Wien

Justiz nimmt der Eis-Lady 
Baby weg

11.01.2012

Geburt per Kaiserschnitt in Klinik - Sohn Roland wiegt 3,2 Kilo.
 

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© TZ ÖSTERREICH/Raunig
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Gestern gegen 12.00 Uhr mittags: Die Neugeborenen-Station des Preyer’schen Kinderspitals in Wien-Favoriten. Der Eingang im dritten Stock wird von einem Security streng bewacht. Jeder, der sich mit einem Fotoapparat der Station nähert, wird umgehend rausgeschmissen – fast so, als würde hier ein Präsidentenbaby versorgt.

Jetzt abstimmen! War es richtig vom Jugendamt, Estibaliz C. das Baby wegzunehmen?

Tatsächlich liegt auf der Kinderstation seit einigen Stunden das Baby der zweifachen Mordverdächtigen Estibaliz C. (für sie gilt die Unschuldsvermutung). 15 Tage vor dem errechneten Geburtstermin hatten bei der mutmaßlichen Doppelmörderin am Dienstag die Wehen eingesetzt. Mit der Rettung und in Begleitung von Justizwachebeamten wurde Estibaliz ins Franz-Josefs-Spital eingeliefert.

Sohn heißt Roland
Wenige Minuten vor Mitternacht kam der Bub per Kaiserschnitt zur Welt. Roland (wie der Papa) wird Estis Sohn heißen. Er ist 50 Zentimeter groß, gesund und wiegt 3,2 Kilo. Der Vater durfte bei der Geburt nicht dabei sein. Er war zwar im Spital, konnte seinen Sohn aber erst am Tag danach erstmals sehen.

Lange durfte auch die Ex-Eissalon-Besitzerin ihr Mutterglück nicht genießen. Kurz nach der Niederkunft wurden Mutter und Kind vom Jugendamt getrennt.

Auch Vater durfte Sohn nicht gleich besuchen
„Das ist menschenverachtend und verstößt gegen jede Menschenrechtskonvention“, empört sich der Anwalt von Estibaliz C., Rudolf Mayer, gegenüber ÖSTERREICH. Und kündigt an: „Ich werde mich dagegen intensiv wehren.“

Doch wer war für die schnelle Trennung von Mutter und Kind verantwortlich? Keiner wollte die Verantwortung übernehmen. Der zweite Anwalt von Estibaliz C., Werner Tomanek, beschuldigte das Jugendamt. Auch Generalleutnant Peter Prechtl von der Vollzugsdirektion und die Justiz beriefen sich auf den Entscheid von der MA 11.

Doch Herta Staffa, die Pressesprecherin der Behörde, weist gegenüber ÖSTERREICH alle Vorwürfe von sich. „Das war nicht unsere Entscheidung. Wir wollten nie der Mutter das Kind aus den Händen reißen.“

Tatsache ist aber: Estibaliz’ Sohn Roland wird nicht, wie zunäöchst geplant, die ersten drei Lebensjahre bei der Mutter in der Justizanstalt leben. Das entschied das Jugendamt schon vor der Geburt – angeblich gemeinsam mit den Eltern. „Da die Mutter doch länger in Haft bleiben wird, ist es besser, wenn das Kind gleich zum Vater eine enge Beziehung aufbaut. Er wird das Kind auch aufziehen“, so Staffa.

Jugendamt: "Baby kommt zum Vater"

ÖSTERREICH: Frau Staffa, Sie sind die Pressesprecherin des Jugendamtes. Warum wurde das Baby gleich nach der Geburt von der Mutter getrennt?
Herta Staffa:
Das war nicht unsere Entscheidung. Es war nie unsere ­Intention, der Mutter das Kind aus den Armen zu reißen. Wir haben nur bereits vor der Geburt in Absprache mit den Eltern beschlossen, dass das Kind beim Vater aufwachsen wird und nicht einige Jahre bei der Mutter in der Justizanstalt verbringt.

ÖSTERREICH: War das ein langer Entscheidungsprozess? Und wer hat die Entscheidung getroffen?
Staffa:
Letztendlich haben wir, die MA 11, entschieden. Für die Eltern lag die Entscheidung zwischen Herz und Hirn. Da die Mutter wahrscheinlich sehr lange in Haft bleiben wird, ist es für das Kind besser, die enge Bindung gleich zu der Person aufzubauen, die es auch aufzieht.

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