Warum sie auf „16:8“ schwört
Die Heidi-Klum-Diät
Die Lebensjahre und der Alltag mit vier Kids, jungem Lover und angehenden Models haben der Klum definitiv zu mehr Lässigkeit verholfen. Vor Jahren noch unter der Ägide von Model-Einpeitscher Nr. eins, David Kirsch, den dogmatischen Regeln der „New-York-Diät“ brav gefolgt, hält sich Heidi heute nur mehr an eine einzige Vorgabe. Sie gibt ihrem Körper Esspausen. „Meine letzte Mahlzeit“, verriet sie kürzlich bei „Entertainment Tonight“, „esse ich immer um 18 Uhr – mit meinen Kindern. Ich esse nicht um 20 oder 21 Uhr, weil wenn ich das tue, trinke ich auch noch ein paar Gläser Wein und das sitzt mir dann schwer im Magen, wenn ich ins Bett gehe. Wenn du früher isst, dann kannst du es besser verdauen.“ Der Schlaf ist besser – man wacht erholt auf – ohne Heißhunger. An die 16 Stunden am Stück versucht das Model, ohne Nahrung (ausschließlich mit Wasser/ungesüßten Tees) auszukommen. Das gelingt ganz einfach mit einem späten Frühstück. Ab etwa zehn Uhr vormittags wird mit einem vitaminreichen Smoothie und insgesamt drei Hauptmahlzeiten der etwa acht Stunden dauernde „Esstag“ genossen – ohne Regeln, ohne Hungern, ohne Kalorienzählen, ohne Verzicht. Da darf’s auch beim Dinner mit den Kids ab und an mal was nicht ganz so Gesundes sein.
Das Klum-Konzept
Das Klumsche Konzept – die Wissenschaft bezeichnet es als 16:8-Methode oder Intervallfasten – ist so simpel wie wirkungsvoll. Denn es ist artgerecht. Intervallfasten ist so alt wie die Menschheit selbst. Schließlich steht erst seit wenigen Jahrzehnten Nahrung rund um die Uhr zur Verfügung. Der menschliche Körper hat sich an die Gegebenheit, dass Essen seit Anbeginn nur sporadisch verfügbar war, nicht nur gewöhnt, sondern sie sich zunutze gemacht, um den Körper gesund und in Form zu halten. Wird zwischenzeitlich gefastet schaltet sich nämlich die Müllabfuhr des Körpers ein. Die Wissenschaft bezeichnet diesen Modus – entdeckt 2015 – als Autophagie. „Stellen Sie sich die Zelle“, so der Grazer Langlebigkeitsforscher, Biochemiker und Molekularbiologe Dr. Slaven Stekovic, „vor wie eine kleine Fabrik, in der genügend Rohstoff in der Lagerhalle liegt. Sie verarbeitet ihn. Diese Verbrennung setzt Energie frei. Früher oder später ist der Rohstoff aufgebraucht. Die Fastenzeit bricht an. Die winzige Fabrik steht, das kann sie sich aber nicht leisten. Schließlich muss sie ständig Energie aus Zuckermolekülen herstellen. Also greift sie auf das zurück, was da ist: der Müll, der im Laufe der Produktionszeit entstand – Schadstoffe, Ablagerungen, Dreck (z. B. funktionslose Proteine). Die Zelle verarbeitet den Dreck. Das ist gut so. Wird er nämlich nicht verarbeitet, könnte er später brandgefährlich werden.“ Darf die kleine Fabrik aber auf den Abfall zurückgreifen, können molekulare Maschinen in der Zelle ausgebessert und auf Vordermann gebracht werden. Das bedeutet: Das Recycling hält die Zellen jung und gesund. Dieser Jungzelleneffekt stärkt den gesamten Organismus, auch das Immunsystem, sorgt dafür, dass Stoffwechselprozesse reibungslos ablaufen und dass wir auf gesunde Weise schlank bleiben respektive werden.
Der Schlankschalter
Das Beste nämlich: Fasten kennt keinen Jo-Jo-Effekt. Auch das hat mit Autophagie und unserer Genese. (Lange) Nahrungskarenzen kennt der Körper – er braucht sie. Er weiß: Danach bekommt er Brennstoff, und das vermutlich (wurde richtig Beute gemacht) in Hülle und Fülle. Deshalb darf in den Essensfenstern auch gut gegessen werden. Denn ein zu starkes Kaloriendefizit – wie es oft bei klassischen FDH-Diäten der Fall ist – drosselt den Stoffwechsel (begünstigt das Bunkern von Kalorien in den Fettdepots) und führt zu Muskelabbau. Beim Fasten hingegen wird Muskelabbau verhindert, da die Autophagie recycelte Bausteine zum Erhalt der Fettverbrennungsmaschinen verwendet.
Ein weiterer Schlankfaktor ist der über lange Zeit konstant niedrige Insulinspiegel, der dafür sorgt, dass die Fettverbrennung auf Hochtouren läuft. Denn muss das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon ständig Glukose (Zucker) aus dem Blut in die Zellen transportieren wird die Fettverbrennung blockiert. Erst eine Essenspause und ein damit einhergehender sinkender Insulinspiegel (Senkung tritt ca. ab Stunde sechs ein) kurbelt die Verbrennung an. Ein Cocktail, an glücklich und satt machenden Hormonen, der beim Pausieren ausgeschüttet wird, sorgt on top dafür, dass wir erholt und satt aufwachen. Zudem hat der Körper die Möglichkeit, sein natürliches Sättigungsgefühl wiederzuentdecken und Appetit von Hunger unterscheiden zu lernen. Und zum Schluss noch die simpelste Rechnung. Wer nicht rund um die Uhr futtert, läuft auch kaum Gefahr, seinen Gesamtenergiebedarf zu sehr zu überschreiten.
Ohne Kalorien zu zählen, ohne Kasteien – das passt nicht nur perfekt in ein Topmodelleben ...
16:8-Fasten: Das Diät-1x1
Leitfaden Fastenexpertin und Allgemeinmedizinerin Dr. Petra Bracht verrät die wichtigsten Basics des Intervallfastens.