Dompfarrer Faber: "Gute Idee"

Kirchen-Rebellen wollen Treffen mit Papst

07.04.2012

Helmut Schüller und seine 400 Pfarrer haben ein kleines „Wunder“ geschafft.

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Heute ist der höchste Kirchenfeiertag – und ausgerechnet an diesem heiligen Tag ist die Austro-Kirche emotional zerrissen: Während Papst Benedikt XVI. den Segen „Urbi et Orbi“ in die Welt sendet, tobt hierzulande wieder die Diskussion um die Pfarrerinitiative „Aufruf zum Ungehorsam“. Nach den überraschenden Worten von Papst Benedikt XVI. am Karfreitag im Petersdom über die Pfarrerinitiative drängt nun Kardinal Schönborn auf eine rasche Klärung. „Das Wort ‚Ungehorsam‘ kann so nicht stehen bleiben“, so der Kardinal.

Doch Helmut Schüller, der Anführer der Kirchenrebellen, hat einen anderen Plan. Statt mit dem Kardinal zu verhandeln, möchten Schüller und seine 400 Verbündeten nun direkt mit dem Papst sprechen.

Chancen für ein Papst-Treffen so gut wie noch nie
„Der Papst hat nicht von Sanktionen gegen uns gesprochen, sondern er hat uns Fragen gestellt und wir wollen sie ihm beantworten. Jetzt werden wir um ein Treffen ansuchen. Denn im Gegensatz zur Behauptung von Kardinal Schönborn glauben wir nicht, dass der Papst gut ­informiert ist“, kündigt Schüller an.

Erfolg für Initiative
Schon 2007 und 2009 hat sich die Pfarrerinitiative um ein Treffen mit dem Papst bemüht, bisher ist man immer abgeblitzt.

Wiens prominenter Dompfarrer Toni Faber hält Schüllers Plan für eine gute Idee: „Die Papstworte waren kein Auftrag an Kardinal Schönborn, die Pfarrerinitiative stumm zu machen. Der Papst nimmt die Debatte in Österreich offenbar sehr ernst. Ich halte es für eine gute Idee, dass sie nun versuchen, ­einen Termin zu bekommen“, so Faber gegenüber ÖSTERREICH.

Die Hoffnungen, dass Papst Benedikt XVI. nun eine Audienz gibt, sind groß. „Es kann schon als Erfolg gewertet werden, dass die Pfarrerinitiative die Ebene der Weltkirche erreicht hat“, so der Religionssoziologe Paul M. Zulehner.

„Ungehorsam“ modifizieren
Aber Zulehner räumt auch ein, dass die 400 Pfarrer nun taktisch sehr überlegt handeln müssen. „Das Wort Ungehorsam hat sehr viel Dynamik gebracht. Nun sollte man das Wort modifizieren“, rät der Experte.

Schönborn: "Müssen bald eine Klärung angehen"

Frage: Herr Kardinal, wie beurteilen Sie die Stellungnahme des Papstes zur Pfarrerinitiative?
Kardinal Schönborn: Es zeigt für mich vor allem eines: Entgegen dem, was gerade von der Pfarrerinitiative immer wieder behauptet wurde, dass man sich in Rom nicht auskennt und dass die abgehoben sind – hier müssen wir im Gegenteil sagen: Der Papst ist hervorragend informiert und er hat dazu Stellung genommen. Das ist das Zweite, was mir in dieser Predigt wichtig erscheint: In einer sehr differenzierten Weise hat er zuerst gesagt, er versteht die Sorgen, ob die Kirche nicht zu wenig im Heute sei. Er hat dann aber ganz klar gesagt, es gibt einige Punkte in dieser Pfarrerinitiative, die in diesem „Aufruf zum Ungehorsam“ einfach nicht zur Frage stehen dürfen.

Frage: Was heißt das konkret?
Schönborn: Es muss hier bezüglich des „Aufrufs zum Ungehorsam“ eine Klärung geben. Und ich denke, wir müssen sie bald angehen.

Zulehner: "Papstworte sind Erfolg für Pfarrer"

ÖSTERREICH: Herr Zulehner, wie bewerten Sie die Papstworte über die Rebellen?
Paul M. Zulehner: Es ist ein Erfolg für die Pfarrerinitiative, dass sie die Ebene der Weltkirche erreicht haben. Auch mit dem gewählten Ton bescheinigt der Papst den Pfarrern, dass sie den Aufruf zum Wohl der Kirche gemacht haben.

ÖSTERREICH: Wie soll die Initiative nun weitermachen?
Zulehner: Jetzt ist die Zeit für Deeskalation angesagt. Statt „Aufruf zum Ungehorsam“ sollte es künftig lauten: „Aufruf zum Gehorsam dem Evangelium gegenüber. Außerdem sollten sie sich auf einzelne ­große Themen konzentrieren. Wie ­etwa Scheidung und Wiederverheiratung. Da gibt es ­etwa in der Ostkirche Lösungen, wie man im Sinne des Evangeliums besser handeln kann.

Ida Metzger

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