später brach der Ukraine-Krieg aus, die Zinsen stiegen unvorhersehbar schnell.“ Der Anwalt beharrt darauf: „Es ist nicht Geld rausgezogen und gestohlen worden.“ Wess spricht von einem aktuell gerichtsanhängigen Fall eines über viele Jahre handelnden Sexualstraftäters, dem ein Strafmaß von bis zu 10 Jahren droht und nur einige wenige Wochen in U-Haft war, während Benko in U-Haft bleibt: „Bei Ersterem wird eine Tatbegehungsgefahr in Zukunft offenkundig verneint, bei Herrn Benko hingegen bejaht. Da blutet mir das Verteidigerherz.“

Milliardenschaden

Die Signa-Pleite gilt mit über 27,6 Milliarden Euro an ­angemeldeten Forderungen als größte Insolvenz der österreichischen Wirtschaftsgeschichte. Gegen Benko ermittelt die WKStA seit 2024. Unter anderem wegen des Vorwurfs des schweren Betrugs, der Untreue und betrügerischen Krida. Für René Benko gilt die Unschuldsvermutung.

Signa-Prozesse

In zwei Verfahren gab es teilweise Schuldsprüche für Benko. Der Gründer der Signa-Gruppe wurde am 15. Oktober 2025 vom Landesgericht Innsbruck in einem ersten Verfahren nicht rechtskräftig zu zwei Jahren unbedingter Haft wegen betrügerischer Krida verurteilt. Kommt es zur bedingten Haft, wird die U-Haft angerechnet. Auch im 2. Prozess ging es um den Vorwurf, dass Wertgegenstände vor Gläubigern versteckt wurden. Im Dezember stand Benko mit seiner Frau Nathalie vor Gericht: Sie wurde freigesprochen, er fasste 15 Monate bedingte Haft aus. Nicht rechtskräftig. Gegen beide Urteile wurden Rechtsmittel eingelegt.

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Soko Signa: 40 Polizisten im Dauereinsatz

Ermittlung. Die WKStA ermittelt mit 5 Oberstaatsanwälten, mehreren Wirtschaftsexperten und die Soko Signa ist mit bis zu 40 Polizisten im Einsatz. Verteidiger Wess sagt nach den beiden Teilschuldsprüchen: „Seit einigen Wochen, um nicht zu sagen Monaten, ist im Übrigen nicht erkennbar, dass zeitnah etwas zu Gericht getragen wird von der Anklagebehörde. Derzeit soll kein Bericht zur Genehmigung bei den Oberbehörden liegen.“ Aus der WKStA heißt es zu oe24: „Wir arbeiten auf Hochtouren. Die Zusammenarbeit mit der Soko Signa des Bundeskriminalamts ist ausgezeichnet.“

Warum noch keine weiteren Anträge für Anklagen (oder Einstellungen) vorgelegt wurden, begründet man mit peniblen Ermittlungen. Zeugen müssen einvernommen werden, Beschuldigte bekommen das Recht, sich zu äußern: Bis zu zehn 
weitere Fakten könnten vor Gericht wandern.  

In einer anderen Sache hat Anwalt Wess jüngst einen Erfolg erzielt: Benko muss die Beugestrafe im Cofag-U-Ausschuss nicht zahlen, der Verwaltungsgerichtshof urteilte, dass der Bund Aufwendungen in Höhe von 1.346,40 Euro ersetzen muss. 

© Verwaltungsgerichtshof

Wo wird Benko wohnen, falls er freikommt?

Vorerst hat das OLG Wien entschieden. Die U-Haft bleibt aufrecht bis mindestens 16. April 2026. Dann wird Benko 1 Jahr und vier Monate in U-Haft gesessen sein.

© Oberlandesgericht Wien
 

Und wo würde Benko wohnen, wenn er freikommen würde? Seit dem Mubadala-Schiedspruch könnten die Araber-Scheichs auch das Vermögen der Laura Privatstiftung angreifen. Benkos Familie mietet derzeit bei einer Tochterfirma der Laura Privatstiftung  ein Haus auf der Hungerburg. „So lang im Mietverhältnis alles passt, und die Vermietergesellschaft selbst nicht von einer Insolvenz betroffen ist, kann das nicht einfach aufgelöst werden“, sagt Wess.

„Die allermeiste Zeit würde er ohnehin bei uns in der Kanzlei verbringen, weil wir so viel zu bearbeiten haben", scherzt Anwalt Wess über den Aufenthalt von René Benko nach einer möglichen U-Haft-Entlassung. 

Benko könnte auch in der Wohnung „eines väterlichen Freundes“ in Wien unterkommen. „Er hat aber zum Glück weiterhin Freunde und vor allem auch eine Familie, die ihn unterstützen“, betont Wess. Benko könnte also in Innsbruck oder Wien wohnen. „Wir haben auch eine Fußfessel angeboten oder tägliche Meldungen bei den Behörden“, sagt Wess. „Alles was wir bis dato angeboten haben wurde allerdings apodiktisch abgelehnt“. 

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