Ist die Wirtschaftrskrise jetzt vorbei?

29.01.2010

Die heimische Industrie freut sich über Wirtschaftserholung. Was Top-Unternehmer zum "Ende der Krise“ sagen. Was man jetzt machen muss.

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Derzeit beschäftigen sich die klügsten Köpfe der Welt vor allem mit zwei Fragen: Ist die große Wirtschaftskrise endlich vorbei? Geht es nun wieder aufwärts?

Egal, ob US-Präsident Ba­rack Obama in Washington, die weltweite Wirtschafts-Elite in Davos oder sämtliche EU-Regierungen – sie alle grübeln, ob man sich nun freuen darf oder weiter zittern muss.

Top-Unternehmer sind vorsichtig optimistisch

In der österreichischen Industrie gibt man sich seit Freitag wieder erwartungsfroh: Die Industriekonjunktur habe sich stabilisiert, sagt Industriellenvereinigungs-Generalsekretär Markus Beyrer. Auch IHS-Chef Bernhard Felderer meint: "Die Auftragseingänge sind angestiegen“.

- IHS und Wifo rechnen damit, dass die Wirtschaft ab dem dritten Quartal wieder um 1,5 % wachsen wird.

- Der Welthandel wird um 7 % expanieren, die Weltwirtschaft wächst real um 3 %, 2011 um 3,5 %.

- Auch der private Konsum steigt um 0,7 %.

Politik bemüht sich um positive Stimmung.

Ein ÖSTERREICH-Rundruf unter heimischen Unternehmern zeigt vorsichtigen Optimismus. Wüstenrot-Chefin Susanne Riess-Passer etwa erklärt, dass „es zwar noch zu früh“ sei, "Entwarnung zu geben, aber die österreichische Wirtschaft hat gelernt“.

Gemeint sind damit vor allem jene Banken, die in den vergangenen Jahren teilweise in hoch-spekulativen Geschäften Geld verloren hatten und von den Regierungen aufgefangen werden mussten. Zwar wurde Österreich von der größten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren nicht so stark getroffen wie die USA oder Deutschland, doch die Arbeitnehmer bleiben zunehmend vorsichtig: In einer aktuellen Market-Umfrage (siehe Grafik) glauben nur 27 % an einen Aufschwung.

Kampf gegen Finanz-Spekulationen & Gier Ängste, die unsere Politiker kennen:

Daher fordert SP-Bundeskanzler Werner Faymann eben eine Bankensteuer, selbst VP-Vizekanzler Josef Pröll ist mittlerweile für eine internationale Finanztransaktionssteuer. Und so gut wie alle heimischen Manager sind sich einig: Die Fehler der Vergangenheit dürfe man keinesfalls wiederholen. „Den grenzenlosen Finanzjongleuren muss man das Handwerk legen, meint Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer. Gute Nachrichten kommen aus den USA: Dort wächst die Wirtschaft stärker als angenommen, im letzten Quartal 2009 um 2,4 %. Aber, warnt Attila Dogudan: "Man darf nicht in die alte Gier verfallen. Sonst kommt die Krise wieder zurück.“

Umfrage: Drittel sieht sich als Opfer

Je länger die Wirtschaftskrise dauert, desto stärker nimmt nun laut neuer Umfrage die Skepsis zu. 35 % sehen sich als Opfer der Krise.

Die Österreicher sind, was die Wirtschaftsentwicklung betrifft, gebremst optimistisch – zeigt eine gestern veröffentlichte Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts market:

- 27 % der Befragten erwarten, dass es 2010 mit der österreichischen Wirtschaft aufwärtsgeht. Zum Vergleich: Im Dezember des Vorjahres waren es noch 35 %, im November sogar noch 41 %. Besonders dramatisch: Junge bis 30 Jahre sind hier mit nur 17 % vertreten und damit noch pessimistischer.

- Die Mehrheit – exakt 58 Prozent – geht davon aus, dass es zumindest nicht schlechter wird. Im Dezember 2009 waren es 48 %, im November 2009 36 %.

- Aktuell fürchtet nur jeder Zehnte (exakt 9 %) einen Abwärtstrend. Im Vergleich dazu waren im Dezember noch 13 % dieser Meinung, im November gar noch 19 %.

61 % ohne Auswirkung

Vor allem Selbstständige und Landwirte teilen die pessimistische Auffassung. Sie sind es auch, die die persönlichen Auswirkungen der Krise am deutlichsten spüren, ergibt die market-Befragung. 35 % der Bevölkerung sehen bei sich selbst eine Verschlechterung aufgrund der Wirtschaftskrise.

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