Pro und Contra früher Schulstart
Drill schon mit Fünf?
(c) sxcEs stimmt, dass Kinder, die den Kindergarten besuchen, nicht gut auf die Schule vorbereitet werden, obwohl das letzte Jahr im Kindergarten auch dafür gedacht ist“, sagt Daniela Standfest (27), Volksschullehrerin und dreifache Mutter. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass eine Verpflichtung daran etwas ändert.“ Die Gründe dafür seien an einer Hand aufzuzählen: Die Möglichkeit, auf ein Kind individuell einzugehen, ist oft nicht gegeben, weil zu viele Kinder in der Gruppe sind. Nicht jede „Tante“ ist – wohl auch aus Kostengründen – ausgebildete Kindergärtnerin, und zunehmend mehr Kinder brauchen noch als Fünfjährige genauso viel Fürsorge und Zuwendung wie ein dreijähriges Kind.
Massive Defizite
Dazu die Wiener Kinder- und Jugendpsychologin Rosa Stieger: „Auch wenn man davon ausgehen kann, dass Eltern das Beste für ihr Kind wollen, haben Kinder oft zu wenig Kindheit: Die Tendenz geht eindeutig dahin, dass Kinder zu viel auf sich selbst gestellt sind, zu wenig Zeit mit ihren Eltern verbringen und schon viel zu früh alleine gelassen werden.“
Die Folge davon: „Viele Kinder – und nicht nur aus Migrationsfamilien – haben sprachliche Defizite, sie haben Probleme im Erfassen von sozialen Umständen, können Gefühle nicht ausdrücken oder erkennen, wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Und sie haben Ängste, die sie nicht benennen können.“ Kindergärtnerinnen sind damit beschäftigt, diese Defizite auszugleichen, und sind oft nicht in der Lage, Vorschulblätter durchzunehmen.
Zu wenig Kindheit
Das verpflichtende Bildungsjahr soll – wie schon der Name sagt – dazu verwendet werden, Kinder wesentlich intensiver als bisher auf die Schule vorzubereiten. „Damit wird eine Verschulung des Kindergartens einhergehen“, befürchtet Daniela Standfest. „Kinder werden dann schon mit fünf Jahren mit Stress und Leistungsdruck konfrontiert.“ Und das sei weder entwicklungspsychologisch noch pädagogisch sinnvoll. „Die Schulzeit ist lange genug.
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