RWE-Pläne für AKW in Bulgarien auf der Kippe

07.08.2009

Die Pläne des Energiekonzerns RWE zum Bau eines Atomkraftwerks in Bulgarien stehen auf der Kippe. Es mehren sich die Zeichen, dass das umstrittene Milliardenprojekt scheitern könnte. RWE erklärte zwar, mit dem staatlichen bulgarischen Versorger NEK weiter die Möglichkeiten für das AKW-Projekt Belene auszuloten, verwies aber auf weiter offene Fragen, darunter die der Finanzierung.

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Die neue bulgarische Regierung hat das Projekt wegen der hohen Kosten unter Vorbehalt gestellt. "Jede Entscheidung der bulgarischen Regierung zu Belene wird RWE selbstverständlich respektieren", teilte der Versorger mit. "Ein Scheitern des Projekts ist möglich", verlautete aus Kreisen des Unternehmens. Sollte sich die Regierung gegen das Projekt aussprechen, sei dies erledigt, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen. Der Staat hält 51 Prozent an der Projektgesellschaft, RWE 49 Prozent. Die "Financial Times Deutschland" berichtete unter Berufung auf Branchenkreise, die bulgarische Regierung werde voraussichtlich in der kommenden Woche das Ende des Vorhabens verkünden. Von der Regierung in Sofia war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Kosten auf 4 bis 6 Mrd. Euro geschätzt

RWE war im vergangenen Jahr in die Projektgesellschaft eingestiegen. Die frühere bulgarische Regierung hatte die Kosten für die beiden Meiler mit einer Leistung von 2.000 Megawatt auf 4 Mrd. Euro geschätzt, Analysten zufolge könnte sich die Summe aber auf über 6 Mrd. Euro belaufen.

RWE hat für seinen Anteil einen Partner gesucht, um die eigenen Kosten in Grenzen zu halten. Die Suche sei aber bisher erfolglos geblieben, verlautete aus Konzern-Kreisen. Bei einem Aus müsste RWE das bisher in das Projekt geflossene Geld abschreiben. "Dabei handelt es sich eher um einen zweistelligen als um einen dreistelligen Millionenbetrag", sagte eine mit der Situation vertraute Person.

Konzern-Chef Jürgen Großmann treibt den Bau von Atomkraftwerken im Ausland voran. Mit seinen Plänen in Bulgarien war er auch im Aufsichtsrat auf Kritik gestoßen. Umweltschützer hatten mehrfach gegen den Bau protestiert, da dieser in einem erdbebengefährdetem Gebiet liege. Auf weniger Kritik stoßen hingegen Großmanns Pläne für den Reaktor-Bau in Großbritannien. RWE will hier mit E.ON Atomkraftwerke errichten.

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