Coronavirus

Die geheimen Chat-Protokolle zur Causa Ischgl

09.10.2020

Die Diskussionen über die rechtliche Verantwortung des Corona-Ausbruchs in Ischgl ist immer noch in vollem Gange. Nun liegen geheime Chat-Protokolle zur Causa vor.

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Ischgl. Der Tiroler Wintersportort Ischgl kommt auch über ein halbes Jahr nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie nicht zur Ruhe. Die Frage, wer zu welchem Zeitpunkt über das Ausmaß der Virusverbreitung informiert gewesen sein soll, treiben Medien und Politik nach wie vor um. Nun sorgt ein neuer Bericht für weiteren Zündstoff. Darin werden die WhatsApp-Protokolle der Verantwortlichen zitiert, die bereits beschlagnahmt worden sind.

Die Plattform "Semiosis.at" liefert die Einblicke in die geheimen Chats. Darin sind neben kurzfristig abgesprochenen Terminabsprachen auch noch Links von Medienberichten zu finden. Das Image von Ischgl in der Öffentlichkeit scheint auch während einer Gesundheitskrise äußerst wichtig zu sein. Besonders ein kritischer oe24-Bericht stößt den Verantwortlichen sauer aus. Als erstes österreichisches Medium berichtete oe24.at wahrheitsgemäß über isländische Urlauber, die infiziert aus Ischgl zurückkamen. Einer der Teilnehmer bezeichnet diesen Fakt gar als "Falschmeldung".

Zudem werden auch immer wieder Hintergrundgespräche mit "HLH" erwähnt. Laut Plattform soll es sich dabei um den "Herrn Landeshauptmann" Günther Platter (ÖVP) handeln. Die damalige offizielle Stellungnahme der Tiroler Landesregierung lautete "Coronavirus: Isländische Gäste im Tiroler Oberland dürften sich bei Rückflug im Flugzeug mit Coronavirus angesteckt haben." Von Ischgl war davon nicht die Rede. Die betroffenen Touristen waren auch nicht zusammen in einem Flieger, sondern in zwei verschiedenen und an unterschiedlichen Tagen. Dabei wurden die Tiroler Behörden bereits über 14 Corona-Fälle aus Ischgl über München informiert. Über ein europäisches Meldesystem wurde das österreichische Sozialministerium von den isländischen Kollegen benachrichtigt. Von Wien aus wurde anschließend auch das Land Tirol darüber in Kenntnis gesetzt.

Kurz darauf wurde eine Presseaussendung veröffentlicht, in der davon gesprochen wurde, dass die Ansteckung vermutlich im Flugzeug erfolgt sei - obwohl die Gäste in zwei Flugzeugen waren. Landecks Bezirkshauptmann Markus Maaß schrieb laut den Berichten in einem Mail an Landesamtsdirektor Herbert Forster: "Damit hätten wir Ischgl vorerst aus dem Schussfeld".

Land weißt Vorwürfe zurück

Das Land wies am Freitag gegenüber der APA die erhobenen Vorwürfe erneut zurück. Hinsichtlich der Ansteckung im Flugzeug hieß es, dass die damalige Einschätzung gewesen sei, "dass die Infektionen aufgrund von vorliegenden Informationen aus Island und vorgegebenen Falldefinitionen auch im Flugzeug erfolgt sein könnten". Die isländischen Gäste hätten in einem Mail an den Bezirkshauptmann zudem davon berichtet, dass eine Infektion im Flugzeug passiert sein könnte.
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