"Große Bestürzung"
Acht Lawinentote an einem Tag: Auch Alpenvereins-Gruppe unter Opfern
18.01.2026Am Samstag starben acht Menschen nach drei Lawinenunglücken auf Österreichs Bergen.
Pusterwald/Gastein. Drei Lawinenunglücke haben in Österreich am Samstagnachmittag acht Menschenleben gefordert. Im Salzburger Pongau - in Badhofgastein und im Großarltal - wurden durch Schneebretter fünf Menschen getötet, im Gemeindegebiet von Pusterwald im steirischen Murtal starben drei Skitourengeher aus Tschechien. Die Lawinengefahr ist in den Alpen seit Tagen hoch.
Im Murtal waren von dem Lawinenunglück im Gemeindegebiet von Pusterwald insgesamt sieben Personen betroffen, teilte die Polizei am Samstagabend mit. Die um 16:24 Uhr alarmierte Alpine Einsatzgruppe Murtal konnten die Verschütteten laut Polizei lokalisieren und teilweise ausgraben. Trotz umgehend eingeleiteter Rettungsmaßnahmen konnte jedoch nur mehr der Tod der drei tschechischen Tourengeher festgestellt werden.
Vier Menschen überlebten Lawinenunglück in Pustertal
Die vier Begleiter, welche nicht von der Lawine erfasst worden waren, wurden von den Einsatzkräften aus dem alpinen Gelände gebracht und notfallmedizinisch erstversorgt.
Im Einsatz standen 150 Einsatzkräfte der Bergrettung aus dem Bezirk Murtal und Liezen, mehrere Einsatzteams der Lawinen- und Suchhundestaffel der Bergrettung Steiermark, die Alpinpolizei, weitere Polizeikräfte, drei Notarzthubschrauber der ÖAMTC-Flugrettung, Freiwillige Feuerwehren aus dem Bezirk Murtal und Liezen sowie das Kriseninterventionsteam.
Die Bergung der Verstorbenen aus dem alpinen Gelände wird aufgrund der Witterungsverhältnisse am Sonntag durch die Alpinpolizei mit Unterstützung der Bergrettung abgeschlossen. Der genaue Unfallhergang sowie die Identität der verunglückten Skitourengeher waren Gegenstand laufender Ermittlungen.
Tödliche Lawinen in Bad Hofgastein und im Großarltal
Ebenfalls Samstagnachmittag gab es zwei tödliche Lawinenabgänge im Salzburger Pongau. Das erste Schneebrett hatte sich in Bad Hofgastein kurz nach Mittag im Bereich der "Schmugglerscharte" auf 2.200 Metern Seehöhe gelöst. Eine Skitourengeherin wurde vor den Augen ihres Ehemannes im freien Gelände verschüttet. Für sie kam jede Hilfe zu spät.
Nur eineinhalb Stunden später löste sich im Großarltal eine Lawine, die sieben Tourengeher mit sich riss, vier wurden getötet. Einer überstand dieses zweite Schneebrett im Bereich "Finsterkopf" im Großarltal - das sich gegen 14.00 Uhr löste - unbeschadet, die anderen beiden Alpinisten kamen mit schweren bzw. leichten Verletzungen davon, berichtete die Bergrettung in einer Aussendung.
Alpenvereins-Gruppe unter den Opfern
Auch hier kam es zum Großeinsatz der Rettungskräfte: Es standen unter anderem vier Rettungshubschrauber, die Hundestaffel der Bergrettung und des Roten Kreuzes sowie sechs Mitglieder des Kriseninterventionsteams im Einsatz. Über die Identität der Toten war vorerst nichts in Erfahrung zu bringen. Inzwischen bestätigte der Alpenverein, dass es sich bei den Betroffenen um Teilnehmende einer geführten Alpenverein-Kursgruppe handelt.
Der Kurs fand im Rahmen eines regulären Winterausbildungsprogramms des Alpenvereins statt. Die genauen Umstände des Lawinenabgangs werden vor Ort von Experten des Alpenvereins und von den zuständigen Behörden untersucht.
Alpenvereins-Präsident: "Große Bestürzung"
"Mit großer Bestürzung haben wir gestern vom Unglück im Pongau erfahren. Unsere Gedanken sind bei den Familien, Freundinnen und Freunden der Verstorbenen und Verletzten. Die alpine Gemeinschaft trauert mit den Angehörigen", sagt Wolfgang Schnabl, Präsident des Österreichischen Alpenvereins.
"In unseren Kursen stehen Risikokompetenz und Sicherheitsbewusstsein an oberster Stelle. Dieses Unglück schmerzt zutiefst. Wir stehen in engem Kontakt mit den Behörden sowie den Angehörigen der betroffenen Personen. Für die psychologische Betreuung wurde ein Kriseninterventionsteam aktiviert", so Jörg Randl, Leiter der Abteilung Bergsport des Österreichischen Alpenvereins.
Behörden warnten vor Lawinensituation
"Trotz klarer und mehrfacher Warnungen kam es heute erneut zu zahlreichen Lawinenabgängen - leider mit tödlichem Ausgang. Diese Tragödie zeigt schmerzhaft, wie ernst die aktuelle Lawinenlage ist", erklärte der Bezirksleiter der Bergrettung Pongau, Gerhard Kremser, in der Presseaussendung am Samstag. Seitens der Bergrettung waren bei den Lawinen am Samstag insgesamt 90 Bergretter und sechs Hundeführer im Einsatz.
Zur Mittagszeit wurden im Pongau weitere Lawinen von Wintersportlern ausgelöst. In Hüttschlag am Plattenkogel und in Großarl am Frauenkogel gingen Schneebretter ins Tal. Dabei sind aber keine Personen verletzt worden.
Gefahrenwarnstufe drei
Der Lawinenwarndienst Salzburg stufte die Gefahrenlage für Samstag auf "Gefahrenstufe 3" von fünf Stufen hoch, was erhebliche Gefahr bedeutet. Schneebrettlawinen können dabei an einigen Stellen durch geringe Zusatzbelastung ausgelöst werden und mittlere Größe erreichen. Risse und Setzungsgeräusche beim Betreten der Schneedecke weisen auf die Gefahr hin. Die Gesamtschneehöhe ist vielerorts noch deutlich unterdurchschnittlich. Rücken und Grate sind oftmals komplett abgeblasen, gefährlich ist sogenannter Triebschnee.