Europas Industrie kommt kräftig in Schwung

01.04.2010

Die Euro-Schwäche hat der Industrie der Euro-Zone im März zum stärksten Wachstum seit November 2006 verholfen. Die Firmen weiteten ihre Geschäftstätigkeit damit bereits den 6. Monat in Folge aus, wie die Markit-Experten am Donnerstag zu ihrer Umfrage unter 3.000 Firmen mitteilten.

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"Die Eurozone-Industrie wurde im März von einem regelrechten Boom erfasst", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Allerdings klafften die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern auch so weit auseinander wie nie zuvor in der Geschichte der Umfrage. Vor allem das unter einer Schuldenkrise leidende Griechenland rutscht tiefer in die Rezession ab.

In Deutschland, Frankreich und Italien laufen die Geschäfte dagegen immer besser, und auch Spaniens Industrie vermeldet wieder Zuwächse. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Eurozone gewann 2,4 Zähler auf 56,6 Punkte und lag damit sogar noch höher als in einer Schätzung angenommen. Produktion und Auftragseingang stiegen bereits den 8. Monat. Das Neugeschäft legte sogar so stark zu wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Dabei spielte die jüngste Euro-Schwäche eine wichtige Rolle: Dadurch werden europäische Produkte in anderen Währungsgebieten günstiger. Dazu kommen der anhaltende Lageraufbau, die Einführung neuer Produkte und die generelle Marktbelebung. Die Quote aus Auftragseingang und Fertigwarenlager notiere nur knapp unter ihrem Höchstwert, schrieben die Experten, "was darauf hindeutet, dass die Firmen ihre Produktion in den nächsten Monaten weiter steigern müssen, um die vollen Auftragsbücher abzuarbeiten".

Der Stellenabbau setzte sich angesichts der besseren Geschäftslage mit geringerer Geschwindigkeit fort. Bereits den 22. Monat in Folge wurden Stellen gestrichen, wenngleich so wenige wie seit August 2008 nicht mehr und auch weniger als in einer ersten Schätzung angenommen. In den Niederlanden wurden sogar vereinzelt wieder neue Arbeitsplätze geschaffen.

Allerdings kommen wegen der Euro-Schwäche die Gewinnmargen der Firmen unter Druck: Chemikalien, Elektronikkomponenten, Metalle, Öl, Papier oder Kunststoff waren deutlich teurer als im Vormonat. Weil die Kapazitäten immer noch nicht ausgelastet sind, können die Firmen diese Kosten nicht in vollem Umfang an die Kunden weiterreichen, die Verkaufspreise bewegten sich kaum.

Griechenlands Industrie bekommt Sparprogramm zu spüren

Die Nachfrage vor allem aus dem Inland gab im März deutlich nach, was die Produktion dämpft. "Die Geschäftsbedingungen scheinen sich immer weiter zu verschlechtern", sagte Markit-Expertin Gemma Wallace.

Angesichts der massiven Schwierigkeiten, in denen das Land stecke, sei nicht mit einem schnellen Anziehen der Inlandsnachfrage zu rechnen. "Wahrscheinlicher ist eine exportgetriebene Erholung, vor allem, wenn die Firmen daran arbeiten, ihre Wettbewerbsschwäche zu überwinden."

Der Einkaufsmanagerindex sank auf 42,9 Punkte von 44,2 Zählern im Februar und erreichte damit den tiefsten Stand seit 11 Monaten. Das Barometer liegt zudem deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Firmen machten die staatlichen Sparmaßnahmen wie etwa eine höhere Mehrwertsteuer für die Eintrübung ihrer Geschäftsbedingungen verantwortlich. Im Ausland sammelten sie weniger Bestellungen ein als im Vormonat. Als Reaktion darauf bauten die Firmen weiter Stellen ab - der Beschäftigungsabbau hält nunmehr seit zwei Jahren an.

Griechenland kämpft gegen die Überschuldung und will heuer allein sein Haushaltsdefizit um 4 Prozentpunkte reduzieren. Das belastet aber die Konjunktur: Die Notenbank in Athen geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung 2010 erneut um 2 % sinkt.

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