Schonfrist vorbei

Investor sitzt neuem Nestle-Chef im Nacken

26.06.2017

Ein halbes Jahr nach Amtsantritt ist die Schonfrist für den neuen Nestle-Chef Mark Schneider abgelaufen.

Zur Vollversion des Artikels
© Nestle
Zur Vollversion des Artikels

Der für seinen rauen Umgangston bekannte milliardenschwere Hedge-Fonds-Manager Daniel Loeb will nach seinen Einstieg den weltgrößten Nahrungsmittelkonzern auch mit Hilfe eines Konzernumbaus auf Rendite trimmen.

Zudem fordert Loeb Aktienrückkäufe und einen Verkauf der Beteiligung am Kosmetikkonzern L ́Oreal, wie seine Investment-Firma Third Point in einem Brief an Investoren erklärte. Es ist der bisher prominenteste Vorstoß eines aggressiven Investors bei Nestle - überraschend kommt er jedoch nicht: In den USA haben solche Aktionäre mit ihren Forderungen nach höheren Gewinnen und Firmenumbauten bereits in den vergangenen Jahren die Nahrungsmittelbranche umgepflügt.

Im Visier hatten sie unter anderen Kraft Foods und Pepsi. Und in Europa hatte jüngst die geplatzten Megaübernahme des Konsumgüter-Konzerns Unilever durch Kraft Heinz die Gemüter erhitzt. An der Börse sorgte der Einstieg von Third Point bei Nestle für entsprechend rege Phantasie: Die Nestle-Aktie legte vier Prozent zu.

Für seinen Anteil von mehr als einem Prozent an dem für Marken wie Maggi, Nespresso oder KitKat bekannten Konzern legte Loeb nach eigenen Angaben über 3,5 Mrd. Dollar (3,1 Mrd. Euro) auf den Tisch. Es habe bereits produktive Gespräche mit dem Nestle-Management gegeben, die Third Point als "engagierter und langfristiger Investor" weiterführen will, wie es in dem Schreiben heißt.

In der europäischen Unternehmenswelt ist Daniel Loeb noch wenig bekannt. Er hatte sich vor allem mit seinem Engagement bei japanischen Firmen wie Sony, dem Roboter-Hersteller Fanuc und dem Einzelhändler Seven & iHoldings einen Namen gemacht. Dort forderte er mitunter eine Abspaltung von Geschäftsteilen, höhere Ausschüttungen an die Aktionäre und warf so manchem Manager Unfähigkeit vor. Das Magazin Vanity Fair schrieb in einem Porträt vor einigen Jahren, Loeb schrecke nicht vor "gehässigen, persönlichen Attacken" auf Firmenchefs und Kollegen zurück, um seinen Willen durchzusetzen.

Der Kontrast zum neuen Nestle-Chef Schneider könnte damit nicht stärker sein: Der Deutsch-Amerikaner tritt bedacht und mit leisen Tönen auf. Entsprechend gelassen fiel auch die Reaktion von Nestle auf den Vorstoß Loebs aus: "Wie üblich führen wir einen offenen Dialog mit allen unseren Aktionären", erklärte ein Sprecher. Der Konzern wolle an der bestehenden Strategie festhalten und langfristig Wert für die Aktionäre schaffen.

Konkret fordert Third Point von Nestle bis 2020 eine operative Rendite von 18 bis 20 Prozent - nachdem die Firma zuletzt auf 15,3 Prozent kam. Zudem solle sich der Konzern mindestens doppelt so hoch verschulden wie bisher und mit dem Geld dann Aktien zurückkaufen. Darüber hinaus dringt Loeb auf den Verkauf von nicht strategischen Geschäftsfeldern und eine Veräußerung des über 25 Mrd. Dollar schweren Anteils an L ́Oreal.

In den Ohren der Nestle-Investoren dürften diese Forderungen nicht ganz neu klingen: Schneider selbst hatte bereits angekündigt, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und den Konzern bis zum Ende des Jahrzehnts wieder zu alten Wachstumsraten zurückzuführen. "Wir sind überzeugt, dass Mark Schneider mit Nestle hochgesteckte Ziele verfolgt, darunter auch einige, wenn nicht sogar alle von Third Point vorgeschlagenen Maßnahmen", erklärten die Experten der Bank Vontobel.

Ob Loeb noch andere Nestle-Investoren hinter sich scharen kann, ist offen: Die Aktien des Konzerns sind breit gestreut; nur wenige Investoren besitzen laut Reuters-Daten mehr als ein Prozent. Fondsmanager halten die Renditeforderungen des streitbaren US-Investors Daniel Loeb für überzogen und fürchten, dass darunter das langfristige Wachstum leiden könnte. Das ist ein Dämpfer für Hedge-Fonds-Manager Loeb, der sich über Third Point für 3,5 Milliarden Dollar einen Anteil von gut einem Prozent an Nestle gesichert hatte. In einem Schreiben an Investoren hatte er einen rascheren Umbau des Konzerns mit Marken wie Nespresso, Maggi oder KitKat gefordert, der zuletzt seinen langjährigen Wachstumszielen hinterherhinkte.

 

Zur Vollversion des Artikels