Studie zeigt:

Krebspatienten leiden öfter an Long-Covid

21.09.2021

Die Häufigkeit des Auftretens von Long-Covid-Symptomen beträgt bei Tumorpatienten etwa 15 Prozent und ist dabei etwa um die Hälfte häufiger als bei anderen Covid-19-Betroffenen.

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"Mit einer Prävalenz (Häufigkeit; Anm.) von 15 Prozent sind das post-akute oder auch das Long-Covid-Syndrom bei Krebspatienten vergleichsweise häufig", erläuterte laut dem Deutschen Ärzteblatt Alessio Cortellini von der Universität l'Aquila in Italien bei einer virtuellen Pressekonferenz zu dem Kongress, der offiziell in Paris stattfindet (16. bis 21. September).

Sterberisiko steigt

"Krebspatienten mit post-akuten Covid-19-Symptomen wiederum haben ein um 76 Prozent erhöhtes Mortalitätsrisiko", sagte der Onkologe. Das zeige sich auch, wenn man alle relevanten Einflussfaktoren wie Alter, zusätzliche Erkrankungen und die Krebserkrankung selbst in der Auswertung berücksichtige. Ein weiterer Risikofaktor für eine erhöhte Sterblichkeit sei eine längere Unterbrechung einer medikamentösen Krebstherapie.

Völlig ausgesetzt werden sollte eine Krebstherapie bei Patienten mit Covid-19 keinesfalls. Erfolgt das wegen einer Verschlechterung, erhöhe sich das Risiko zu sterben um den Faktor 3,5, sagte Cortellini. Eine Anpassung der Medikation hingegen sei nicht mit erhöhter Sterblichkeit assoziiert. "Ziel der Onkologie sollte sein, Tumorpatienten mit deutlich erhöhtem Risiko durch Covid-19 frühzeitig zu erkennen und die Krebsbehandlung so anzupassen, dass ein komplettes Aussetzen der Therapie nicht erforderlich ist."

Schwerere Verläufe bei bösartigen Tumorerkrankungen

Patienten mit bösartigen Erkrankungen gelten generell als Risikopatienten für Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus, da schwere Verläufe bei ihnen häufiger sind. In der allgemeinen Bevölkerung wird der Anteil der Long-Covid-Betroffenen nach einer SARS-CoV-2-Infektion laut Zahlen aus dem British Medical Journal auf etwa zehn Prozent geschätzt. Das gilt für Symptome, die länger als vier Wochen nach Krankheitsbeginn bestehen. Symptome, die länger als zwölf Wochen andauern oder erst dann auftreten, werden als "Post-Covid-Syndrom" bezeichnet.

An der OnCOVID-Studie, die vom Imperial College in London finanziert wird, beteiligen sich derzeit 35 medizinische Einrichtungen aus sechs europäischen Staaten. Die bei der ESMO-Tagung vorgestellten Daten stammen aus dem Zeitraum zwischen Februar 2020 und Februar 2021 und umfassen derzeit 2.795 Krebspatienten mit Covid-19, wie die deutsche Ärztezeitschrift am Dienstag berichtete.

Bei 1.557 der Patienten, die Covid-19 überlebt hatten, konnten potenzielle Langzeitfolgen nach Genesung erhoben werden. Der Status wurde durchschnittlich 128 Tage nach Genesung erfasst. 234 Patienten (15 Prozent) hatten danach mindestens noch ein Symptom, zu 49,6 Prozent Probleme mit den Atemwegen, zu 41 Prozent anhaltende Müdigkeit. Gewichtsverlust wurde bei 5,5 Prozent registriert. Neurologische bzw. kognitive Probleme gab es bei 7,3 Prozent.

Von 473 Patienten mit medikamentöser Krebstherapie wurde diese bei 14,8 Prozent dauerhaft abgesetzt und bei 37,8 Prozent erfolgte eine Dosisanpassung. "Bei dauerhaftem Absetzen fielen die Überlebensraten rasch ab, bei Anpassungen der Dosierungen oder der Substanzen dagegen verlief die Überlebenskurve vergleichbar mit der von Patienten ohne Anpassungen der systemischen Therapie", schrieb das Deutsche Ärzteblatt.

"Bei der Behandlung von Tumorpatienten mit Covid-19 ist es wesentlich, die Krebstherapie nicht komplett zu unterbrechen, aber auch Covid-19 frühzeitig so effektiv zu therapieren, dass Langzeitfolgen vermieden werden. Denn diese erhöhen die Sterblichkeit der Krebspatienten", so Cortellini. 

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