Konkurrenz für PS4?

Nintendo bringt Spiel-Figuren mit Funkchip

11.06.2014

Japaner zeigten auf der Spielemesse E3 auch neue Spiele für die Wii U.

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© AFP
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Während am ersten Tag der E3 vor allem Sony und Microsoft mit der PS4 und der Xbox One im Mittelpunkt standen (siehe auch unten), sorgte am zweiten Tag auch Nintendo für Aufsehen. Die Japner sind auf der Spielemesse in Los Angeles mit viel Humor und einer ganzen Reihe neuer Spieletitel in den Ring gestiegen. Mit Games wie "Mario Kart 8 ", dem neuen Rennspiel mit dem knubbeligen Installateur, "Spatoon" oder "Super Smash Bros." will das Unternehmen die andauernde Absatzschwäche bei seiner Konsole Wii U überwinden.

"Amiibos"
Absolutes Highlight der Pressekonferenz waren aber die neuen Spielfiguren "Amiibos", die mit einem Funkchip ausgestattet sind und als Ergänzung zu den Videospielen verkauft werden. Auch sie brachte Nintendo zum Branchentreffen nach Kalifornien mit. Die Figuren können mit dem Wii U Tablet-Controller Daten austauschen und so Einfuss auf den Spielverlauf nehmen. Sobald der jeweilige Amiibo via Near Field Communication (NFC) vom GamePad der Wii U erkannt wird, wird die jeweilige Figur in das Spiel geladen. Dann sollen sich die Fähigkeiten von Mario & Co. während des Gameplays stets weiterentwickeln. Ihr Debüt feiern sie gemeinsam mit dem Spiel "Super Smash Brothers", das noch in diesem Jahr in den Handel kommen wird. Auch "Mario Kart 8" soll das NFC-Feature unterstützen. Im Ankündigungstrailer werden erste Details über die genaue Funktionsweise verraten:

Ob die Spielfiguren den Wii-U-Verkäufen tatsächlich einen neuen Schub verpassen können, werden die nächsten Monate zeigen. Ein Ausrufezeichen hat Nintendo mit den Amiibos jedenfalls gesetzt. Die Konkurrenz sollte die Japaner also auf keinen Fall unterschätzen. Auch wenn Hardcore-Zocker von der Innovation nicht unbedingt begeistert sein werden. Für diese sind die Figuren aber auch nicht gedacht.

Preis der Wii U werde nicht gesenkt
Zuletzt litt Nintendo massiv unter dem schwachen Absatz der Wii U. Statt ursprünglich geplanter neun Millionen Geräte verkaufte Nintendo im vergangenen Geschäftsjahr knapp drei Millionen. Die Konsole ist rund ein Jahr länger auf dem Markt als die Playstation 4 und Xbox One. Pläne, den Preis der Konsole zu senken oder die Produktion einzustellen, gebe es aber nicht. Das Unternehmen wolle die Nutzer überzeugen, dass die Wii U eine echte Alternative zur Xbox One und Playstation 4 der Konkurrenz sei. Das müsse Nintendo aber in diesem Jahr noch beweisen, sagte Yve Guillemot, Chef des Spieleherstellers Ubisoft, laut Bloomberg.

Sony und Microsoft
Unterdessen setzten auch Sony und Microsoft zu ihren Messe-Auftritten in Kalifornien verstärkt auf neue Spiele. Vor rund einem halben Jahr hatten beide ihre neuen Konsolen auf den Markt gebracht und liefern sich nun ein Rennen um die Spitzenposition. Sony konnte sich bisher einen guten Vorsprung sichern. Sieben Millionen Geräte der Playstation 4 hat Sony verkauft, Microsofts Xbox One wurde fünf Millionen Mal an den Handel geliefert. Vergangene Woche habe die Playstation 4 in Deutschland im Verhältnis 20 zu 1 zur Xbox One abgeschnitten, sagte Uwe Bassendowski, Chef von Sony Computer Entertainment Deutschland.

Nun gilt es, auch entsprechende Spiele zu veröffentlichen, die die hochgerüsteten High-Tech-Geräte zu nutzen verstehen und neue Spielerlebnisse ermöglichen. Bei den exklusiv für eine der Konsolen erscheinenden Spiele hat derzeit Sony die Nase vorn. Sie sind wichtig, um die Spieler von der jeweiligen Hardware zu überzeugen. Viele der angekündigten Titel für Xbox One und Playstation 4 kommen allerdings erst im Laufe des kommenden Jahres auf den Markt. Dass eine lange Wartezeit die Fans enttäuschen könnte, glaubt Bassendowski allerdings nicht. "Zu Weihnachten wird ja einiges geboten", sagte der Deutschland-Chef. Auch zur Gamescom in Köln werde Sony noch einige Titel bekanntgeben.

Auch Microsoft konzentrierte sich in Los Angeles auf die Ankündigung neuer Spiele. Dabei hatte der Konzern vor allem die Gruppe der Hardcore-Gamer im Visier. Sie hatte Microsoft bei der Vorstellung der Xbox One zunächst vergrätzt. Das Gerät wurde als allgemeine Multimedia-Zentrale auch für Soziale Netzwerke und Filme beworben. Mit Titeln wie "Sledgehammer", "Call of Duty: Advanced Warfare" und einer "Master Chief Edition" zu "Halo" umgarnt Microsoft jetzt die wichtige Zielgruppe.

Zu neuen Multimedia-Fähigkeiten oder gar der Bewegungssteuerung Kinect verlor Microsoft dagegen kein Wort. Kinect sollte ursprünglich ganz neue Spielerlebnisse ermöglichen. Zuletzt ruderte Microsoft allerdings zurück und brachte eine Xbox One auch ohne die innovative Steuerung heraus. Damit liegt das Gerät mit einem um rund hundert Euro günstigeren Preis gleichauf mit Sonys Playstation 4. Diese Strategie erst einmal ganz clever, schätzt der Spieleexperte Stephan Freundorfer. Doch es mache Spieleentwicklern die Entscheidung schwer, auf die Technologie zu setzen.

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