Europa-Tour

Leonard Cohen kommt nach Wien

19.06.2013

Über zweieinhalb Stunden Konzert in Paris: Barde und seine Band in Hochform.

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Leonard Cohen hat am Dienstagabend in Paris beim Auftakt seiner Europa-Tournee, die ihn am 27. Juli auch in die Wiener Stadthalle führt, minutenlange Standing Ovations bekommen - bevor noch der erste Ton erklungen war. Der bald 79-jährige Barde wurde den Erwartungen dann auch mehr als gerecht: Cohen führte in Höchstform mit seiner starken Band durch ein Programm, das alle Phasen seines musikalischen Schaffens abdeckte. Am Ende hielt es die 17.000 Besucher im ausverkauften Palais de Bercy nicht mehr auf den Sitzen.

Zugabenreigen verwöhnte Fans
Es war 23.15 Uhr, als Cohen zum eigenen Amüsement eine Saite seiner Gitarre riss. Da befand er sich in einem sieben Songs umfassenden Zugabenteil - inklusive "So Long, Marianne", "First We Take Manhattan", "Famous Blue Raincoat" und "Partisan". Aber auch einen aktuellen Song, "Going Home", packte Cohen ins Finale: "I love to speak with Leonard", croonte er. "He's a lazy bastard living in a suit". An diesem Abend traf das nicht zu: Rund zweieinhalb emotionsvolle Stunden dauerte die Show.

Bewegende Stimme
Nachdem der Poet, "Ladies Man", Sänger und buddhistische Mönch 2008 erstmals nach 15 Jahren zunächst aus finanziellen Gründen auf die Bühnen zurückgekehrt und drei Jahre um die Welt getingelt war, erschien 2012 nicht nur ein weiteres Studioalbum (das erste seit 2004), nein, Cohen ging damit sogar erneut auf Reisen. Auf der Platte "Old Ideas"  brummt der Songwriter bisweilen mit brüchigem Bariton, live denkt er allerdings nicht daran, sein Gesamtwerk dieser Tonlage anzupassen. Vielmehr holte Cohen trotz des hohen Alters aus seiner Stimme ein breites Spektrum heraus - ob nun Melodie ("Suzanne") oder ein Kraftakt ("Democracy") gefragt waren.

Auch Background-Musiker verauberten

Ab dem Opener "Dance Me To The End Of Love" offenbarte sich die perfekte Interaktion zwischen den Akteuren, als sich Alexandru Bublitchis unwiderstehliches Geigenspiel an Cohnens Text schmiegte ("Dance me to you beauty with a burning violin ..."). "Bird On A Wire" startete mit einer lässigen Blues-Gitarre (Mitch Watkins) und endete mit einem feinfühligen Keyboard-Part von Neil Larsen. Javier Mas liefert sich mit seiner Bandurria, einem gezupften Saiteninstrument, immer wieder eine Art Call-and-Response mit seinem Sänger. Die Schwestern Charley und Hattie Webb sowie Cohens langjährige Ko-Komponistin Sharon Robinson machen mehr als Background-Vocals: Ihre Harmonien bilden einen Kontrast zum dunklen Gesang, verschmelzen zugleich mit diesem.

Breitgefächerte Show

  Der Stil lässt sich auch bei der "Old Ideas Tour" nicht festlegen: Folk, Walzer ("Take This Waltz"), Gospel ("Hallelujah"), Country, Chanson, Blues, Jazz und Pop (zu "I'm Your Man" klatschte das Publikum im Disco-Rhythmus mit) vermischen sich. Dass die Musiker aus unterschiedlichsten Ländern stammen, tut dieser Melange besonders gut. Ab der vierten Nummer, "Everybody Knows", tänzelte Cohen herum, zog bei Solo-Einlagen den Hut vor seinen Kollegen, stampfte auf. Wiederholt sank er auf die Knie. Zwei neue Songs, "Amen" und "Come Healing", verdeutlichten, wie relevant Cohens schonungslose Lebensbetrachtungen weiterhin sind.

Fazit: "There ain't no cure for love"
"Wenn du älter als elf Jahre bist, solltest du in Hotels nicht in diese Vergrößerungsspiegel schauen", erzählte Cohen seinen Fans. "Well my friends are gone and my hair is grey", sang er bei "Tower Of Songs", ohne Wehmut, sondern mit spürbarer Gelassenheit. Und doch sind Cohens Erkenntnisse eines langen Lebens alles andere als verklärt: "There ain't no cure for love", lautete das Fazit eines Mannes, der es wissen muss.

Info
Alle informationen rund um das Leonard Cohen Konzert in Wien finden Sie unter www.oeticket.com.

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