Bluttat zu Ostern
6. Femizid erschüttert ganz Österreich
06.04.2026Ein Keller, ein Wald, ein Friedhof, ein Seniorenheim, ein Stiegenhaus und ein Garten. Sechs Tatorte - ein und dieselbe Realität.
NÖ. Während viele Familien den Ostersonntag gemeinsam ausklingen lassen, wird ein Garten in Sooß (Bezirk Baden) zum Tatort. Dort wird die 38-jährige Zoja O. tot aufgefunden. Sie hatte Stich- und Schussverletzungen. Tatverdächtig ist ihr 47-jähriger Ehemann, von dem die Frau getrennt lebte. Der 47-Jährige befindet sich bereits in Untersuchungshaft.
- Stich- und Schussverletzungen: Zoja O. (39) tot im Garten gefunden
- Mord-Alarm in Wien-Penzing – 36-Jähriger festgenommen
Zwischen dem Paar sei es immer wieder zum Streit gekommen, das Motiv für die gegen 18.30 Uhr verübte Bluttat sei aber noch nicht geklärt. Es wurde eine Obduktion des Leichnams angeordnet, um etwa die genaue Todesursache bestimmen zu können. Sichergestellt wurde auch eine mögliche Tatwaffe, eine Neun-Millimeter-Pistole. Die Frau war Mutter von vier Kindern. Vier Kinder, die an diesem Tag ihre Mutter verlieren. Vier Kinder, für die Ostersonntag nie wieder derselbe sein wird.
Doch dieser Mord steht nicht für sich allein. Er ist der vorläufige Höhepunkt einer Serie von Gewaltverbrechen, die Österreich seit Jahresbeginn erschüttert.
Acht Tage neben Leiche gelebt
Der erste Fall des Jahres ereignet sich bereits am 5. Jänner in Niederösterreich. Die 36-jährige Joyce P. wird im Zuge eines Streits von ihrem Lebensgefährten Stefan S. (47) erdrosselt. Doch die Tat endet nicht mit ihrem Tod. Der bereits wegen häuslicher Gewalt amtsbekannte Mann versteckt die Leiche im Keller. Acht Tage lang lebt er weiter – während sich der Körper der Frau im selben Haus befindet. Erst als er sich einem Bekannten anvertraut, wird die Polizei eingeschaltet.
Vergraben im Wald
Nur wenige Tage später verschwindet in der Steiermark die 34-jährige Johanna G. Am 14. Jänner führt ein Tatverdächtiger - der Cobra-Cop Manuel M. - die Ermittler schließlich zu einem Waldstück. Er hatte kurz zuvor gestanden, die Steirerin beim Sex mit einem Schal laut seinen Aussagen unabsichtlich erwürgt und danach vergraben zu haben.
Mord im Luxus-Seniorenheim
Schauplatz der nächsten Bluttat ist ein Luxus-Seniorenheim in Wien-Döbling. Eine 87-jährige Frau wird am 20. Jänner tot in ihrem Zimmer aufgefunden. Die Obduktion bringt Gewissheit: Die Frau wurde erstickt. Sie weist gebrochene Rippen und massive Verletzungen auf. Der Killer - ein 61-jähriger Türke - wurde festgenommen.
Zufallsopfer am Friedhof
Ende Februar erschüttert ein besonders ungewöhnlicher Fall Wien. Am Friedhof Baumgarten wird eine 64-jährige Frau mit mehreren Messerstichen getötet. Die mutmaßliche Täterin: ein 14-jähriges Mädchen. Es gab keine Verbindung zwischen Täterin und Opfer. Die Frau wurde offenbar zufällig ausgewählt.
Ehefrau erstochen
Mitte März eskaliert ein weiterer Fall in Innsbruck. Ein 31-jähriger Mann ersticht seine 37-jährige Ehefrau im Stiegenhaus eines Wohnhauses. Anschließend nimmt er sich selbst das Leben. Die Ermittler gehen von Eifersucht und Kontrollverhalten als Motiv aus. Zwei Kinder im Alter von sechs und acht Jahren bleiben zurück.
Die Zahlen hinter den Taten
Die Kriminalstatistik zeigt bereits für das Jahr 2025 ein klares Bild: Insgesamt 34 Frauen wurden getötet. In über 70 Prozent der Fälle bestand eine Beziehung zwischen Täter und Opfer.
Doch zurück bleiben nicht nur Zahlen. Zurück bleiben: vier Kinder, die ihre Mutter am Ostersonntag verlieren, zwei Kinder - die nach der Bluttat in Innsbruck ohne Eltern aufwachsen und Familien, die mit der Frage zurückbleiben, warum niemand rechtzeitig eingreifen konnte.