Empfehlenswert oder Mogelpackung?

FIFA 21 im großen oe24.at-Test

08.10.2020

Wir haben den neuesten Teil der beliebten Fußballsimulation vorab getestet.

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© EA Sports
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Normalerweise fällt beim Start des neusten Teils der FIFA-Reihe für Fans Weihnachten, Ostern und der Geburtstag zusammen. An diesem Freitag (9. Oktober) ist es wieder soweit. Dann kommt FIFA 21  offiziell in den Handel. Ganz so groß wie in den Vorjahren dürfte der Jubel in diesem Jahr aber nicht ausfallen. Denn die Neuerungen im Vergleich zu FIFA 20  halten sich in Grenzen. Das liegt vor allem an der Coronavirus-Krise, die auch die Spieleentwickler ordentlich gebeutelt hat. Deshalb muss man vor EA Sports jedenfalls den Hut ziehen. Sie haben zumindest einen neuen Teil auf die Reihe gebracht. Viele Blockbuster-Spiele wurden ins nächste Jahr verschoben.

"FIFA 20 2.0"

Doch in unserem Test zeigte sich schnell, dass es sich bei FIFA 21 eher um ein Update von FIFA 20 handelt. Eigentlich müsste das Spiel eher „FIFA 20 2.0“ heißen. Insgesamt ist die Fußball-Simulation aber wieder hervorragend gemacht und macht auch jede Menge Laune. Für gute Unterhaltung sorgen vor allem Detailverbesserungen, Neuerungen beim Gameplay und ein aufgewerteter Karrieremodus. Echte Innovationen, wie etwa das Comeback des Straßenfußballs im Vorjahr (VOLTA-Modus), oder andere Überraschungen sucht man jedoch vergeblich.

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Gameplay

Wir haben FIFA 21 auf einer PlayStation 4 Pro getestet. Die Grafik ist wieder bombastisch, bietet aber keine sichtbaren Verbesserungen zu FIFA 20. Beim Gameplay selbst fallen dann aber doch einige Unterschiede auf. So muss man bei der Abwehrarbeit nun deutlich mehr selbst erledigen. Bisher wurde ein Großteil der Verteidigung von der KI (Künstlichen Intelligenz) übernommen. Doch damit ist bei FIFA 21 Schluss. Fehler wie ein verpatztes Tackling oder eine Grätsche ins Leere werden sofort mit einem Gegentor bestraft.

Und auch beim Spielaufbau und beim Angriff gibt es eine Neuerung, die das Spielgeschehen stark beeinflusst. So kann man nun mit dem rechtem Analogstick bestimmen, in welche Richtung der Passempfänger, den man vorher auf Knopfdruck losgeschickt hat, laufen soll. Hier sorgte die KI bisher (zu) oft dafür, dass die Mitspieler falsch abgebogen sind, und der Angriff ins Leere ging. Doch da man die Laufrichtung vor dem Passen nun selbst festlegen kann, finden die Bälle auch den gewünschten Abnehmer. Sofern man überhaupt dafür Zeit findet. Denn im schnellen Spielgeschehen vergisst man auf diese neue Funktion häufig. Das dürfte sich mit der Zeit jedoch ändern.

Weitere augenscheinliche Gameplay-Neuerungen sind verbesserte Dribblings und die Entschärfung von Flachschüssen ins kurze Eck. Zudem wurden die Flanken ordentlich aufgewertet und sind somit endlich wieder ein brauchbares Mittel, um zum gewünschten Abschluss zu kommen. Insgesamt macht FIFA 21 dank den kleinen aber feinen Neuerungen noch etwas mehr Spaß als FIFA 20.

