Klimaforscher schlagen Alarm

Nach Frost-Mai droht Sahara-Sommer

29.05.2013

Regnerischster Frühling seit 155 Jahren. Die Sonne schien 170 Stunden zu wenig.
 

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© Getty/APA
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Schnee, Kälte und Regen. Was ist mit dem Frühling los? Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr, das Ruder rumzureißen. Am 1. Juni beginnt nämlich der meteorologische Sommer.

  • Wem dieser Mai nass vorkam, hat sich nicht geirrt. Laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) war dieser Mai der regnerischste Mai seit 155 Jahren. Österreichweit fiel um 35 Prozent mehr Niederschlag als normal wäre für diese Zeit.
  • Und damit nicht genug. Auch die Mai-Temperaturen spielten Winter. In einigen Orten war es kälter als zu Weihnachten. Auf dem Brunnenkogel in 3.440 Metern wurden vergangenen Freitag minus 15,7 Grad gemessen! Insgesamt sank das Thermometer dann sogar in zehn Tiroler Orten unter null Grad.
  • Die Sonne ließ sich kaum blicken. Die ZAMG bilanzierte: Dieser Frühling 2013 war der trübste seit dem Jahr 1991. Insgesamt gab es 170 Stunden weniger Sonnenschein als im normalen Frühling.
  • Am kommenden Freitag endet (endlich) der meteorologische Frühling. Doch die Aussichten sind schlecht. Laut ZAMG bleibt es im ganzen Land regnerisch bei Temperaturen von 7 bis 17 Grad.
  • Für die Bauern ist das eine Katastrophe: In der Steiermark hat der Apfelanbau bisher gelitten. Einige Bäume tragen 80 % weniger Früchte. Auch die Erdbeerernte nimmt Schaden. Beim Erdbeerland Zachhalmel in Tulln hat sie sich um eine Woche verschoben.
  • Heftig: Obwohl sonst im Mai in heimischen Gewächshäusern fast nie geheizt wird, mussten fast alle Bauern heuer die Heizung aufdrehen. Die Kosten stiegen um 75 %.
  • Und auch der Tierwelt macht das Wetter zu schaffen. „Gerade für Jungtiere ist dieses Wetter gefährlich und kann sogar tödlich enden“, sagt Christopher Bock vom Landesjagdverband. Direkt durch Kälte, indirekt durch Parasiten.
  • lAuch wenn hohe Temperaturen noch weit weg scheinen, warnen Klimaforscher. „Wir werden im Sommer extreme Temperaturen spüren“, sagt Experte Mojib Latif. Dann ist die Kälte Schnee von gestern.


Klimaforscher Mojib Latif im Interview: »Temperaturen bis zu 45 Grad im Sommer«

ÖSTERREICH: Ist dieser Mai normal?
Mojib Latif:
Nein, absolut nicht. Das ist ein außergewöhnlicher Mai mit Rekordniederschlägen und ungewöhnlich kalten Temperaturen.

ÖSTERREICH: Woran liegt dieses Wetter?
Latif:
Das können wir nicht genau sagen, denn dieser Rekord-Mai fällt aus dem Klima-Plan. Normalerweise müsste es durch die Erderwärmung längst Sommer sein. Aber solche Wetterlaunen können natürlich trotzdem immer vorkommen.

ÖSTERREICH: Also wird der nächste Winter wärmer?
Latif:
Es ist fix, dass die Winter der Zukunft wärmer werden. Zwar geschieht das langsam, aber dann können wir mit 5 Grad plus rechnen. Auch jetzt sind die Winter normalerweise schon wärmer. Deswegen fällt uns schnell auf, wenn es mal einen Winter scheinbar etwas kühler ist.

ÖSTERREICH: Wie sieht das mit Wetterextremen in den kommenden Jahren aus?
Latif:
Die werden zunehmen. In Österreich gibt es die ersten Vorboten. Dort ist der Starkniederschlag in den letzten hundert Jahren angestiegen. Aber wir werden die Wetterextreme vor allem im Sommer spüren. Die werden heiß mit langen Trockenphasen, und Temperaturen bis zu 45 Grad sind dann möglich.

© oe24.at

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