Roman
Birnbacher: Die alte Leier vom Normalsein
21.03.2026"Sie wollen uns erzählen" ist der neue Roman von Birgit Birnbacher.
Volksschulkind Oz ist „anders“ – Stichwort ADHS und was damit so zusammenhängt – nämlich Auffälligkeit in der Schule und im Umgang mit anderen.
Am Zeugnistag passiert etwas, das seine Lehrerin erschüttert (wer Hasen mag, liest über diese Stelle nur mit einem Auge). Doch für Oz handelt es sich klar um ein Missverständnis. Mit den Konsequenzen muss er trotzdem in den Sommer starten, dabei wünscht er sich doch nur, dass die Ferien endlich beginnen, er im Schwimmbad sein kann und seiner Mutter nicht den Brief der Lehrerin geben muss. Mutter Ann ist, als er nach Hause kommt, mit einer anderen Katastrophe beschäftigt – die Zilly-Oma ist verschwunden …
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Paradoxon des Elternseins
Anders. Autorin Birgit Birnbacher, u. a. Bachmann-Preisträgerin 2019 und 2024 stand ihr Buch Wovon wir leben auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises, hat mit Sie wollen uns erzählen einen eindringlichen Text verfasst, der sich inhaltlich um das Paradoxon des Elternseins dreht. Unsere Gesellschaft hebt charismatische, unangepasste Menschen, die „anders“ sind, „anders“ denken, als Erwachsene in luftige Höhen. Doch als Kinder sollen sie bitte alle angepasst sein, „normal“ ist hier das überstrapazierte Zauberwort. Ann, die übrigens auch „anders“ ist, liebt ihren Sohn, muss ihn und ihre Verbindung immer wieder gegen die Außenwelt abschirmen, verteidigen, mannigfach sind die Ratschläge, die sie von anderen erzählt bekommt. Denn was das Außen denkt, passt so gar nicht zu dem Gefüge der Familie.
Das Buch verhandelt Verantwortlichkeiten nach unten und rauf in die Elterngeneration, die eigenen Unsicherheiten einer Mutter, die Beziehung zum Partner und wie man das alles stemmen soll oder kann. Ein süffiges Buch, das mit jeder Seite rasanter wird und viele Wahrheiten über Familien enthält. Dabei ist es amüsant, fein geschrieben sowieso und gleichzeitig behutsam in der Darstellung von Neurodiversität. Und das mit den Hasen … werden wir verschmerzen.