Prozess in Wien

Kritik an Berichterstattung: Palästinenser-Aktivisten stürmten ORF

20.03.2026

Die Aktivisten wollten die Journalisten mit ihrer Kritik an der Berichterstattung direkt konfrontieren. 

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Am Freitagnachmittag ist der Prozess gegen vier pro-palästinensische Aktivisten am Landesgericht Wien gestartet. Sie waren im August 2025 Zugang ins ORF-Zentrum am Küniglberg eingedrungen und hatten dort Wände und den Boden mit Parolen beschmiert und Flugblätter verteilt. Vor Gericht wird ihnen schwere Sachbeschädigung vorgeworfen. Die vier Angeklagten übernahmen zu Beginn der Verhandlung die volle Verantwortung für die Taten.

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Ihre Verteidiger regten ein diversionelles Vorgehen an. Ihre Mandanten seien auch zur Schadenswiedergutmachung bereit. Laut der Anklage sollen sie eine Backlite-Wandbespannung, Glaswände, den Fußboden sowie diverse Einrichtungsgegenstände des ORF verunstaltet haben, indem sie diese mit roter Farbe beschmierten, wodurch dem Sender ein Schaden in Höhe von 6.493 Euro entstanden ist.

ORF gestürmt: Pro-Palästina-Aktivisten drangen am Küniglberg ein

Angeklagte wollte Journalisten konfrontieren

"Es war mir ein Anliegen, die Journalisten im Newsroom zu konfrontieren", sagte eine 38-jährige Angeklagte. "Die haben alle zugehört", schilderte sie die Situation. Ein großer Teil der österreichischen Bevölkerung habe damals die "politisch gefärbte" Berichterstattung des ORF über den "israelischen Völkermord im Gazastreifen" kritisiert. Es sei ihre "zivilgesellschaftliche Pflicht" gewesen, den Journalistinnen und Journalisten vorzuhalten, "dass sie auch Verantwortung dafür tragen, dass fast 300 palästinensische Journalisten ermordet" worden seien. Man habe allerdings niemanden verängstigen oder Infrastruktur beschädigen wollen und daher wasserlösliche Farben für die Beschmierungen verwendet. "Der ORF hat sich immer noch nicht mit der eigenen Berichterstattung über den Völkermord auseinandergesetzt", kritisierte sie heute erneut.

Kritik an ORF-Berichterstattung

Am 21. August 2025 hatten sich die Aktivistinnen und Aktivisten als Teilnehmer einer Besuchergruppe Zugang zum ORF-Zentrum am Küniglberg verschafft. Sie lösten sich von der Gruppe und beschmierten den Boden und die Glaswände unmittelbar vor dem Newsroom und skandierten Parolen. Über das ORF-Emblem wurden in roter Farbe die Buchstaben "IDF", das Kürzel der israelischen Armee, geschmiert. Im Newsroom wurden entsprechende Flugblätter mit dem Titel "ORF unterstützt Völkermord" verteilt. Darin hieß es: "Alle Mitarbeiter des ORF, sowie der gesamte Stiftungsrat, machen sich mitschuldig am industriellen Morden im Gazastreifen." Das Schweigen über den Genozid sei Mittäterschaft daran. Die Protestaktion wurde daraufhin von der Polizei beendet, die sechs Aktivisten wurden festgenommen. Der ORF gab einen Tag später bekannt, Sicherheitsvorkehrungen verschärft zu haben.

Im Sommer 2025 wuchs auch in Österreich verstärkt die Kritik an der Kriegsführung der israelischen Armee aufgrund der hohen zivilen Opferzahlen im Gazastreifen. Eine Kommission der Vereinten Nationen kam im vergangenen September zu dem Schluss, Israel habe einen Völkermord begangen. Ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs (IGH) in Den Haag steht nach einer entsprechenden Klage Südafrikas gegen Israel nach wie vor aus. Im Oktober wurde federführend durch den US-Präsidenten Donald Trump ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der militant-islamistischen Palästinenserorganisation Hamas geschlossen. Es beendete vorerst den Krieg, der mit dem Massaker der Hamas und der Verschleppung von hauptsächlich israelischen Geiseln in den Gazastreifen am 7. Oktober 2023 begonnen hatte.