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VOLTA

Die Einführung des VOLTA-Modus war für viele FIFA-Fans das Highlight von FIFA 20. Auch bei FIFA 21 sorgen die Ausflüge in den Straßenfußball  für launige Abwechslung zwischen den 11-gegen-11-Partien. Neu ist, dass man jetzt im Koop ein Team mit bis zu vier Freunden aufstellen kann. So ist es möglich, sich online in einem 5-gegen-5-Straßenkick zu messen. Das stellt eine deutliche Aufwertung für Multiplayer dar. Im Gegensatz dazu, gibt es für Singleplayer aber eine schlechte Nachricht. Zwar gibt es auch bei FIFA 21 eine Story-Kampagne mit dem Namen „Das Debüt“, diese fällt jedoch ziemlich kurz und unspektakulär aus. Im Vorjahr war sie noch deutlich umfangreicher. Die massive Reduktion können nicht einmal die zahlreichen Gastauftritte von Thierry Henry und Kaka kaschieren.

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Karriere

An der Überarbeitung des Karriere-Modus‘ hatten die Entwickler offenbar deutlich mehr Spaß. Eine Revolution ist zwar auch hier nicht zu vermelden, dennoch gibt es Neuerungen, die vielen Fans gefallen werden. Allen voran die Live-Matchsimulation via Radar. Hier dürften sich einige an den legendären „Fußball Manager“ zurück erinnern. Konkret ermöglicht diese Simulation, dass man nicht unbedingt am gesamten Spiel teilnehmen muss. Man kann sich quasi per Knopfdruck in Echtzeit und ohne Ladezeiten in gewünschte Szenen reinbeamen. Pfeift der Schiri, während man das Geschehen gemütlich aus der Vogelperspektive verfolgt, einen  Elfmeter, reicht ein Klick, um selbst einzugreifen. Zudem ermöglicht die Live-Matchsimulation, dass man jederzeit Spieler auswechseln oder die Taktik verändern kann, sofern man selbst eingreifen möchte. Außerdem ist es möglich, dass man beispielsweise in der ersten Halbzeit das Heft selbst in die Hand nimmt und die zweiten 45 Minuten komplett dem System überlässt.

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Weiters hat man im Karrieremodus nun mehr Einfluss auf die Weiterentwicklung der Spieler. Als Coach kann man etwa individuelle Trainingspläne erstellen. Bei jungen Spielern ist es zudem möglich, die passende Spielposition für sie zu finden. Dank Positionswechsel sieht man sehr schnell, ob jemand tatsächlich als offensiver Mittelfeldspieler taugt, oder doch besser als Verteidiger zum Einsatz kommen sollte. Beim Scouting hängt die Qualität bzw. Sinnhaftigkeit der vorgeschlagenen Spieler stark davon ab, welchen Verein man gewählt hat. So werden einem bei Clubs, die nicht laufend Meister werden und über vollgefüllte Konten verfügen, häufig viel zu teure Spieler vorgeschlagen. Insgesamt hat uns der Karriere-Modus aber deutlich besser gefallen als bei FIFA 20.

Fazit

Da sich unser FIFA21-Test auf einige Stunden Spielzeit (diese dafür intensiv) beschränkte, kann man natürlich kein absolutes Fazit ziehen. Insgesamt hat uns der neue FIFA-Teil aber sehr gut gefallen. Viele Verbesserungen gibt es zwar nicht, einige davon sind jedoch sehr sinnvoll und wirklich gut gelungen. Das betrifft vor allem das Gameplay und den Karrieremodus. Mit FIFA 21 liefert EA Sports den Gamern ein tolles Gesamtpaket ohne Kinderkrankheiten. Die Grafik und die Stimmung in den Stadien sind einmal mehr bombastisch.

Unserer Meinung nach handelt es sich aber dennoch nur um ein Update von FIFA 20. Deshalb wäre es auch wünschenswert gewesen, dass das Spiel nicht zum gewohnten Vollpreis in den Handel kommt. Ob Spielern, die FIFA 20 besitzen, der neue Teil wirklich 70 Euro (Standard Edition) wert sind, muss jeder selbst entscheiden. Ein Wechsel von FIFA 19 zahlt sich auf alle Fälle aus.

Wie es kundenfreundlicher geht, zeigt Konami. Hier wird die neue Ausgabe der Pro-Evolution-Reihe (eFootball PES 2021) offiziell als Update von PES 2020 verkauft. Dieses fällt mit 30 Euro vergleichsweise günstig aus.

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