Angst vor Dominic Heinzl im ORF-Publikumsrat

27.10.2009

Der ORF-Publikumsrat warnt vor einer Kannibalisierung der "Zeit im Bild" durch eine Parallelprogrammierung des neuen Formats von Dominic Heinzl. Die Society-Show werde "deutlich später beginnen" als die Hauptnachrichtensendung auf ORF 2, beruhigte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bei der Plenarsitzung. Informationsdirektor Elmar Oberhauser hält es für "kleinlich und kindisch", hier Ängste zu schüren.

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Dass man im ORF 1-Vorabend etwas tun musste, sei klar gewesen, so Oberhauser. "Ich sehe das sportlich und fürchte mich nicht vor Dominic Heinzl. Ich bin sicher, dass die 'ZiB' das Match gewinnen wird." Grundsätzlich sei es nur wünschenswert, dass der ORF-Vorabend dank des Heinzl-Engagements Zuseher gewinnt, so Oberhauser.

Lob erntete der Informationsdirektor im Publikumsrat für die stabile Quotenentwicklung der ORF-Information - "in Zeiten wie diesen" sei das "keine Selbstverständlichkeit", so Andreas Kratschmar, Vorsitzender des Programmausschusses. Nach einem Bericht Oberhausers seien die Marktanteile nahezu aller ORF-Informationsformate gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben. Einsparungen habe es beim Personalstand gegeben, der heute trotz der Einführung neuer Info-Sendungen laut Oberhauser lediglich genauso hoch ist wie zu seinem Amtsantritt im Jahr 2007.

Sendeschemaänderungen bei Ö1-Wohlfühlmagazin "Ganz ich"

Sorgen bereiten den Publikumsvertretern die geplanten Sendeschemaänderungen bei dem Ö1-Wohlfühlmagazin "Ganz ich". Das Magazin müsse in vollem Umfang erhalten bleiben, forderten die Räte in einer entsprechenden Empfehlung. Die Geschäftsführung plant, das Ö1-Magazin von wöchentlich einer Sendestunde auf eine halbe Stunde zu reduzieren - außerdem soll es statt bisher von Dienstag bis Freitag nur mehr Sonntags ausgestrahlt werden.

Die großen Herausforderungen, vor denen der öffentlich-rechtliche Sender steht, skizzierte Wrabetz unter dem Tagesordnungspunkt "Bericht des Generaldirektors". "Stabilität und klare Rahmenbedingungen" erhofft sich Wrabetz vom Abschluss des EU-Beihilfeverfahrens, bei dem "in den nächsten Tagen der finale Schriftwechsel zwischen EU-Kommission und Österreich erwartet wird". Die ORF-Prüfung, die laut Wrabetz vor allem die Skepsis am derzeitigen Finanzierungssystem ausräumen wird, gilt als Voraussetzung für die ORF-Gesetzesnovelle.

Wie die ORF-Enquete im Parlament kürzlich gezeigt habe, sei vor allem die Frage nach der Refundierung der Gebührenbefreiungen noch offen. Um die Notwendigkeit nach der Refundierung zu unterstreichen, rechnete Wrabetz vor, dass dem ORF seit der letzten Änderung des ORF-Gesetzes 2001 und den darin enthaltenen Einschnitten kumuliert rund 700 Mio. Euro entgangen seien. Allein die nicht erfolgte Refundierung der Gebührenbefreiungen habe den Sender knapp 420 Mio. Euro gekostet, durch Werbebeschränkungen kamen weitere 250 Mio. Euro dazu.

Weitere finanzielle Einschnitte prognostiziert

In Zukunft müsse der ORF aufgrund des zu erwartenden Anwachsens der Gebührenbefreiungen sowie durch die Abmeldung der ORF-Programme und dem damit verbundenen Verlust der Gis-Gebühren mit weiteren finanziellen Einschnitten rechnen. Durch die Abmeldung der ORF-Programme etwa bei Haushalten mit analogem Satellitenempfang könnten dem ORF im nächsten Jahr 5 Mio. Euro entgehen, der Anstieg von gebührenbefreiten Haushalten könnte knapp 68 Mio. Euro kosten.

Diese Einbußen sollen nicht zuletzt durch das Sparpaket aufgefangen werden. In Summe will Wrabetz 2010 81,2 Mio. Euro sparen, 22,5 Mio. Euro stammen aus dem in der Vorwoche beschlossenen Personalpaket, 30,3 Mio. Euro kommen aus dezentralen Maßnahmen und 28,3 Mio. aus Einsparungen beim Sachaufwand.

Der ORF-Publikumsrat hat mit Roman Hummel ein neues Mitglied begrüßt. Der Kommunikationswissenschafter von der Universität Salzburg ersetzt Erwin Steinhauer und ist für den Bereich Bildung zuständig. Eine Erleichterung gibt es künftig für Journalisten, die für die Publikumsratssitzung nicht mehr eigens auf den Küniglberg pilgern müssen. Die Plenardebatten werden ab Dezember online via Live-Stream übertragen. Georg Weißmann, Vorsitzender des Publikumsrats, erwartet sich so eine erhöhte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

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