Zoff auf der Wiesn!
Mega-Streit um Zeltvergabe am Oktoberfest: Wirt fordert europaweite Ausschreibung
27.04.2026Ein beispielloser Rechtsstreit erschüttert das Münchner Oktoberfest bis ins Mark. Wiesn-Wirt Alexander Egger greift das traditionsreiche Vergabesystem der Festzelte frontal an und fordert eine europaweite Ausschreibung – eine Nachricht, die Wirte und Wiesn-Fans in Unruhe versetzt.
Für hunderttausende Wiesn-Fans ist die bayerische Landeshauptstadt im Herbst Pflicht, doch nun sorgt ein juristisches Beben für massive Unsicherheit. Der Wirtschaftsausschuss der Stadt München tagt am Dienstag zum letzten Mal in seiner aktuellen Konstellation, um über die Zeltzulassungen zu entscheiden. Doch für die großen Zelte wie das Paulaner oder Schottenhamel gibt es vorerst keine finale Entscheidung. Die Regierung von Oberbayern hat nun bis Donnerstag, 21. Mai, Zeit, den Prüfantrag des Gastronoms Alexander Egger zu bewerten. Sollte der Antrag Erfolg haben, könnte das Oktoberfest, das am Samstag, 19. September, startet, vor logistischen Mammutaufgaben stehen.
Angriff auf das Monopol
Alexander Egger, der seit 2022 das kleinere Zelt "Münchner Stubn" betreibt, will in die absolute Oberklasse aufsteigen. Er argumentiert, dass Dienstleistungskonzessionen ab einem Wert von 5,4 Millionen Euro netto laut Gesetz europaweit ausgeschrieben werden müssen. Sein Ziel sind die Plätze von Traditions-Wirten wie der Familie Schottenhamel, die bereits seit 150 Jahren auf der Wiesn vertreten ist. Eggers Anwalt Benno Ziegler betont gegenüber der "Bild"-Zeitung, dass dies zu einem fairen Wettbewerb führen und alte Gewohnheitsrechte sowie die Monopolstellung der Brauereien aufbrechen würde.
Tradition in großer Gefahr
Die etablierten Wiesn-Wirte reagieren entsetzt auf den Vorstoß und warnen vor den Folgen für das Kulturgut. Ein Insider bezeichnet den Prüfantrag gegenüber der "Bild" als "größenwahnsinnigen Angriff", der den Charakter des Festes massiv gefährde. Die Befürchtung ist groß, dass bei einer europaweiten Öffnung der Charakter der Wiesn verloren geht, wenn sich Gastronomen aus ganz Europa mit beliebigem Bier bewerben dürfen. Christian Schottenhamel hofft derweilen, dass seine Familie nach über einem Jahrhundert nicht einfach vom Platz gekickt wird.
Wettlauf gegen die Zeit
Die zeitliche Komponente verschärft die Lage für die Verantwortlichen zusätzlich. Hinter dem Oktoberfest steckt eine gigantische Logistik bei Aufbau, Personal- und Warenbeschaffung, die nun durch die juristische Hängepartie bedroht ist. Egger kündigte bereits an, notfalls in die nächste Instanz zu gehen, was die Unsicherheit bei Stadt, Wirten und Gästen weiter befeuert. Viele Reservierungsanfragen hängen aktuell in der Schwebe, da bis zum Ende der Prüfung im Mai niemand sicher sagen kann, wer im September tatsächlich am Zapfhahn stehen darf.