Interview
Franziska Weisz: "Mir gefällt, dass sie so uneitel ist"
28.02.2026Nach ihrem „Tatort“-Abschied ermittelt Franziska Weisz in einer neuen Krimi-Serie. Der Talk über „Mordufer“, die Last der Frauen und die Frage, was einen guten Krimi ausmacht.
Den Job als „Tatort“-Ermittlerin hat Franziska Weisz (45) vor zwei Jahren an den Nagel gehängt. Eigentlich war es nicht ihr Plan, so schnell wieder einen Krimi zu drehen. Aber es kommt oft anders, als man denkt, und die österreichische Schauspielerin begibt sich ab 6. März (20.15 Uhr, ORF 2 und ORF ON) wieder auf Mörderjagd. Dass sie es sich anders überlegt hat, liegt daran, dass „Mordufer“ sich neben Mordfällen auch mit anderen Themen beschäftigt, die Weisz wichtig und interessant findet. Es geht um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und darum, wie eine Frau nach jahrelanger Care-Arbeit wieder zurück in ihren Job findet. Die vierteilige Serie diskutiert Altershierarchien und Femizide.
Wichtige Plattform
Im MADONNA-Interview spricht Franziska Weisz darüber, wie sehr sie ihren Beruf dafür liebt, schwere Themen ansprechen zu dürfen, weil man mit einem Format wie „Mordufer“ Menschen ohne erhobenen Zeigefinger erreichen kann und ihnen schwierige Fragen näherbringt.
„Mordufer“ ist eine neue Krimiserie. Was hat Ihnen Lust gemacht, die Rolle der Doro anzunehmen?
Franziska Weisz: Es gab mehrere Gründe. Ich habe nicht mit dem „Tatort“ aufgehört und gesagt, ich will sofort eine neue Krimireihe machen. Als ich das Drehbuch bekommen habe, hatte ich dann doch große Lust darauf, weil es unter anderem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie behandelt. Doro kommt nach 14 Jahren Care-Arbeit zurück in den Job. Ihre Kollegen, mit denen sie angefangen hat, haben auch alle Familie. Die haben aber ihre ganzen Sterne auf der Schulter. Das heißt, die Männer hatten beides – Familie und Beruf.Doro musste sich entscheiden. Das ist und bleibt ein wichtiges Thema. Manches ist besser geworden, aber der große Wurf, wie man das fairer gestalten kann, ist der Gesellschaft noch nicht gelungen.
Sie ist auch mit einer jüngeren Chefin konfrontiert.
Weisz: Auch das spiegelt unsere heutige Gesellschaft. Wie geht man damit um, plötzlich eine viel jüngere Chefin oder einen viel jüngeren Chef mit weniger Berufserfahrung zu haben? Ich kenne eine gewisse Altershierarchie, die es immer weniger gibt. Man muss Arbeitsansätze oder Anweisungen trotzdem annehmen. Auch die jüngeren Chef:innen müssen einen Weg finden, mit dienstälteren Menschen so zu kommunizieren, dass es annehmbar ist. Das ist komplex.
Doro wirkt sehr uneitel. War es schön, das zu spielen?
Weisz: Mir gefällt, dass sie so uneitel ist und dass sie eine Frau ist, die beim Reden den Bauch raushängen lässt. Das ist bei uns immer noch ein Aspekt: Wir sollen authentisch sein, die Emotionen müssen natürlich und echt sein. Gleichzeitig muss man immer gut ausschauen. Das ist eine Bürde. Es trifft Männer viel weniger als Frauen. Ich habe mir oft gedacht, ich wäre beim Drehen gerne ein Mann, weil man mal dickere Augenringe haben darf. Da ist die Frage: Sind es wir Frauen, die mit uns selbst so kritisch sind, oder wird auf uns Frauen kritischer geäugt?
Diese Schieflage zieht sich durch viele Bereiche. Gerade das Genre Krimi ist sehr maskulin besetzt. Es gibt selten zwei Ermittlerinnen.
Weisz: Frauen-Duos gibt es tatsächlich viel weniger als Männer-Duos. Die Polizei war ja lange eine Männerdomäne. Jetzt sieht man viel mehr Polizistinnen als vor zehn Jahren. Ich denke, es gibt jetzt viel mehr Frauen bei der Polizei, als noch vor etlichen Jahren, als die ganzen Krimiformate langsam angelaufen sind. Dass es ein Frauen-Duo ist, war für mich sehr interessant.
Was macht für Sie einen guten Krimi aus?
Weisz: Ich glaube, da sind die Empfindungen ganz unterschiedlich. Für mich: Wenn es sich nicht wie Krimi anfühlt (lacht). Wenn die persönlichen Dramen im Vordergrund stehen. Das finde ich spannend. Das habe ich auch an „Tage, die es nicht gab“ sehr geschätzt: Man sieht den Menschen beim Leben und bei ihren Konflikten zu. Mich interessiert das Zwischenmenschliche mehr als die Auflösung des Krimis, wenn man in Schicksale eintauchen kann und das dann vielleicht noch gesellschaftlich relevant ist.
Ist es Ihnen wichtig, gesellschaftliche Themen im TV anzusprechen?
Weisz: : Es ist immer eine Gratwanderung: Wo ist der erhobene Zeigefinger? Ich liebe meinen Beruf auch deshalb, weil ich solche Themen ansprechen darf. Wenn man einen Dokumentarfilm oder ein richtig hartes Drama macht, erreicht es die Menschen, die sich bereits dafür interessieren. Wenn man es aber als Krimi aufbereitet, der unterhält und sich wie „Mordufer“ traut, auch lustig zu sein, erreicht man viel mehr Menschen. Viele, die nicht auf die Idee gekommen wären, eine Dokumentation oder einen Zeitungsartikel zum Beispiel über Femizide zu lesen. Das ist natürlich die Hoffnung.
Die Serie spielt am Bodensee. Wie war es, in dieser Umgebung zu drehen?
Weisz: Traumhaft. Ich kannte den Bodensee überhauptnicht und kam in den Abendstunden an. Ich ging durch die Häuserreihe in Überlingen und vor mir war die Uferpromenade. Die Sonne ging blutrot unter, daneben stand ein Typ und spielte Saxophon. Ich war überrascht, wie wahnsinnig schön das ist. Ich habe zwei Monate lang konsequent jeden Abend den Sonnenuntergang fotografiert. Nicht mit Vorsatz, sondern weil ich es schön gefunden habe. Vorher dachte ich mir: „Oh Gott, was mache ich zwei Monate am Bodensee.“ Dann fand ich, die Zeit vergeht viel zu schnell. Es ist eine wunderschöne Region und die Leute sind sehr entspannt.