Covid-Zusammenhang weniger deutlich

Auch 2021 deutliche Übersterblichkeit registriert

28.01.2022

Auch im zweiten Pandemiejahr 2021 ist eine deutliche Übersterblichkeit in Österreich registriert worden. 

Zur Vollversion des Artikels
© Getty
Zur Vollversion des Artikels

Das hat das Mortalitätsmonitoring der Landesstatistik Wien ergeben, die sich auch mit der bundesweiten Entwicklung beschäftigt hat. Die entsprechenden Zahlen wurden am Freitag veröffentlicht. Die Übersterblichkeit lag zum zweiten Mal in Folge bei knapp neun Prozent.

   Die regionalen Unterschiede sind relativ gering, wie der Leiter der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik ( MA 23), Peter Wieser, und Landesstatistiker Ramon Bauer in einem Pressegespräch erläuterten. Außer dem Burgenland, das bei knapp fünf Prozent liegt, wiesen alle anderen Bundesländer Werte um den bundesweiten Durchschnitt (8,8 Prozent) auf. Am deutlichsten ausgeprägt ist die Entwicklung in der Steiermark, wo mehr als zehn Prozent erhöhte Sterblichkeit registriert wurden. Wien liegt bei 9,2 Prozent.

   Insgesamt starben bundesweit etwa 15.000 Menschen mehr als erwartet. Allerdings wurde heuer anders als 2020 eine zunehmende Differenz zu den offiziell gemeldeten Covid-Sterbefällen registriert. Konkret konnten 2020 insgesamt 75 Prozent der statistischen Übersterblichkeit durch die registrierten Covid-Toten erklärt werden. 2021 lag der Wert bundesweit nur mehr bei 45 Prozent.

   Laut Wiener Landesstatistik könnte dies verschiedene Ursachen haben. So könnte etwa bei mehr Todesfällen der Zusammenhang mit Corona nicht bekannt gewesen sein, zum Beispiel weil geimpfte Personen weniger oft getestet wurden. Möglich ist demnach auch, dass die Behandlung von Betroffenen mit anderen Krankheiten durch die völlig veränderte Situation im Gesundheitssystem nicht in derselben Form erfolgte wie früher - oder dass weniger Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt wurden.

   Die genauere Analyse der Todesarten für das Jahr 2021 wird erst im Laufe des Jahres vorliegen. Für 2020 wurde diese heute hingegen präsentiert. Und sie brachte laut den Wiener Datenexperten einige überraschende Ergebnisse. So sind 2020 auch mehr Menschen als üblich an einem Versagen des Herz-Kreislauf-Systems gestorben. Auch Krebs, Stoffwechsel- und Urogenitalerkrankungen führten zu mehr Todesfällen.

   Zum Teil deutliche Rückgänge gab es hingegen bei Krankheiten des Atmungssystems, wobei hier ebenfalls die ausgefallene Grippewelle mitverantwortlich sein dürfte. Auch die Mortalität bei Krankheiten des Nervensystems und bei psychischen Krankheiten war reduziert.

   Die an Corona verstorbenen Menschen waren in Wien übrigens zu einem höheren Anteil (5 Prozentpunkte höher, Anm.) männlich - und vor allem älter. 92 Prozent der infizierten Personen, die 2020 starben, waren mindestens 64 Jahre alt. Überdurchschnittlich oft waren sie im Ausland geboren. Zuwanderer waren somit von der Sterblichkeit durch die Pandemie mehr betroffen.

   Dass trotz Impfung die Übersterblichkeit im Vorjahr nicht zurückgegangen ist, liegt laut den vorliegenden Daten an mehreren Faktoren. Zum einen wurde 2020 nur eine größere Welle im Herbst registriert. Dies hat sich laut Wiener Landesstatistik 2021 geändert. Im Vorjahr wurden solche nämlich im Frühjahr und im Herbst verzeichnet.

   Jene im Herbst ist besonders stark ausgefallen, womit es auch trotz Impfschutz zu einem Anstieg gekommen sein dürfte. Und schon ab dem Sommer seien hohe Sterbezahlen verzeichnet worden, hieß es. Im vergangenen Winter gab es übrigens sogar eine kurze Untersterblichkeit. "Wir erklären das damit, dass die Grippewelle eigentlich in ganz Europa ausgefallen ist", erläuterte Landesstatistiker Bauer. Die Modellrechnung hätte hier eine höhere Sterblichkeit erwartet.

   Abgesehen vom Virusgeschehen hat sich die Wiener Landesstatistik auch wieder der generellen Bevölkerungsentwicklung in der Bundeshauptstadt gewidmet. Konstatiert wurde dabei ein Bevölkerungszuwachs um 13.900 Menschen. Aktuell leben etwa 1,935.000 Personen in der Stadt. Das Wachstum betrug somit 0,7 Prozent, was deutlich unter dem Schnitt von 2011 bis 2020 (1,2 Prozent) liegt. Verantwortlich für das Plus ist vor allem Neuzuwanderung.

   Doch auch die Zahl der Geburten ist leicht angestiegen - auf 19.400. Ein Geburtenrückgang sei in der Pandemie nicht verzeichnet worden, wurde betont. In Sachen Bezirke sind vor allem Liesing, die Donaustadt und Floridsdorf gewachsen. Dafür, dass es dort nun mehr Einwohner gibt, wird vor allem die rege Bautätigkeit in diesen Flächenbezirken verantwortlich gemacht.
 

Zur Vollversion des Artikels